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Der Israelit · 1896-01-02 · Heft 1 (2.1.1896) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 1 (2.1.1896)
Date
1896-01-02
Page
– (sequence 5)
Language
German
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5 zündet. Dem ernsten Theil der Feier folgte jetzt, der heitere und die Frohnatur des Kindes trat in ihre Rechte. Von verschiedenen Freunden waren Geschenke für die Zöglinge gestiftet, die jetzt unter Mithülfe anwesender Damen und unter dem Scheine von fast 400 Chanukalichtern zur Vertheilung gelangten. Freude strahlte aus allen Gesichtern und es war geradezu überraschend, wie die Knaben, die noch kurz zuvor in tragischen Rollen so vorzüglich gespielt hatten, jetzt wieder Kinder waren und mit den Geschenken sich freuten. So fand das Fest seinen schönen Abschluß; und mit dem Gefühl, einer erhebenden Feier, die sich in den Ktnderherzen tief etngeprägt hat, betgewohnt zu haben und mit Dank und Anerkennung für die Herren Bachrach, Minden und Höxter, die sich um die Einübung so verdient gemacht hatten, verließen die Zuschauer in später Stunde die Anstalt, ihr ein ferneres fröhliches Gedeihen wünschend und die Ueberzeugung mit sich nehmend, daß die Zöglinge hier wohl geborgen sind in dem Hause, in dem „nachbarlich wohnet der Mensch noch mit dem Acker zusammen", aber erleuchtet von des „Lichtes Htmmelsfackel", dem körperlichen Lichte des Chanukafestes und dem geistigen der Religion und Erziehung. Es dürfte nicht unpassend erscheinen, auch bei dieser Gelegenheit darauf aufmerksam zu machen, wie viel schicklicher es doch auch für freidenkcnde jüdische Familien ist, wenn sie mit ihren Kindern das jüdische Weihe- und nicht das christliche Weihnachtsfest feiern. Abgesehen davon, daß manche unserer christlichen Mitbürger dieses Weihnachtfeiern der Juden mit Tannenbäumen 2c. als eine Rach äffung betrachten, läßt sich doch bei einigermaßen gutem Willen eine jüdische Chanuka- oder Weihefeier für jüdische Kinder, ebenso schön und feierlich gestalten, wie eine Weihnachtsfeier mit Tannenbaum für christliche Kinder. Die geschichtlich verbürgten Thaten der Makkabäer bieten genügenden Stoff, um kleine und große Kinder zu begeistern und derartige in das kindliche Gemüth gestreute Samenkörner werden früher oder später aufgehen und für das wahre Judenthum reiche Früchte tragen. Aus Baden, im Dez. Die Synagogenräthe des Landes haben gegenwärtig in der Aneignung und im Vollzüge der, einen ziemlich starken Band bildenden neuen Verordnungen über die Verwaltung der israelitischen Gemeinden über Hals und Kopf zu schaffen. In erster Reih: sind die Wahlen der Bekäme, ttfa. dn vorzunehmen, dann d!e jährlichen Beiträge der Gemeindeglieder nach Klassen festzusetzen und das Betreffende den Umlage pflichtigen in einem geschloffenen Couverte mttzuthetlen und wenn die Einwandsfrist vorüber die Umlagezettel ebenfalls in geschlossenen CouvertS auszugeben. Der von der Gemeindeversammlung oder in größeren Gemeinden von der Vertretung zu genehmigende Voranschlag in Einnahmen und Ausgaben und das Einzugsregister müffen genauestens aufgestellt und dem Großh. Bezirksamte zur Bestätigung vorgelegt werden. Die Rechnungsführung geschieht vom 1. Januar an nach einer neuen Instruktion. Die Einträge in das Buch sind sowohl nach Zeitfolge, als nach bestimmten Rubriken vorzunehmen, ein Vermögensverzetchniß an Lieaenschaften, Fahrnisse. Einnahmsreste und aktive Kapitalien ist aufzustellen. Von dem aktiven Vermögen sind die Passiven abzuziehen, und dadurch das Reinvermögen zu bilden. Alle Fahrnisse der Gemeinde sind in einem besonderen Inventar jeweils mit Zu- und Abgang zu verzeichnen. Ueberhaupt wird eine Ordnung im Gemeindehaushalt auch der kleinsten isr. Kultusgemeide verlangt, wie sie in der politischen Gemeinde längst schon im Bestände ist. Solche Anordnungen werden allgemein begrüßt und überall, so weit bis jetzt vollziehbar, gerne ausgeführt. W. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Lemberg, 20. Dez. Wie alljährlich begaben wir uns am ersten Chanukaabend in den Tempel. Während diese Nationalfeier überall in allen jüdischen Synagogen solenn begangen wird, bot sich hier ein schauerliches Bild dar. Der Tempel war fast ganz leer. Nur der Obercantor und die Tempeldiener waren anwesend. Der Herr Prediger und die Tempelverwaltung glänzten durch ihre Abwesenheit. Diesem Beispiele folgten die ganze Fortschrittsgemeinde und die Temprlsitzinhaber. Der Untercantor leierte den Segen über das Chanukaltchtchen in einem kläglichen Ton ab, der an Tische-beaw erinnerte. Die Tempeldiener vertrösteten uns, daß eine Feier am nächsten Sonntag 15. d. M. hier stattfinden wird, als wenn der Tempel zu einem Schauspielhause zur Belustigung des Volkes bestimmt wäre. Unsere Tempelgemeinde macht riesige Fortschritte. Wir glauben, daß sie bereits die äußerste Grenze erreicht hat, denn wenn sie von unseren religiösen Gebräuchen nichts mehr wissen will, soll sie doch so viel Selbftehrung besitzen, um unsere Nationalhelden, die Makkabäer und Hasmonäer dadurch zu feiern, daß man am Chanuka wenigstens im Tempel erscheine. Wenn unser großer gottbegeisterter Rabbiner Abraham Kohn und die Gründer unseres Tempels aus ihrem Grabe auferstünden und sehen würden, wie es in ihrem Tempel bestellt ist, so würden sie einen Wehruf erheben und mit dem Propheten Je-

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