Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 1 (2.1.1896)
- Date
- 1896-01-02
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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4 Die Neuerungssucht, welche mit den Götzen des Tages koguetttrt, um zeitliche Vortheile etnzuheimsen, findet niemals ihre Rechnung, Sie verzehrt diejenigen, welche ihr huldigen und das Thetl von Rechten und Freiheiten mit, das sie bereits besessen und auf solche Weise zu vergrößern trachteten. Wenn daher in Zeiten allgemeiner Zügellosigkeit in Israel das Volk sich aus eigenem Antrieb wieder Gott weiht, so wollen wir es Gott danken, wo unser suchender Blick auf solche erfreuliche Anzeichen stößt und mit der Sängerin des Deboraliedes ausrufen: .'1 1212 dj; aunna tonttrcj mjns P1O2 Zeitungsnachrichten «nd Correspondenzen. Deutschland. Düsseldorf, N2D2 m»y2. In der heutigen Zeit, wo dem Religionsunterricht in vielen Gemeinden leider nur wenige Stunden zugemessen sind, ist stets mit Freuden eine jede Gelegenheit zu begrüßen, welche geeignet ist, unsere Jugend mit dem echt jüdischen Geiste vertraut und bekannt zu machen. In der letzten Nummer d. Bl. brachten' Sie einen Bericht aus hiesiger Stadt, wonach bet dem Kinderfeste die Kinder die Chanukka-Hymne mit einer Begeisterung sangen, die in dem zahlreich anwesenden Publikum lebhaften Wiederhall fand. Du wirst nun gewiß, l. Leser der Ansicht sein, daß unter Chanukka-Hymne lediglich >nyir> irany» zu verstehen sei. Aber weit gefehlt. Hier am Rhein, wo so manche Auswüchse des Judenthums so herrlich gedeihen, hier versieht man nicht unter Chanukka- Hymne *21 nyo, sondern eine d e utscheUebersetzung desselben, welche auch von den Kindern gesungen wurde. Es ist uns geradezu unerklärlich, weßhalb man dieselben nicht die ech te, unverf äls ch te Chanukka- Hymne, den alten, wunderbar schönen und ergreifenden TW inr »>yo singen ließ. Warum will man jüd. Kmdern einen so herrlichen Gesang in seinem Urtext vorenthalten? Befürchtete man etwa, in einer jüd. Gesellschaft damit Anstoß zu erregen, oder will man gar haben, daß in Zukunft unsere Jugend beim Scheine des Chanukka-Lichtleins ein d eu ts ch es Lied singen soll? W r haben doch wahrUch Imt Ursache, unsere echt jüdischen Gesänge zu negiren und mit deren Geist und Inhalt mag man unsere Jugend bekannt machen. »mn* tr«. Ahlem bei Hannover, 30. Dez. Am Sonntag den 15. Dezember, Nachmittags, fand in der Israelitischen Erziehungsanstalt zu Ahlem bei Hannover eine Chanukafeier statt, zu der die Mitglieder des Curatoriums sowie des Damen-Comitös nebst sonstigen zahlreichen Freunden des guten Werkes sich eingefunden und die allerdings nicht allzugroßen Räume bis auf den letzten Platz gefüllt hatten. Nach den gesanglichen Leistungen der Schüler bei früheren Gelegenheiten war man berechtigt, von den geplanten Aufführungen Gutes zu erwarten, doch wurden alle Zuhörer gradezu überrascht durch das Verständniß, mit welchem die Kinder und Lehrlinge ihre Aufgaben aufgefaßt hatten, ein schönes Zeugnib für die Lust und Freudigkeit, das in der jungen Schaar steckt. Man hatte am Ende der Schulzimmer eine um einige Fuß erhöhte Bühne hergerichtet und es zeigte sich schon an diesem äußerlichen Hülfsmittel, sowie in der Art. wie die von befreundeter Seite hergeliehenen prachtvollen Teppiche 2c. zur Ausschmückung verwendet waren, nicht minder an den selbstgeferttgten, natürlich aus den einfachsten Materialien hergestellten Schildern, Waffen u. dgl., daß Handgcschicklichkeit und Handfertigkeit an der Anstalt treffliche Lehrer und fleißige Schüler finden. Seitens der Lehrlinge kam die Posse „Ein Stündchen auf dem Comtoir", in Scene gesetzt von dem an der Anstalt anqestellten Gärtner Herrn Siegfried Minden zur Aufführung; alsdann folgten die Schüler mit dem Festspiel „Die Chanuka- Wunder" von D. L. Jussuf unter Leitung des Herrn Bachrach. Beide Stücke insbesondere aber das letztere wurden so gut gespielt, daß man bet einzelnen Scenen glauben konnte, geschulte Künstler und nicht Kinder von 13 Jahren und darunter vor sich zu sehen. Daher verfehlte das Festspiel auch nicht seines Eindrucks bei den Zuhörern, der sich bis zu gottesdienstlicher Andacht vertiefte, als in der Schlußscene der Knabe, der den Juda Maccabi darstellte, nach dem Siege über die Syrer und der Reinigung des Tempels die immerwährende brennende Lampe — in der Form des achtarmigen Chanukaleuchters — neu anzündete. Mit glockenheller kräftiger Stimme sang er die vorgeschrtebenen Segenssprüche und alle Darsteller und Zuschauer stimmten in den sich anschließenden Wechegesang Noaus 2ur jeschuossi mit ein. Es klang wie ein freudiges Siegeslied und die andachtsvolle Stimmung ergriff auch diejenigen, die das Chanukanicht, yx feiern pflegen und es nur noch dem Namen nach kennen. Nach Beendigung der Vorstellungen wurde das Abendgebet gemeinschaftlich verrichtet und dann wurden von sämmtlichen Zöglingen — je sechs traten zu gleicher Zeit vor — die Chanukalichter ange-