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Der Israelit · 1896-01-02 · Heft 1 (2.1.1896) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 1 (2.1.1896)
Date
1896-01-02
Page
– (sequence 3)
Language
German
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s Lag lichtet, aber das seit Jahren in die Massen geworfene Gift in großen Volkskreisen seine Ver. Heerungen errichtet, ist hier das vollendete Gegen- Lheil der Fall. Die alten Partisane und Panegyriker des Resormjudenthums reiten ihr Steckenpferd, das sie verleugnen, so eifrig, wie sie es von jeher gethan haben. Aber im Volk, in den Gemeinden fängt man an, ihnen nicht mehr Heeressolge zu leisten. In breiten Schichten der jüdischen Bevölkerung hat man das Verfehlte, Hohle und Gefährliche der ganzen Revolte erkannt, die als Reform das alte Judenthum mit Anstand beseitigen wollte. Jeder Tag bringt neue Kundgebungen aus dem Volke, welche als unleugbare Symptome der Sehnsucht nach dem lange vernachlässigten Bätererbe sich manifestiren. Hier wählt eine bislang destruktiven Tendenzen huldigende Gemeinde einen orthodoxe» Rabbiner, dort weist eine andere die unjüdischen Embleme aus dem Gotteshause, eine dritte lehnt sich gegen die Insinuation aus, den zweiten Feiertag, zu streichen, in einer vierten, fünften und sechsten constituire» sich orth. jüdische Reltgionsgesellschaften. Wir greifen aus diesen vielfachen erfreulichen Kundgebungen nur die kurz vor Abschluß des vergangenen Jahres in Berlin vollzogene Repräsentantenwahlen heraus, welche uns der Mühe entheben, andere Details besonders namhaft zu machen. Wenn in Berlin, der Hochburg des deutschen Reformjudenthums, in dem Gros der Wählerschaft sich ein solcher Umschwung vor aller Welt vollzieht, so spricht dieses eine Factum eine hinlänglich beredte Sprache. Der innere Zusammenhang zwischen unserer precären, vielfach bedrohten äußeren Rechtsstellung und diesem Umschwung liegt zu offen da, als daß ihn ein unbefangener Blick verkennen könnte. Seitdem unsere Feinde nicht oft und nicht laut genug erklären, ihre Feindschaft gelte nicht den redlichen Anhängern dO Judenthums, sondern den Namen- und Reformjude«, seitdem hat sich das FiaSko dieses Zwitterjudenthums so nachhaltig geltend gemacht, daß eS zu feiner vollständigen Auflösung führte. Das ist nicht erst seit heute und gestern so, das hat sich schon in den ersten Anfängen der Geschichte Israels, die wir dieser Tage mit dem Beginn des zweiten Buches der Thora lesen, ganz in derselben Weise gezeigt. Zu den Worten unserer Sidra mn vpn HM' NN PN' dH NVX v'-NM pp „E s stand ei« neuer König auf über Egypten, der nichts von Joseph wußte", bemerken die Weisen im Midrasch: p«‘'nn dVdx’ nny m-n q'm o vua 'na rrnj nex nna non fpr netto “poVV on'p^n p wyp *|roi ywsra ntPDP nob nnx )*oe onstoa noNjff ntott6 jniN pmx D’nson rivw nanu nopn *pn nny newt? no M'pb naya ioy xi»V n2b . Dn'pbn nx „Gegen Gott haben sie treulos gehandelt, denn fremde Kinder haben sie geboren, nun wird sie düs Neue mit ihrem Antheil verzehren," (Hosea Cap. 5 V. 6.). Das lehrt, daß sie nach Josephs Tod den Milabund aufhoben und sprachen, wir wollen Egypter werden. Das lehrt ferner, daß Moscheh den Milabund bei ihrem Auszug wieder neu vollziehen mußte. Weil sie aber so gehandelt hatten, wandelte Gott die Liebe, mit welcher die Egypter sie ursprünglich geliebt hatten, in Haß um, wie es gesagt ist. er wandelte ihren Sinn, daß sie sein Volk haßten und Ränke gegen seine Diener schmiedeten." (Psalm 105 V 25) um das Wort wahr zu machen : Nun verzehrt sie die Neuerungssucht mit ihrem -Antheil." Unsere Väter hatten sich in ihrem sozialen und politischen Verhallen nichts zu Schulden kommen lassen, was den Vorwand der egyptischen Staatsweisen rechtfertigte, als könnten die Etngewanderten Hochverrath an dem Lande übe», das sie doch so gastlich ausgenommen. Aber in ihrem religiösen Lebenswandel hatten sie die Treue nicht bewahrt, welche sie zu Zeiten der Väter bewährt hatten. Sie haben das sie isolirende und .sie nach außen zu Jbrtm stempelnde Zeichen des Abrahambundes preisgegeben und wollten auf diese Weise mit den Einwohnern des Landes sich aisimtltren und Vollblut- Egypter werden. Diese Treulosigkeit gegen das den Vätern heilige, religiöse Moment gewann ihnen aber nicht nur nicht die Sympathien ihrer Umgebung, sondern machte diese stutzig. Solange ihnen die Rücksicht auf Gott und sein Gesetz hoch und heilig dastand, so lange lag den Egyptern in dieser Rücksichtnahme eine Garantie dafür, daß irdischer Vortheil sie nie >azu bestimme, den Pflichten eines loyalen Bürgerthums. untreu zu werden. Diese Rücksicht war es auch, die Joseph lediglich zurückhielt, das Familienleben seines Herrn zu entweihen, und ihn die Worte sprechen ließ: Wie sollte ich diese große Schlechtigkeit begehen und gegen Gott sündigen! Als die Väter diese unverbrüchliche Treue gegen das Gottesgesctz aufgaben und sich Neuerungen in die Armen warfen, schlug die Freundschaft der Egyp er in Haß um. Der neue König yn» x> -m* pp'? nx, der von Josephs gesetzestreuem. Wandel unter der zeitgenössischen Generation nichA.mehr merkte, war mit seiner ränkevollen List, daS Werkzeug Gottes, der durch diesen entfachten Haß seine Diener wieder zurückgewinnen wollte. Und so erfüllte sich damals, w ie so af t in.s päte rer Z e i t, die prophetische Mahnung, wie sie sich noch' heute vor unseren Augen erfüllt:

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