Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 51 (27.6.1895)
- Date
- 1895-06-27
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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037 Tarnowitz bittet Dr. Blaschke-Berlin, von seinem Widerstande gegen den Vorschlag des Referenten zurückzutreten, damit jeder Schein vermieden werde, als ob der D.-J G.-B. ein AbhängtgkeitsverhältniS von sich und Berlin beabsichtige. Dr. Blaschke- Berlin tritt, obgleich er die Gründe vollständig würdigt, die gegen Berlin sprechen, dennoch für die Wahl dieser Stadt als Sitz des Vorstandes ein, indem er der Befürchtung Ausdruck giebt, daß sonst die Geschäfte des Vorstandes zu sehr erschwert werden würden. Von Seiten des D.-J. G.-B. solle und würde keinerlei Einfluß auf die Arbeiten des Vorstandes geübt werden, außerdem wäre es auch nicht nöthtg, daß die zu wählenden zwei Berliner Lehrer solche sind, die bet der Gemeinde angestellt wären, es könnten auch Privatlehrer sein. Dr. Badt-Breslau besteht auf der Forderung des Referenten und meint, daß die Arbeitslast nicht so immens sein würde, daß sie nicht auch von einem Mitgltede, dem Vorsitzenden, bewältigt werden könnte. Zudem könnte ja auch später diese Bestimmung geändert werden, wenn wirklich die Arbeitslast sich steigern sollte. Hierauf faßt Dr. Brann-Breslau das Ergebnis der Debatte in einem Schlußwort zusammen und beantragt schließlich Abstimmung über diesen Theil der Verhandlung. Diese ergiebt die Annahme des Antrages des Referenten, nach welchem nicht zwei Mitglieder des Vorstandes aus Berlin sein müssen, der Verband also nicht domtzltert wird. III. Delegirte. Hierzu liegt der Antrag des Referenten vor, nach welchem auf je 25 Mitglieder eines Vereines je ein Delegirter kommen soll. Referent empfiehlt zugleich, im Jntereffe der Geschäfte eine kurze Erklärung über den Rahmen zu geben, innerhalb welches die Delegirten ihre Meinung abgeben sollen. Von der Bestimmung, daß die Delegirten staatlich geprüfte Lehrer sein sollten, müsse abgesehen werden. — Dem gegenüber nimmt Dr. Blaschke-Berlin einen prinzipiell entgegengesetzten Standpunkt ein, indem er meint, die im Berliner Entwürfe aufgestellte Zahl 20 sei gewissermaßen ein x, für welches der Delegirtentag erst die richtige Zahl einsetzen solle. Im Uebrigen verwahrt er sich gegen den Vorwurf, als ob er einen Unterschied zwischen den geprüften und nichtgeprüften Lehrern machen wolle. Auch sollten Kosten durch eine geringere Zahl von Delegirten erspart werden. Dr. Freund-Czarnikau verwahrt Herrn Dr. Blaschke-Berlin gegen die Annahme, als ob er nicht staatlich geprüfte Lehrer oder Cantoren herabsetze, und hält eine weitere Debatte über diesen Punkt nicht für nöthig. — Dr. L. N e u st adt-Breslau stimmt im ersten Punkte Dr. Blaschke-Berlin bei und bringt folgenden Antrag ein: „Jeder Verein stellt einen Vertreter, der die Anzahl der Stimmen seines Vereins repräsentirt." Im Uebrigen stimmt er dem Referenten bei, daß kein Unterschied zwischen geprüften und ntchtgeprüften Lehrern gemacht werden dürfe, und verlangt schließlich, daß der Verband nicht zu prüfen habe, welchen Amtscharakter der einzelne Delegierte habe. Dr. Guttmann-BreSlau ersteht aus den Ausführungen von Dr. Blaschke- Berlin, daß dieser die Verhältnisse der kleineren Gemeinden verkenne, besonders in Bezug auf die Cantoren und Lehrer. Er wolle keine Secession zwischen geprüften und ntchtgeprüften Lehrern. In diesem Falle würden auch die Rabbiner von dem Amte eines Delegierten ausgeschlossen sein, da diese nur in den seltensten Fällen für das Lehreramt geprüft wären. Dadurch würbe eine unheilbare Trennung entstehen. — Dr. R o s e n t h a l - Breslau konstatirt, daß die Mehrzahl der Mitglieder des diesseitigen Vereins aus nicht staatlich geprüften Lehrern bestehe, und will nicht, daß eine zu große Zahl von Delegierten vorhanden sei, wünscht aber, daß diese die Anzahl der von ihnen vertretenen Vereinsmitglieder repräsentiren sollen. Dr. Blaschke-Berlin nimmt mit Freuden Kenntniß von der Erklärung des Herrn Dr. Freund und verwahrt sich gegen den Vorwurf, daß große Gemeinden die Verhältnisse kleiner Gemeinden nicht kennen. Dem widersprechen schon die Geschäfte des D.-J. G.-B., die sich häufig gerade auf die Verhältnisse der kleineren und kleinsten Gemeinden beziehen, ebenso legt er Verwahrung gegen den Vorwurf ein, daß Lehrer erster und zweiter Ordnung geschaffen werden solle. — Indem schließlich der Referent das Ergebniß der Debatte zusammenfaßt, wiederholt er seinen Antrag, daß für je 25 Mitglieder eines Vereins je ein Delegirter gewählt werden solle, und tritt auch für die Erklärung ein, wie sie vorher näher ausgeführt wurde. Beide Anträge erhalten die Majorität. Hierauf beantragt Dr. Guttmann-BreSlau, die übrigen Paragraphen des Entwurfes nach den Anträgen des Referenten en bloc anzunehmen und die Versammlung beschließt demgemäß. Hierauf hielt G rü n f e l d-Schwersenz seinen Vortrag über das Thema: „Wie erzieht man die Jugend zur Wahrheitsliebe?" und an die von dem Vortragenden aufgestellten Thesen knüpft sich eine längere Debatte, in welcher Blumen f eld-Schweidnitz unter anderem einige talmudische Aussprüche anführt, die er dem Vorträge gern einverleibt gesehen hätte. Im Uebrigen spricht die Versammlung dem Vortragenden ihren Dank und ihre Anerkennung aus für die mit Fleiß und pädagogischer Kenntniß gelieferte Arbeit. Bei Punkt 6 spricht sich ,Dr. Badt—Breslau im Anschluß an eine Auseinandersetzung zwischen