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Der Israelit · 1895-06-27 · Heft 51 (27.6.1895) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 51 (27.6.1895)
Date
1895-06-27
Page
– (sequence 11)
Language
German
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929 wie steht es mit der anderen vielfach gehörten Klage, daß es jüdischen Handwerkern und Gärtnern schwer wird, nach Beendigung der Lehrzeit angemessene Beschäftigung zu finden? Sie ist nur bis zu einem gewissen Grade berechtigt, da ein Theil derjenigen jüdischen Handwerker und Gärtner, welche keine Stellung finden können, mittelmäßige oder schlechte Arbeiter find. Heutigen Tages, wo nur wirklich tüchtige Leute cs zu etwas bringen, wird es einem mittelmäßigen jüdischen Arbeiter besonders schwer, unterzukommen. Indessen ist es nicht zu leugnen, daß bisweilen durch die antisemitische Strömung gleich den jüdischen Kauflruten, Advakaten und Aerzten auch die tüchtigen jüdischen Handwerker zu leiden haben. Soweit Gärtner und Handwerker in Frage kommen, könnten die traurigen Folgen dieser Schmach des Jahrhunderts dadurch thetlweise abgewendet werden, daß von Seiten unserer Glaubensgenossen eine Centralarbeitsnachweisstelle gegründet würde, um tüchtigen, fleißigen jüdischen Handwerkern und Gärtnern bet vorurteilsfreien braven christlichen oder jüdischen Meistern Arbeit zu verschaffen. Eine solche Central-Arbeitsnachweisstelle, ist schon heute eine Nothwendigkeit, deren Ausführung nicht lange wird auf sich warten lassen und die, wie wir in einem anderen Artikel demnächst ausführen werden, allen Gemeinden zu Nutz und Frommen gereichen wird. Literarischer Bericht. PDN '’Tiy Gottesdienstliche Gesänge für ' Jsraeliren, komponirt von M. Rosenhaupt, Obercantor der israel. Kultusgemeinde zu Nürnberg. III. Werktagsgottesdienst. Traditionelle Melodien und Casualien. Preis 5 M. — Selbstverlag des Componisten. Die angehenden Cantoren und mit ihnen naturgemäß auch eine große Anzahl von jüdischen Gemeinden werden es dem Verfasser obigen Werkes Dank wissen, daß er sich, im Gegensatz zu den meisten namhaften Komponisten der Gegenwart auf dem Gebiete des synagogalen Gesanges, der Mühe unterzogen hat, auch den Theil unserer Gebete künstlerisch zu gestalten, der für unsere tägliche Andacht vorgeschrieben ist. Die stiefmütterliche Behandlung gerade dieses Zweiges der israel. Liturgie seitens derjenigen, die sich die Erhaltung und Pflege der altüberlieferten lieblichen Weisen zu unseren Gebeten zu Aufgabe gemacht haben, ist wohl auf den U instand zurückzuführen, daß es in vielen Gemeinden leider nur ein kleiner Bruchtheil von Gtäubigen ist, der stch der täglichen, vorschriftsmäßigen Andacht in der Synagoge hingibt und der an einem würdig gestalteten Wochentagsgottesdtenste ein lebhaftes Interesse empfindet. Diese Minderheit und mit derselben die Träger des Gottesdienstes, die Cantoren, werden von dem tiefgefühlten Wunsche durchdrungen sein, daß die anmuthkgen, traditionellen Recitatlve zu den täglichen Gebeten mit ihrem eigenartigen Charakter in ihrer Ursprünglichkeit ebenso erhalten bleiben mögen. w!e diejenigen der Gebete de8 Sabbats und der Feiertage. Bis jetzt war es dem, einer gewissen Vollkommenheit in seinem Berufe zustrebenden Cantor fast unmöglich gemacht, sich diesen Zweig der Liturgie, wegen Mangels eines geeigneten Werkes, auf dem Wege des Selbststudiums gründlich anzueignen. Diesem Uebrl ist aber nun für die Zukunft wenigstens da. wo das deutsche, bezw. süddeutsche Chasonus gepflegt wird, abgeholfen. Herr Obercantor Rosenhaupt hat sich bei der Ftxtrung der Recltativ: zu anyo, nmo und nnrw streng an die althergebrachten Weisen gehalten und stch der gestellten Aufgabe mit großer Gewissenhaftigkeit erledtgt. Der Vollständigkeit des vorliegenden Heftes halber, das man nach dem Tstel als ein abgeschlossenes Ganzes für sich zu betrachten berechtigt ist, hätte nur der geehrte Verfasser auch die Recitative zu jnx oViy und den niro vor Borucb scheomar in demselben aufnehmen sollen, wenn dieselben auch theilweise schon in dem II. Theil seines Werkes enthalten sein mögen. Die im „Anhang" beigefügten traditionellen Melodien und Casualien, wie z. B. der Maan- und Chupa-Nigun, der xan -jm für Trauungen, die dibelsen üblichen Melodien zu Beschneidungs- und anderen Feierlichkeiten werden von den Cantoren gewiß mit großem Interesse ausgenommen werden. ZeiinngSnachrichte» und (Korrespondenzen Deutschland. Nürnberg. Lands gerichtsrat Berlin ist als Oberlandesrichter nach München versetzt worden. Nach der „Franks. Ztg." ist Herr B. Jude und seine Ernennung nach einem früheren Falle wieder das erste Mal, daß ein jüdischer Richter an das Oberlandesgericht berufen wird. Dmsbrrrg. Am 1. Oktober d. I. tritt Herr Hauptlehrer und Prediger Lazarus nach einer 43 jährigen segensreichen Thätigkett in den wohlverdienten Ruhestand. Allezeit erfüllt von der Hoheit seines Berufes, durchglüht von heißer Liebe zum heil. Erbe der Väter gereicht er dem Lehrerstande zur Zierde, dem Judenthume zur Ehre. Herr Lazarus hat seinen LebenSberuf aufgebaut auf den drei unvergänglichen Säulen, die das Gebäude des Judenthums tragen byi rniayn by rnirn by cnon rta. Den hohen Geist der Lehre zu erfassen und zu verbreiten, die Arbeit im schönsten und

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