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Der Israelit · 1895-06-27 · Heft 51 (27.6.1895) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 51 (27.6.1895)
Date
1895-06-27
Page
– (sequence 10)
Language
German
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unter anderem des von dem verstorbenen Rabbiner Dr. Wedell begründeten, in Düsseldorf und Köln erfolgreich wirkenden Vereins in den Schatten stellen, irrig und falsch; ebensowenig, wie beabsichtigt wird, irgend einem bestehenden Institute Concurrenz zu machen, wenn überhaupt auf dem Gebiete der Wohlthätigkeit von Concurrenz die Rede sein kann. Sie sucht und wünscht die Mitarbeit aller dieser Vereine, wie auch des eben hervorgehobenen Vereins und hofft, deren Vorarbcitertn zu werden, dadurch, daß sie Knaben während ihres schulpflichtigen Alters nicht nur für Bodencullur, sondern auch für Handwerk vorbereitet. Es werden zwar neben den Ackerbauschülcrn in der mit der Anstalt verbundenen Handwerksstätte und dem Lehrlingsheim eine Anzahl der Schüler verbleiben, die Schlosser, Tischler und später noch andere Handwerke erlernen; diese rege Verbindung des Ackerbaus mit dem Handwerk gleichsam unter einem Dache ist wohlbedacht, und sie ist aus dem Grunde erfolgt, damit die Lehrlinge für Gärtnerei oder Landwirthschaft durch Beobachtung lernen, wie man kleine Reparaturen an Gerätschaften zc. selbst ausführt und nicht später gezwungen sind, jede kleine Reparatur durch andere ausführen zu lassen, was um so kostspieliger und zeitraubender sein würde, wenn die Betreffenden demnächst aus einzelnen Gehöften wirthschaften. Zudem führen zur Ersparung vieler Geldausgaben dte genannten Handwerker, die mannigfach in der Anstalt vorkommenden Arbeiten und Reparaturen aus und ertheilen im Winter den Knaben Handfertigkeitsunterricht. Dte Befürchtung, daß ein Mangel an Arbeiten etntreten könnte, ist ausgeschlossen, da bereits schon jetzt Gönner der Anstalt Aufträge gegeben und noch weiteret« Aussicht gestellt hoben. Die einzelnen Lehrlinge werden daher stets vollauf beschäftigt sein und Gelegenheit haben, alle in ihr Fach schlagende Arbeiten kennen zu lernen. Der Nachschub wird jedoch mit der Zeit so stark, daß nach Beendigung der Schulzeit den verschiedenen deutschen Handwerkerveretnen genügend Gelegenheit gegeben wird, die derart vorg. bildeten Knaben in ihrer Heimat oder anderweitig, sei es in der Anstalt odrr bet fremden Meistern als Lehrlinge unterzubringen. Kein einsichtiger Mann wird bestreiten, daß derartig vorgebildete Knaben bessere Lehrlinge werden als solche, welche vorher keine Gelegenheit hatten unter zweckmäßiger Leitung praktische Handarbeiten selbst auszuführen. Während sonst manchmal Lehrlinge leider schon vor Beendigung der Lehrzeit aus Unlust zur Arbeit die Werkstätte verlassen, oder als unfähige Gesellen einer traurigen Zukunft entgegengehen, wird dies bei Knaben, welche praktisch erzogen und vorgebildet, mit Lust und Liebe zum Handwerk greifen, kaum Vorkommen. Ein Zusammengehen mit den Verschiedenen jüdischen Handwerkerveretnen Deutschlands wird sich um so bester bewerkstelligen lassen, als die Zöglinge aus allen Thcilen Deutschlands stammen. Die Heimat der augenblicklich in der Anstalt weilenden 48 Zöglinge ist, wie folgt: Berltu 9, Sachsen 7, Ostpreußen 2, Hannover 2, Provinz Hannover 4, Hessen Naffau 4. Westfalen 2, Rhelnprovinz 1, Prob. Sachsen 2, Posen 1, Hamburg 1, Pyrmont l, Oestreich 8, Rußland 2. Waisen oder sonstige Knaben, welche von den heimischen Handwerker- oder anderen Vereinen aus irgend welchen Gründen schon im schulpflichtigen Alter für den Haudweikerstand bestimmt werden, würde die israelitische Erziehungsanstalt in Ahlem zu ermäßigten Pensionskretsen ansnehmen und in vorstehend beschriebener Weise für ihren Beruf vorbereiten. Ferner könnte diese Anstalt auch von allen deutschen Handwerkervereinen Lehrlinge für den Gartenbau zu ermäßigten Preisen aufnehmen. — Falls der Anstalt genügende Gelder zuflteßen, so sollen auch denjenigen Gemeinden, Handwerker- und anderen Wohlthättgkeitsvereinen, ans welchen hauptsächlich Beiträge kommen, Freistellen reservirt werden. Vielleicht wird sich auch durch ein freundschaftliches Zusammengehen mit älteren jüdischen Erziehungsanstalten oder Waisenhäusern', denen große Mittel zur Verfügung stehen, ermöglichen lassen, einen Austausch von Knaben in der Weise zu veranstalten, daß die in anderen Anstalten befindlichen Knaben, w lche sich nicht für das Studium oder den kaufmännischen Beruf, sondern mehr für das Handwerk und die Bodencultur eignen, in diese Anstalt kommen, während in Ahlem befindliche Zöglinge, welche geistig hervorragend veranlagt sind, anderen Waisenhäusern etc. Aufnahme finden, wo sie Gymnastalbildung erhalten können. Eine andere Frage soll nicht unberührt bleiben, ob es in einer Zeit, wie die Msrige, in der das Handwerk schwer darniederlegt, angezeigt erscheint, Knaben zu Handwerkern zu erziehen. Die Klagen der Handwerker mögen berechtigt sein, aber wer klagt heute nicht? Und bei den Einschränkungen, die dem Kaufmannsstand und besonders den Händlern und Haustrern durch die Gesetzgebung bevorstehen. dürfte den Kindern selbst nicht allein von armen Eltern nichts besseres empfohlen werden können, als ein Handwerk zu erlernen oder Ackerbau zu treiben, Berufe, die auch in schlechten Zeiten ihren Mann ernähren. Grade heutzutage können aus diesem Grunde, um das Verarmen der Menge vorzubeugen, Gemeinden und Private kein b.ssereS Werk thun, als solch eine Anstalt durch ihre Unterstützung so zu stellen, daß sie nach allen Seiten die an sie gemachten Ansprüche befriedigen kann. Und

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