Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 51 (27.6.1895)
- Date
- 1895-06-27
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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930 edelsten Sinne zu pflegen und zu fördern und die Saal von LtebeSwerken auszustreuen war fein, stetes Bemühen. Darum find Schüler, Freunde Collegen, Gemeinde und Stadt in gleicher Liebe und Verehrung ihm zugethan, darum begleiten ihn alle bei seinem AmtSauStrttte mit den herzlichsten und besten Wünschen für seine ferneres Wohlergehen. Die Dhätigkeit eines pflichttreuen, im Amte ergrauten MauneS läßt sich nicht im Rahmen einer kurzen Zeitungsnotiz wiedergeben. Erwähnt sei nur. daß viel förderliche Einrichtungen in Gemeinde und Synagoge ihm zu verdanken sind. Seine christl. Collegen ehrten ihn durch die Wahl zumRendanten der Lehrer-, Wkttwev- und Watsenkaffe, welches Amt er 13 Jahre hindurch in hingehendster Weife verwaltete. Daß Freunde u. nicht zum geringsten die Gemeinde es sich nicht nehmen lassen werden, den verdienten, wackeren Schulmann und Seelsorger beim Abschiede würdig zu feiern, bedarf wohl keiner Erwähnung. Möge er sich eines recht langen, goldig umsäumten Lebensabends erfreuen! Frankreich. Pari-, 24. Juni. Daß hier zu Lande noch nun gelernt wird, liefert die von einem jungen Manne gestern Abend anläßlich eines niD abgehaltene nuxo den besten Beweis. So ziemlich alle Autoritäten und Koryphäen uns. orthod. Judenthums waren da in einem der jüd. Restaurants vertreten, und gemüthlich wurde v. 7—11 Uhr nur von nun gesprochen. Es war einem o deutlich schön zu Muthe, wenn man gesehen, wie ein Jeder sich in diesem Kreise so behaglich gefühlt, zumal in der nächsten Zeit ähnliche Zusammenkünfte folgen werden, die von lernenden jungen und alten Leuten veranstaltet werden. Wo solche nur und solcher Eifer und NInre für ri'-p.n herrscht, ist wahrlich noch nicht Alles verloren, und mit Hoffnung dürfen wir getrost in die Zukunft sehen. 8. W. > Vermischtes. Wie«, 18. Juni. Der Rabbinats-Affeffor der israelitischen CultuSgemeinde zu Wien, Herr MarcuS Pollak, ist heute Früh in seiner Wohnung, Leopoldstadt, Vereinsgaffe Nr. 15, plötzlich im 65. Lebensjahre gestorben. Der Verstorbene hatte viele Jahre als Rabbiner in Mährisch-Weißkirchen und Holleschau fungirt und erfreute sich allgemeiner Beliebtheit. Die letzten Tage noch versah er sein Amt mit größter Pünktlichkeit und Frische; heuteMorgenS verrichtete er sein Gebet in der Synagoge. Gegen 10 Uhr Vormittags wurde er von einem Unwohlsein befallen und in wenigen Minuten gab er seinen Geist auf. Durch den Tod des Verblichenen ist seine Familie in die tiefste Trauer versetzt worden Um seine Bahre trauert eine edle, gottesfürchtige Gattin, wackere Söhne, von denen einer Religionslehrer an der israelitischen CultuSgemeinde ist, und mehrere unversorgte Töchter. Herr Rabbiner Pollak gehörte zu jenen jüdischen Seelsorgern, welche profanes Wissen mit gründlicher talmudischer Gelehrsamkeit in sich vereinen. Er war in Kolin in Böhmen geboren, wuchs in einem sehr frommen Kreise heran. Schon in frühester Jugend genoß er einen gründlichen talmudischen Unterricht, welcher die Grundlage seiner späteren Gelehrsamkeit auf dem Gebiete des jüdischen Schriftthums bildete. Später absolvirte er das Gymnasium in Prag und bezog die Prager Universität, wo er philosophischen und historischen Studien oblag. Er saß zu den Füßen Rapoport's und hörte die Vorlesungen Kämpf'S. Nachdem er die Rabbinate Holleschau und Mährisch-Weißkirchen bekleidet hatte, wurde er auf den Posten eines RabbknatS-AffefforS in Wien berufen. Budapest. Durch allerhöchste Entschließung vom 31. Mai d. I. wurde auf Vorschlag des ungarischen Ministers für CultuS und Unterricht dem Privatdoeenten an der Budapester Universität Dr. Wilhelm Goldzieher der Titel eines öffentlichen außerordentwichen Universitäts-Professors verliehen. Dr. Isaak Dembo in Petersburg, der bekannte Bertheidiger des SchächtenS, erhielt vom Kaiser von Rußland den StantSlaw-Orden 2. Klaffe. Feuilleton. Aus aller Mell. Der Rabbi von Stolae. Die „Bosnische Post vom 14. d. schreibt: „Heute ist ein Theil der hiesigen israelitischen Pilger von der Grabstätte des von den Spagntolen hochverehrten Oberrabbiners Moses D ano n nach Sarajewo zurückgekehrt. Die Schicksale dieses seltsamen MauneS sind für die Art und Weise, wie diese Provinzen vor der Ocecupation ab und zu verwaltet wurden, so charaktertsttsch, daß wir schon des Contrastes halber die Erinnerung an diesen auffrischen zu müssen glauben. Im Jahre 1874 kam Razdi Pascha, der in Trawnik restdirte, auf einer Jnspectionsreise auch nach Sarajewo. Da bei den damaligen Verkehrs- Verhältnissen seine Stellung eine uncontrolirbare, seine Machtbefugnisse in Folge dessen unbeschränkt waren, konnte er das Volk willkürlich brandschatzen. Diesesmal forderte er von der hiesigen spaqnlolischen Gemeinde eine sehr hohe Contribution. Da für die Gemeinde die verlangte Summe unerschwinglich war, ließ er den Oberrabbiner Moses Danon und die sieben Vertreter der israelitischen Cultusgemeinde im Beluk, der heutigen Philippovies- Kaserne, etnkerkern, mit der Drohung, sie hinrtchten zu lassen, wenn seine Geldgier nicht befriedigt würde. Um seiner Drohung mehr Nachdruck zu verleihen, ließ er den Opfern seiner Willkür die sogenannten „Trombuci" anlegen. Darunter sind zwei Bretteren verstehen, welche den Gefangenen an die Unterbeine angeschraubt wurden und ihnen unsägliche Schmerzen bereiteten.