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Der Israelit · 1895-06-27 · Heft 51 (27.6.1895) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 51 (27.6.1895)
Date
1895-06-27
Page
– (sequence 5)
Language
German
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923 Einzig dastehen dürfte wohl die Thatfache, daß die Mutter der Jubilarin noch lebt (in Spiesen bei Neunkirchen, ist über 100 Jahre alt), daß Herr Weil trotz seines Alters ohne Augenglas geläufig liest und daß es seinen Kindern, Enkeln und Urenkeln ohne Ausnahme gut geht. Redner schloß mit dem Wunsche owjn» oo»"i paw ny „noch in hohem Alter mögen sie kräftig sein, frisch und grün wie die Palme," möge es den greisen Eheleuten vergönnt sein, in gleicher Jugendfrtsche das Fest der diamantenen Hochzeit zu feirrn. Das walte Gott! t. Ratibor, 23. Juni. Heute wurde hier Fabrikbesitzer Max Samoje zu Grabe getragen, ein Mann, der nicht nur selbst ein treuer Jehudi war, sondern auch durch sein edles Streben und hochherziges Wirken in weiten Kreisen der Oeffeutlichkeit seinem Glauben Ehre einlegte. Der Verewigte, einer hochgeachteten hiesigen Familie entstammend, war Begründer und Mitbesitzer der Ratiborer Zuckerfabrik, eines der größten schlefischen Etablissements, das er seit einem Vierteljahrhundert mit seinem Schwager leitete. Eine rastlose Thätigkeit entfaltete er als Vorstandsmitglied der hiesigen Synagogengemetnde, die in ihm eine überaus tüchtige und bewährte Kraft verliert, sowie als Stadtverordneter, wie die ehrenden Nachrufe der städtischen Körperschaften kundthun. Als königlicher Lottertekollekteur genoß er das Vertrauen der Behörden, als Besitzer des Rittergutes Studziema war er bet der Landbevölkerung sehr beliebt. Alle Wohlthätigkeitsbestrebungen in Stadt und Kreis fanden in ihm einen edlen Gönner, auf keiner Liste fehlte sein Name, der jüd. Waisenunterstützungsverein verliert in ihm seinen Vorsteher, zahlreiche Arbeiter ihren Brodherrn, die Armen aller Bekenntniffe einen väterlichen Freund. Trotz seines Reichthums war der Heimgegangene von einer ungewöhnlichen Bescheidenheit, die ihm die Herzen aller Kreise gewann. Der Verstorbene erreichte nur ein Alter von 52 Jahren. Die Beerdigung fand heute unter dem Geleite von Tausenden statt. In ergreifender, eindrucksvoller Trauerrede zeichnete Rabbiner Dr. Blumenthal, ein Verwandter des Heimgegangenen, das Lebens- und Charakterbild des verklärten Freundes. Das Andenken des Gerechten bleibt ein Segen. rv'awn. Preußisch Stargardt. Herr Dr. Chodowski in Oels hat die ihm angetragene Rabbinerstelle abgelehnt. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien, 19. Juni. Schönerer erklärt, daß er die Führerschaft seiner Partei niederlege, da sie durch Untreue, Abfall, Wortbruch und Verrath im eigenen Lager dem Untergange geweiht sei. Wien, 22. Juni. Der Anwalt des verstorbenen BaronS Königswarter, der verfügte, daß beim Uebertritt von Descendenten zu einem andere« Glauben eine Million zu wohlthätigen Zwecken gewidmet werden muß, v.'rständigte heute 19 meist israelitische Vereine, daß eine Summe von 600,000 fl. wegen der Taufe des Enkels fällig sei. Die Kommune Wien erhält 400,000 fl. zur Errichtung eines Hospitals sür Arbeiterkinder. Frankreich. Paris, 20. Juni. Etwa 300 antisemitische Studenten zogen Nachmittags zur Straßburg-Statue, bewarfen sie mit Bouquets und machten dann einen Gänsemarsch über die Boulevards. Sie man!- ffstirten dann vor der Redaktion der „Libre Parole.“ Drumont erschien auf dem Balkon und versuchte eine Ansprache zu halten, aber die Polizei machte einen heftigen Vorstoß und zerstreute die Manifestanten, die sich im Laufschritt unter dem Rufen: „Nieder m't den Juden!" ins Quartier latin zurückzozen. Afeuilleto». David Speier. Historischer Koman aus der Jett des dreißigjährigen Krieges von S. Kohu, Verfasser von »Gabriel". Jeder unbefugte Nachdruck wird mit aller Strenge verfolgt werden. UebersetzungSrcchte in fremde Sprachen Vorbehalten. 11) Die Primatorin dachte längere Zeit nach. Wolf Epstein war tu der Dhat ein Mann, der auch den höchsten Ansprüchen, die sie an ihren zukünftigen Schwiegersohn erheben mochte, vollständig befriedigen konnte; aber ein Mutterberz ist eigentbümlich geartet, ein schier unerklärlich Ding! Sie bemühte sich doch irgend einen Fehler an dem jungen Manne herauszudenken. Endlich sprach sie: „Wolf Epstein verdient nach allem, was ich über ibn gehört, alles erdenkliche Lob, er ist ein edler Mensch, ein guter gehorsamer Sohn und wird bestimmt ein vortrefflicher Gatte werden, doch würde ich nur — der ganze Mensch kann nicht dafür — zweifaches anders wünschen." Der Schadchen erbleichte, er fühlte plötzlich eine heftige Brustbeklemmung, so daß er tief aufathmen mußte. Brandeis aber blickte verwundert auf und sprach mit einem ernsten Lächeln: „Sogar zweifaches! Da bin ich selbst begierig es zu hören!" „Ich Hab es schon gesagt, ail diesen Fehlern trägt Wolf Epstein keine Schuld.Er ist nämlich jung — zu jung, wohl etwa zweiundzwanzig

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