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Der Israelit · 1895-06-27 · Heft 51 (27.6.1895) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 51 (27.6.1895)
Date
1895-06-27
Page
– (sequence 2)
Language
German
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920 die Moscheh in seiner rückblickenden Schilderung der Wüstenwanderuvg (V. B. M., C. III, B. 15), besonders hervorhebt: „Er führte Dich durch die große, furchtbare Wüste, durch Schlangen, Seraphinen und Scorpiouen" u. s. w. So trägt noch heute jeder Einzelne von uns, sowie die große Gesammtheit die Hoffnung auf eine bessere Zukunft, die Zuverficht auf ein Land, in welchem „Milch und Honig" fließt, tief im Herz.n. Israels Gesammtheit, die seit Jahrtausenden in die „Wüste der Völker" gewiesen ist, wie ein Prophetenwort sein Exil nennt, Israels Gesammtheit hat auf dieser Wanderung die Zuversicht auf daS Land der Verheißung aufrecht gehalten, das am Ende aller Mühen und Leiden winkt. Es hat sich oft schon so nabe diesem Ziele geglaubt und wurde bitter enttäuscht. Die Brudermenschheit erschwert ihm den Durchzug zu dem letzten Ziele seines Höffens und Schnevs. Die Verkündungen der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit hat stch alS leere Schale erwiesen in dem Augenblicke als es darauf ankam sie in Thaten der Bruderliebe umzusetzen. In unserer Zeit besonders hat Israel diese Zurückweisung nachhaltiger und empfindlicher als je erfahren und erfährt sie fortgesetzt noch immer so, daß sich dieselbe Entmuthigung heute wie einst gellend macht. Sie ist erklärlich menschlich, aber ist sie deßhalb auch gerechtfertigt? Sie ist es gewiß so wenig als ste es bei unseren Vätern war. Sie waren im Grunde genommen doch ein hoch begünstigtes Volk. Was will es auch bedeuten, wenn sie wirklich gc zwungen waren, um daS Land Edom stch herumzuwinden und einen Theil des Weg's noch einmal zurückzulegen? Ging doch Gott vor ihnen her und führte ste. Ja er führte ste nicht nur, er trug ste und hob ste auf Adlerflügeln hoch über alle Misären der Wüstenwanderung empor, so daß ihr Fuß nicht schwoll und ihr Kleid nicht veraltet wurde, die ganzen vierzig Jahre. Obwohl in der Wüste fanden ste täglich ihr Brod, obwohl in der Dürre, folgte ihnen der Fels mit Wasser, so daß ste nichts von ihren Schrecken zu leiden hatten. Was konnten ste wünschen, wofür ihnen Gott nicht gesorgt hatte? Welchem Zug zog sonst noch bei Tag die Gotteswolke und bet Nacht der Feuerschein voraus? Anstatt entmuthigt, hatten ste alle Ursache doppelt dankbar und heiter zu sein. Gottes Wort aus der Höhe, Gottes Brod und Gottes Trunk zu ihren Füßen, geleitet von den sichtbaren Zeichen des Himmels, was für ein besseres Brod hätten ste sich wünschen können? Nichts destowentger ging und geht solche Entmuthigung noch einen Schritt weiter; ste führt zur Klage. o'-widd unfyn nvd nvvai '«a Dyn nan» . pxkpn Dn^a nsp urfcji ona pro or6 )'« »a nanoa „Da sprach das Volk wider Gott und wider Moscheh: Warum habt ihr uns aus Mizrajtm geführt in der Wüste zu sterben? Denn wir haben kein Brod und kein Wasser, und unserer Seele ist das allzuleichte Brod überdrüssig." (II. B. M. Cap. 21 V. 5.) Wir sind bereits in einen betrübenden Zustand gerathen, wenn unsere Entmuthigung zuletzt einen solchen Grad erreicht, daß wir beginnen über Gott zu klagen, denn Klagen, die aus solcher Quelle fließen, sind Gott zuwider. Wenn wir in wirklicher Noth find, so ist Gott gütig und langmüthtg gegen die Leidenden. Als Israel über Durst klagte, versüßte Gott die Wasser von Mara, als es hungerte, gab Gott das Brod vom Himmel. Aber als ste, ohne» einen begründeten Anlaß, worüber sie gerechterweise klagen konnten, murrten, weil ste entmuthigt waren, ging Gott streng mit den Vätern ins Gericht und sandte ihnen feurige Schlangen, an deren Biß viele starben. Dieser murrende Geist bürgt eine große Gefahr in stch, denn er fordert Gottes Strafgericht heraus. Gott hat Mitleid mit unseren Leiden, aber unsere Launen straft er. Gleich diese erste Klage war eine schwere, sonderbare, es war eine Klage, daß ste aus Egypten geführt worden waren. Darüber hätten ste doch am allerwenigsten zu klagen gehabt. Egypten war doch das nnay rva, das Land, in welchem die Sklaverei zu Hause war, wo ihre Söhne im Fluß ertränkt wurden und wo sie selber sich sehnten zu sterben, weil ihnen das Leben unerträqbch geworden war. Und ste klagten, daß ste aus Egypten geführt seien, um in der Wüste zu sterbt nl So giebt es noch heutzutage Leute, die selbst über Gottes Barmherzigkeit klagen. Aus Mangel an etwas, worüber ste klagen können, werden Entmuthigte selbst an Gottes Güte etwas auszusetzen haben. — Genau so ist cs mit der Klage der Väter, daß sie kein Brod und Wasser hätten. Es war das doch offenkundige Unwahrheit. Es war Brod da, und ste mußten dies selbst in den Worten zugeben, in welchem ihre Brodklage auskltngt. Aber sie nannten das Manna nicht „Brod." Ste nannten es mit verächtlicher Bezeichnung. Auch das Wasser war nicht schlammig und dick wie das des Nil; es war Helles, klares, reines Wasser aus dem Felsen, und deshalb wollten ste es nicht Wasser nennen. Ueber das Himmelsbrod sprachen sie ihren Ekel auS und es war doch eine leicht verdauliche Nahrung, die ohne Substrat vollständig in den Körper aufging, und doch schmachteten ste nach

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