Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 51 (27.6.1895)
- Date
- 1895-06-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXXVI. Jahrgang, M 51, Der Israelit. Ein Henlrat-Hrgan für das orthodoxe IudenLhum. Begründet von vr. Lehmann in Mainz. Douerstag,den 27. I « n i 5655 (1895). Da mit dem 1. Juli 1895 ein neues Quartal beginnt, so erlauben wir uns, die geehrten Abonnenten darauf aufmerksam zu machen, daß namentlich bei der Post das Abonnement frühzeitig erneuert werden muß, damit die Versendung keine Unterbrechung erleide. In der Postzeitungsliste pro 1895 eingetragen unter Nr. 3445. Leitender Artikel. Knlnmtßigung. (ZuParaschat npn.) Mainz, 26. Juni. Wer wollte es in Abrede stellen, daß unsere Gegenwart reich ist an Momenten, welche wohl geeignet sind uns zu verstimmen undzuentrnuthigen? Wer aber wollte bezweifeln, daß der Muth und die ausdauernde Zuversicht um so mehr von Nöthen find, je mehr wir gegründeten und vermeintlichen Anlaß zur Muthlosigkeit und Verzagtheit haben? Wo gäbe es aber einen bewährteren Stab der Aufrichtung als das Wort unseres Gottes, das uns alle Phasen unseres Lebens und Geschickes mit der Treue eines Spiegels vor die Seele führt, so daß wir nur einen Blick darauf zu werfen brauchen, um die Norm für unser Thun und Lassen daraus zu schöpfen! Unser Wochenabschnitt berichtet uns von der Entmuthigung unserer Väter, als sie gerade an der Grenze des Landes angelangt waren, dem seit fast vierzig Jahren ihr ganzes Hoffen und Sehnen galt. DIN pN nx rjiD D' “)VI "IITI VID iyv'1 •Tna üyn nspm „Sie brachen auf vom Berge Hör in der Richtung nach dem Meere zu, das Land Edom zu umgehen, da verlor das Volk den Muth auf dem Wege/ (IV. B. M., C. 21, B. 4) Diese Entmuthigung machte sich fast am Ende der Wanderungen Israels geltend. Sie waren nun bald vierzig Jahre in der Wüste gewesen und waren jetzt im Angesichte des Landes. Sie brauchj ten nur über die Berge Edoms hinüber zu gehen und durch die Pässe von Ssir zu ziehen, dann wären sie sogleich in dem Lande gewesen, das von Milch und Honig überströmte. Aber die Edomiter wollten ihnen nicht das Vorrecht gewähren, die Landstraße zu ziehen, und da Israel gegen seinen Bruder Esaw nicht kämpfen durfte, müßten sie um feine Grenze herum ziehen. Sie mußten in einem langen, ermüdenden Marsch an einem Arm des rothen Meeres herumgehen, als sie an der Grenze des verheißenen Landes sich so nahe am Ziele wähnten. Die Entmuthigung des Volkes in solcher Lage ist, menschlich gedacht, leicht erklärlich. Getäuschte Hoffnung ist eine ihrer gewöhnlichsten Quellen. Es war eine harte Enttäuschung für Israel, das Land dort drüben ein Tagemarsch oder weniger entfernt zu sehen und doch von Edom sich sagen zu lassen: „Du sollst nicht durch mich ziehen, sonst komme ich Dir mit dem Schwerte entgegen." Es war, als wenn man den Becher an den Lippen hat und doch nicht trinken darf. Es war eine schwere Prüfung nach all diesen Jahren so nahe zu kommen und dann gezwungen zu sein, zurück zum rothen Meere zu ziehen. Welche Qual das Land, wie durch eine durchsichtige Mauer zu sehen und doch nicht im Stande zu sein, den Fuß darauf zu setzen! Dann war auch die Mühseligkeit des Weges da, denn die Reise durch jene Wüste war keineswegs etwas leichtes, besonders am User jenes Golfes. Sehr rauh ist bis auf diesen Tag der Wüstenpfad dort. Die Straße ist voll Hügel und Thäler rauher Schluchten, scharfer Steine und ermüdenden Sandes. Dabet die Thiere der Wildniß aller Art, besonders Schlangen und Skorpionen,