Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 50 (24.6.1895)
- Date
- 1895-06-24
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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TxMMss^v'^ "4jy^y*«are^-T*P» -■■"■y^ jlWP-; 913 wir in diesem Augenblicke, da uns eine so wichtige und heilige Frage beschäftigt, nicht des Herrn Dr. Marx in Dankbarkeit, Verehrung und Werthschätzung Erwähnung thun? Hat doch Herr Dr. Marx nahezu einbiertel Jahrhundert in größter Uneigennützigkeit, in rastloser Thätigkeit, in regstem Eifer den Landgemeinden mit Rath und That beigestanden, sich ihnen wie den Beamten in Leid und Freud als Freund gezeigt: Er hat die religiösen Institutionen beaufsichtigt: nü’htf niDD u. s. w. Und dann auch vereinigt Herr Dr. Marx alle jene Bedingungen in sich, die wir an einen Rabbiner stellen: Reiches weltliches Wissen, wie große talmudische Gelehrsamkeit, begeisterte und begeisternde Beredsamkeit und ungeheuchelte Frömmigkeit. Sein seitheriges Wirken als Privatrabbiner giebt uns Bürgschaft genug dafür, daß auch sein Wirken als Landrabbiner ein segensreiches sein würde. „Warum in die Ferne schweifen, denn das Gute liegt so nah!" M. H. Ich bin mit meinen Ausführungen zu Ende. Ich bitte Sie, streben Sie darnach, die Räbbinerfrage so zu lösen, baß sich erfüllen möge das Wort, das wir gestern gelesen: diw Ich werde Frieden dem Lande geben! ZeitnugSnachrichte« «rrd Ikorrespondenzeu Deutschland. Nordhansen, 16. Juni. Der Königliche KreisphystkuS Dr. Räuber hatte in der Behandlung kranker Mitglieder der Allgemeinen Octskrankenkaffe offen antisemitische Agitation getrieben. Deshalb wurde, nachdem er wegen Vertheilung von antisemitischen Flugschriften an Kaffenmitglieder bereits einen scharfen Tadel von Setten des Regierungspräsidenten hatte htnnehmen müssen, von seiner Wiederwahl zum Kassenärzte abgesehen. Bei den Wahlverhandlungen hatten die Kaufleute Theodor Wolff und Joseph Goldschmidt die einzelnen Fälle, die gegen Räuber's Wiederwahl sprachen, ausführlich angeführt. Räuber belangte beide dieserhalb wegen Beleidigung. In der heutigen Schöffengerichtssitzung wurde festgestellt, daß der Königliche Kreisphhstkus Dr. Räuber in Ausübung seiner kaffenärztlichen Praxis antisemitisch-agttatorisch thätig gewesen. Wolff und Goldschmidt wurden deshalb sreigesprochen. Dr. Räuber wurde in die Kosten verurtheilt.s Italien Nom, 4. Juni. Bor einigen Tagen wurden die fünfzig Jahre voll, seitdem unser verehrter Oberrabbiner Moses Levi Ehrenreich — derselbe ist bekanntlich ein geborener Galizianer und Schwiegersohn des verstorbenen Jizchak Samuel Reggio (nr) aus Görz jr*, des berühmten Verfassers des Werkes wüb'wm minn — vom Rabbiner-Seminar in Padua zum Rabbiner geweiht wurde, und beschloß daher unsere Gemeinde, dieses Fest hier zu begehe«, obgleich der Jubilar erst seit einigen Jahren in Rom als Seelsorger fungirt, da er früher dieses geistliche Amt in den Gemeinden von Modena und Casele bekleidete. Gemäß einem Wunsche unseres Oberrabbiners, der heute schon in seinem 77. Lebensjahre steht und dabet auch physisch leidend ist, beschloß unser Cultusvorstand dieses Fest in aller Stille zu begehen und es nur auf die Synagoge und das Gemeindehaus zu beschränken. Der Jubllar wurde daher am Sabbat feierlich zur Thora gerufen, und am Sonntag darauf wurde derselbe festlich i« daS Gemeindehaus eingeholt, wo dann der Präsident unseres Cultusvorstandes, Cavaliere Ascarelli, und die Rabbiner Alatrt und Jona feierliche und herzliche Ansprachen an ihn richteten. Cavaliere ASearellt überreichte dann dem Jubilar eine sehr kunstvoll auSgeführte Glückwunschadreffe, worauf dieser den Rednern mit einige» wenigen Worten dankte. Zahlreiche Freunde und Verehrer unseres Oberhirten beeilten sich, ihm ihre Glückwünsche inS Haus zu bringen. Auch daS hiesige Rabbinersemiuar, zu dessen Lehrkörper Oberrabbiner Ehrenreich gehört, ließ es au einer Huldigung für den Jubllar nicht fehlen. Vermischtes. Wien, 24. Mai. Durch die Initiative von Männern, welche, obwohl verschieden durch Beruf und Stellung, sich in der Liebe zur Kunst und Wissenschaft, sowie in der Pietät für die Vergangenheit des jüdischen Volkes zusammengefunden haben, ist hier eine Gesellschaft gegründet worden, welche sich das Ziel gesteckt hat, ein Museum für Kunst- und historische Denkmäler des Judenthums zu schaffen. Es sollen darin die Erzeugnisse der Literatur, Kunst und Wissenschaft, sowie die historischen Denkmäler, welche auf die politische und Cultur-Geschichte der Juden Bezug haben, gleichviel ob sie von Angehörigen des Judenthums oder denen anderer Völker stammen, gesammelt und aufbewahrt werden. Während in manchen anderen Großstädten, wie London, „Paris, Berlin, die öffentlichen Museen auch viele Schätze jüdischer Alterthümer bergen, haben wir in Wien, abgesehen von der kostbaren Sammlung hebräischer Handschriften in der kaiserlichen Hofbibliothek, welche einen alten Ruhmstitel des kaiserlichen Hauses bildet, und von der erst jüngst angelegten und rühmlichst bekannten Sammlung „Papyrus Erzherzog Rainer", von werthvollen Kunst- und historischen Denkmälern so gut wie gar nichts. Diesem Mangel abzuhelfen hat sich die neugegründete Gesellschaft zur Aufgabe gemacht. Es gibt gewiß im Privatbesitz manche mehr oder minder werthvolle Gegenstände, deren Kunst- und antiquarischer Werth erst in einem Museum durch Zusammenstellung und Vergleichung erkannt und zur Geltung gelangen wird. Die Sammlung und Vergleichung derartiger Objecte soll es dem Forscher ermöglichen, deren Stellung in der Geschichte