Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 50 (24.6.1895)
- Date
- 1895-06-24
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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908 Kinder äußerst aufmerksam. Keines der herrlichen Worte die der Ehrfurcht und Achtung einflößende Priester sprach entging ihnen. Saloniki. Ein hervorragendes Mitglied unserer Gemeinde ist am 2. dss. verschieden. Dr. Lopez Perera war einer der gesuchtesten Aerzte und der Leiter vieler humanitärer Institutionen. Seme Thätigkeit war allgemein anerkannt, wie er denn auch viele Orden besah, darunter den der Ehrenlegion, zwei türkische Orden und den Ritterrang des Ordens der italienischen Krone. Seinem Begräbniß wodnten die Spitzen der Behörden und des Konsularcorps bei, sowie eine unübersehbare Menge aus allen Schichten und Religionen der hier lebenden Bevölkerung. Uerrilleto». David Speier. Historischer Roman aus der Zelt des dreißigjährigen Krieges von S. Koh«, Verfasser von „Gabriel". Jeder unbefugte Nachdruck wird mit aller Strenge verfolgt werden. Uebersetzungsrechte in fremde Sprachen Vorbehalten. 10.) Speier kam diesem Wunsche nach. Schon während er den scharfsinnigen, complieirten talmndischen Vortrag, zu dem sich Frage und Antwort erweiterte, in gedrällgter Kürze abhielt, waren die meisten Tiegel auf der Hänglampe erloschen und es begann im Zimmer zrt dunkeln, und als er geendet, meinte Katz: „Wir müssen mm, bevor es finster lvird, benschen.":) Als sich nach Tisch die beide» jungen Leute verabschiedeten, um auf ihr Zimmer zu gehen, trat Nuchomo an Speier heran, um ihrn die ihr» unilurub seiner Abwesenheit zugefügte, ihm unbekannt gebliebene Beleidigung abzubitten und sprach: „Reb David, ich bin ein schlichtes dummes Weib, ich Hab' Erich nicht gekannt, llicht Eilern Werth zu schätzen gewußt, verzeiht, wenn ich Euch nicht so behandelt habe, wie ich sollte, es wird nicht mehr geschehen." Speier blickte überrascht auf und erwiederte: „Ich wüßte in der That nicht, lvas ich Euch zu verzeihen hätte. . . . Gute Nacht und guten Schabbos!" Die beiden jungen Leute begaben sich ans ihr Zimmer. „Was für clioschewer,2) betamter3 *) Mensch und großer Lamden dieser David Speier ist!" rief Nuchomo, als sie mit ihrem Gatten allein war, „intb ich Hab' ihn Fleischerknecht genannt! .... Ich werde heute Nacht vor Kummer keilt Auge schließen können!" „Das wäre recht kindisch und unvernünftig. Was Du in Speiers Abwesenheit gesprochen weiß er nicht und verletzt ihn nicht. Wenn Du Dich ') Das Tischgebet verrichten, verderbt von Benediktion. *) Würdiger. — 3) Liebenswürdiger. nutzlos quälst, so ist dies weder gottgefällig noch erweist Du hierdurch Speier etwas Gutes. Ich wiederhole, was ich Dir schon oft gesagt habe: Belnühe Dich, Dich zu beherrschen, Dich nicht von augenblicklicher Erregung binreißen zu lassen; — wenn Du es ilnr ernstlich willst, so wird Dirs ailch gelingen. Das ist bei Weitem besser unb ersprießlicher!" „Ja Du guter, lieber Mensch!" rief Nuchomo. „Ich werde Dir gehorchen, gewiß, bestimmt!" Viertes Kapitel. Der Primator Israel Brandeis, welcher in seinem mit fürstlicher Pracht eingerichteten Hause am Dreibrnnnenptatze wohnte, war eben von seinem Sabbatschläfchen erwacht, als ihnl der Meschoresft meldete: „Reb Schtome Micha läßt tun den Ko wecl bitten, den Herrn Primator 511 sprechen." „Führ' Ihn ilt das blaue Zimmer." Als Vrandeis in das bezeichnete Gemach trat, fand er den Angemeldeten, einen kleinen, magern Mann, voll etwa acht- bis ucumuibfüuf^ig Jahren, mit einem blassen, schmalen, fast bis an die klugen hellblaueit Augen, von einem qraucn Barte überwuchertem Gesichte, bescheiden an der Thürschwelle stehen. „Borucli liabo“ 5), rief ihm der Primator zu, der trotz seines nruiabbarell Wesens, doch gegen Niemanden die üblichen Höflicbkeitssormen außer Acht ließ; worauf dieser „Borucli lianimzo“ 6 *) erwiederte. Nachdem sich Micha über Brandeis Aufforderilng gesetzt batte, begann er: „Herr Primator, Ihr könnt Euch wohl vorstellen, was ein Mann meines Standes, bei einem so vornehmen Herrn, wie Ihr es seid, zu suchen haben könnte." „Ich habe als Vorsteher der Gemeinde die Pflicht, Jedermann, der mich zu sprechen wünscht, anzuhören; allein da Ihr von Eurem Stande sprecht — Ihr seid ja ein Schadchens muß ich annehmen, Ihr beabsichtigt mir für unser einzig Kind, für unsere Tochter Miriam einen Schiduch^) anzutragen" und Michas Scbweigen als Bejahung betrachtend, fuhr er fort. „Ich weiß allerdings nicht, ob uns, meiner Frau und mir, Euer Antrag entsprechen wird, allein ich will was unser Kind betrifft nicht das Geringste ohne meiner Frau Wissen unternehmen, sie soll einen Antrag, der uns für unsere Tochter gestellt wird, gleichzeitig mit mir erfahren." *) Diener. 8) Gesegnet der da kommt. Eine Begrützungssormel, mit der ein Besucher angesprochen wird. 6) Gesegnet, der sich hier vorfindet, ft Ehevermittler. — 8) Eine Parthie.