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Der Israelit · 1895-06-24 · Heft 50 (24.6.1895) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 50 (24.6.1895)
Date
1895-06-24
Page
– (sequence 4)
Language
German
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906 hetmer, Scheuer, Schiff, Schnapper, Schott, Seligmann, Sinsheim, Sondheimer, Traub, Ulf, Ullmann, Weil, Wertheimer, Wormser. Manche der Besitzer dieser Namen können vielleicht aus dem genannten Werke ihren „Jichus", ihren uralten Adel ersehen und hoffen wir, daß des Verfassers Mühe dadurch belohnt wird, daß man das Werk recht viel kauft. Frankfurt a. M., im Juni. Der jüdische Unternehmungsgeist kann sich immer noch mit demjenigen anderer Stämme messen. Die jüdische Regsamkeit verfällt stets wieder auf neue Ideen, um sich das Stückchen Brot, dessen Erwerb ihr heutzutage, so schwer gemacht wird und dessen der Jude doch auch dringend bedarf, zu erringen. So gibt seit einigen Tagen ein ungarischer Glaubensgenosse, der lange Zeit hindurch in England eines der angesehensten illustrirten Blätter leitete, Herr Dr. Heinrich Felbermann, hier in Frankfurt a. M. eine englische Zeitung größeren Styls heraus. Dieses Blatt ist die erste englische Zeitung, die auf deutschem Boden erscheint und gedruckt wird, und welche dem Bedürfnis der vielen hier und in den umliegenden Badeorten weilenden Engländern entsprechen soll. Das Blatt führt den Ttttel „The Englisli Mail“. Aus Hessen Nassau wird der „Pr. Lehrcrzeitung" geschrieben: (Ueber die Besetzung der öffentlichen israelitischen Schulstellen im Reg.-Bez. Kassel.) Die israelitischen Vorsteherämter, deren es 4 in unserm Bezirk gibt, haben ein Mttaufsichtsrecht über die jüdischen Schulen und es steht ihnen auch bei Besetzung von erledigten Stellen das Vorschlagsrecht zu, während den Gemeinden ein sogenanntes Wunschrecht eingeräumt ist. In den meisten Fällen jedoch läßt man den Gemeinden bei Besetzung der Stellen zu viel Spielraum, was weder im Interesse der Schule noch des Lehrerstandes liegt, da es den Gemeinden in der Regel hauptsächlich darum zu thun ist, einen tüchtigen Vorsänger zu erhalten, so daß sie gar oft einen jungen Mann einem altern erfahrenen Lehrer vorziehen. Wie nun die Gemeinden, wenn sie nach Belieben schalten und walten können, verfahren, dazu nachstehende Beispiele: Da ist in einer kleinen Gemeinde eine Lehrerstelle in Erledigung gekommen, um die sich verhältnismäßig ziemlich viel Bewerber eingefunden haben. Die Gemeinde beruft einen jungen Mann zu einem Probegottesdienst. Der Kollege gefällt. Da jedoch zwei Frauen (jedenfalls solche, die nicht sehr beliebt sind) sich äußern: „Dieser muß unser Lehrer werden", wird auf allgemeines Verlangen noch ein Kollege zu einem Probegottesdienst berufen, der sich wegen feines gediegenen deutschen Vortrags die Sympathie der Gemeinde erwirbt. Man sollte glauben, das Spiel hätte jetzt ein Ende, aber weit gefehlt. Noch ein dritter wird berufen und zwar aus dem Grunde, weil man vernommen, er fei Schächter, und gegenwärtig eine derartige Persönlichkeit in der Gemeinde fehlt. — Bei Besetzung einer andern Stelle bildeten sich in einer Gemeinde zwei Parteien, die eine Partei wünschte eine verheiratheten, die andere einen unverheiratheten Lehrer: somit kann auch die Damenwelt bet der Besetzung eine Hauptrolle spielen. — Was nun die Besoldungsverhältnisse anbelangt, so zahlen die Gemeinden für die Leistungen als Vorbeter gar nichts und auch zu der Besoldung als Lehrer tragen sie nur den kleinern Theil bet. Möchten doch die Vorsteherämter recht bald Mittel und Wege sinden, dem Unwesen bei der Besetzung von Lehrerstellen ein Ende zu machen. Berlin, 18. Juni. Der „Vorwärts" schreibt: Der Rückgang des Antisemitismus unter der studirenden Jugend tritt durch das Ergebniß der Wahlen des Ausschusses der Akademischen Lesehalle offen zu tage. Früher waren die Antisemiten unumschränkte Gebieter in diesem für die politische Ausbildung der Studenten bedeutungsvollen Institute. Die vom Rektor gemaßregelte socialwiffenschaftliche Studentenvereintgung hat den antisemitischen Verein deutscher Studenten geschlagen. Es ist das erste Mal seit vielen Jahren, daß dem Verein deutscher Studenten der Vorsitz entrissen worden ist. Der neue Vorsitzende, Herr Schultze, leitete bekanntlich die aufgelöste socialwissenschaftliche Studentenvereinigung,- seine Wahl hat daher eine besondere Bedeutung. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Prag, 13. Juni. Eine Versammlung der Vertreter von 37 israelitischen Kultusgemeinden Böhmens beschloß die Gründung eines Bundes der israelitischen Kultusgemeinden mit dem Sitze in Prag und mit vollkommener Gleichberechtigung beider Landessprachen zum Zwecke der Förderung von Verwaltung?-, Bildungs- und Wohlthätigkeits- Angelegenheiten der israelitischen Kultusgemeinden. Als Mittel zur Erreichung dieses Zweckes dient unter Anderem der Rechtsschutz gegen gesetzwidrige Angriffe aus die Juden und das Judenthum. Religiöse, politische und nationale Fragen sind von der Bundesthätigkeit ausgeschlossen. Der Vorsitzende schloß die Versammlung mit einem begeistert aufgenommenen dreifachen Hoch auf den Kaiser, der alle Unterthanen mit gleicher Liebe umfasse und unter dessen kräftigem Schutz die Juden getrost der Zukunft entgegen sehen können. Frankreich. Paris, 17. Juni. In seiner Reisebeschreibung von Rußland berührt Jules Legras, ein bekannter

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