Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 49 (20.6.1895)
- Date
- 1895-06-20
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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883 nommen, jedoch als Resolution angenommen und protokolliert. — Um 3 Uhr trat eine Pause ein, während welcher ein gemeinsames Mittagsmahl eingenommen wurde. Es fehlte dabei nicht an Trinksprüchen, besonders auf das Wohl der neuen Vereinigung. Dr. David dankte dem Comite; Dr. Frank toastete auf das Gedeihen der Arbeiten des Verbandes besonders auf dem Gebiete des religiösen Jugenduntcrrichts. Nach Aufhebung der Tafel ging die Versammlung an die Erledigung der Tagesordnung und erhob vor allem noch folgende 2 Anträge zu Beschlüssen: Den Antrag des Herrn Dr. Singer: „Ich beantrage, bestimmte Sphären — am Kesten auf Grundlage der Regierungs¬ und Kreiseintheilungen der Provinz — abzugrenzen; diese dem nächstwohnenden Rabbiner für Religionsschulprüfungen, bezw. rabbinische Amtshandlungen derart zu überweisen, daß kein anderer Rabbiner in diesem Theile obige Funktionen ohne Genehmignng des Ersteren übernehmen darf; — sodann einen Antrag des Herrn Dr. Frank: „Der rheinische Rabbinerverband beschließt, seine Wirksamkeit vorzüglich auf die Erthcilung des Religionsunterrichts in kleinen, nicht leistungsfähigen Gemeinden zu richten, und die erforderlichen Schritte zu thun, um die Mittel dazu aufzubringen." — In Verfolg beider Beschlüsse wird eine Kommission von 3 Mitgliedern niedergesetzt und mit der Ausführung betraut. Leider mußte wegen vorgerückter Zeit ein von Dr. Saulus angekündigter Vortrag: „Wie kann das Ansehen u .d der Einfluß des Rabbinerstandes immer mehr erhöht werden?" ausfallen. Als Vorstand für das 1. Vereinsjahr werden die Herren Horowitz, Frank und Samuel gewählt; Godesberg zum Ort der nächsten Jahresversammlung bestimmt. Die Versammlung, die um 7Va Uhr geschlossen ward, hinterließ in allen Theilnehmern einen wohlthneuden und bedeutenden Eindruck, und das Gefühl, daß hier ein für die betheiligten Rabbiner ebenso, wie für die Gemeinden und das Jndenthum überhaupt nutz- und heilbringendes Werk geschaffen worden sei, dem auch der Segen Gottes nicht fehlen werde.- Dr. S. Oesterr.-Ungar. Monarchie. (E.) Erlau, 13. Juni. Nicht wenig Aufsehen erregte diese Woche hier ein im „Egri Egyhazmegyei Közlöny" erschienener Artikel, der die jüdische Religion heftig angriff und schmähte und schließlich mit dem Rathschlage endete, die Juden mögen sammt und sonders ihren verwerflichen Glauben verlassen und zur katholischen Kirche übertreten. Ein anderes hiesiges Blatt citirte diesen Artikel und empfahl ihn der Aufmerksamkeit des hiesigen katholischen Erzbischofs Samassa. Ein Kaufmann, Ludwig Fischer, der für die erzbischöfliche Domäne seit Jahren Geschäfte besorgt, überreichte ein Exemplar dieses letzteren Artikels dem Director der erzbischöflichen Güter mit der Bitte, das Blatt Sr. Eminenz zu überreichen. Der Director erwiederte jedoch lächelnd: „Sr. Eminenz hat den Artikel schon längst gelesen und auch schon die Antwort darauf gegeben." „Und wie lautet diese Antwort?" frug Herr Fischer. „Sehr deutlich. Sr. Eminenz hat den Füzes-Abonyer Arzt Dr. Marcus (einen Israeliten) zum Arzte für die erzbischöflichen Güter ernannt." ft e tt Ille ton. David Speier. Historischer Roman ans der Zeit des dreißigjährigen Krieges von S. Koh«, Verfasser von „Gabriel". Jeder unbefugte Nachdruck wird mit aller Strenge verfolgt werden. UebersetzungSrechte in fremde Sprachen Vorbehalten. 9.) „Mich ergreift sie auch," sprach die gutherzige Nuchome, „und ich bedaure es in der Rigse^) so unschön von ihm gesprochen zu haben.Verzeih mirs Reb Feisch!" „Ich habe Dir nichts zu verzeihen," entgegnete dieser lächelnd, „ich bitte Dich nur, Dich in der Folge zu beherrschen und nicht in der Aufregung Worte zu sprechen, von denen Dein Herz nichts weiß." „Der junge Mensch ist zu bedauern," meinte Wolf Dürnfurther, „aber ich glaube gar nicht daß er ein Bachur ist und unterrichten kann, sonst würde er sich dann doch nicht zu einem so groben, verächtlichen Dienst erniedrigen." „Darauf möchte ich Euch mit zwei Aussprüchen unserer Weisen antworten," erwiederte Katz. „Verurtheile Niemanden, bevor Du Dich nicht mit ihm in gleicher Lage befunden') und: „Ziehe für Lohn einem Aas aus offener Straße die Haut ab und sage nicht ich bin Kohane, ich bin ein großer Mann."^) In dem Augenblicke wurden rasche, elastische Tritte im Vorzimmer hörbar und fast unmittelbar daraus öffnete David Speier, vom raschen Laufe erhitzt, die Thüre und sprach: „Guten Schabbos! — Ich sehe mit Bedauern, daß Ihr so sreulldlich wäret mit dem Kidusch auf mich zu warten — wenn Ihr, Balbois^) gestattet, werde ich bei Tisch den Grund meiner Verspätung angebeil, der mich wohl genügend entschuldigen wird." Nun wuschen sich alle die Handel, Katz verrichtete die Benediktionen über den Becher Wein und die Barches, dann wurden die Speisen aufgetragen. Nachdeut der erste Hunger gestillt war, berichtete Speier über des Hausherrn Aufforderung folgendes: „Ich hatte zu Mariw die Altueusynagoge besucht. Sie war von Andächtigen gefüllt. Es war kein Sitzplatz leer unb ich stand unfern vom Eingang an der Stadt b) welche hinter dem AlmemmorS steht. Als nun das Gebet beendet war, theilte sich die Im Zorn. 2) Sprüche der Väter Perek 2 Mischna 5. 3) Psochim Fol. 113 a. 4) Hausvater, eine damals übliche Ansprache. 5j Es ist rabbinische Vorschrift vor l em Essen die Hände zu waschen. 6i Bank, welche der Breite der Synagoge nach aufgestellt ist. 7) Tribüne in der Mitte der Synagoge, auf welcher die Thoravorlesung vorgenommen wird.