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Der Israelit · 1895-06-17 · Heft 48 (17.6.1895) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 48 (17.6.1895)
Date
1895-06-17
Page
– (sequence 11)
Language
German
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873 gegenzutreten, berichten wir, daß Dr. Grünwald nicht an der Cholera, sondern an einer Gedärmverwicklung leider starb. Der Dahingeschiedene wollte am kommenden Sabbat d. 15. ds. in der Neu. Synagogue predigen, erkrankte Freitag d. 8. ds. des Nachts, am Sabbat. Nachts wurden zwei Aerzte herbeigeholt, aber es war leider keine Rettung möglich. Wie wir vernehmen, hinterläßt derselbe eine Wittwe und sechs Kinder. Der Daüingegangene war als tüchtiger Redner und großer Gelehrter rühmlichst bekannt. Der traurige Vorfall erregte allgemeines großes Bedauern wovon die Bethetligung an dem Leich enbegängniffe zur Genüge zeigte. Amerika. New Mork. In Amerika fühlt man auch viel mehr als in Europa in den kleinen zerstreut liegenden Gemeinden den schweren Mangel an geeignetem Unterricht in der Religion und Belehrung in den Lehren des Judenthums. Es ist begreiflich, daß daher ein Vorschlag des „American Hebrew" lebhaften Anklang findet. Es soll nämlich hinfort jeder Student, der entweder das „Jewtsh Theological Seminary" in New-Aork oder das Hebrew Union College" in Cincennati besucht, gehalten sein vor Beendigung seines Studiums ein Jahr als Wanderlehrer und Wanderprediger in den kleinen jüdischen Gemeinden zu fungiren. Der Vortheil wäre auf beiden Seiten, die jungen Leute erlangten die so nöthige praktische Uebung, die kleinem Gemeinden würden ihren Zusammenhang mit dem Judenthum befestigen, und es ist daher erfreulich, daß man ernsthaft an die Verwirklichung dieses Planes geht. Afrika. Tunis. Hier hat die Alliance israelite ein Grundstück erworben, um eine Ackerbauschule, nach dem Vorbilde derjenigen in Jaffa, zu errichten. Das Terrain liegt 3U Stunden von der Stadt in Djedeida, ist sehr groß, mit fruchtbaren Boden und den nöthigen Gebäuden. Die Kosten belaufen sich auf c. 400,000 Francs, aber diese große Aufwendung verspricht auch großen Nutzen für die 6000O Juden von Tunis, die ein solches Institut sicher sehr stark in Anspruch nehmen werden. Die Leitung erhält Herr M. Avtgdor, der ein Zögling des Seminars der Alliance in Paris, dann als Gehilfe von Ntego in Jaffa sich die nöthigen praktischen Kenntniffe angeeignet hat und dieselben nach der theoretischen Sette durch Absoloirung der Hochschule für Landwirtschaft in Montpellier vervollkommete. Der neuen Schule steht eine glänzende Zukunft bevor, sobald die ersten Schwierigkeiten überwunden, sind. Natal. Der zweite Jahresbericht der jüdischen Hilfsgesellschaft in Port Elisabeth stellt eine sehr starke Einwanderung von jüdischen Handwerkern, besonders Schneidern und Schustern fest, die in England keine Arbeit finden konnten und deßhalb nach Süd'Afrika auswanderten. Fast 3000 Mark wurden ausgegeben, um ste auf die einzelnen Plätze des Landes zu vertheilen und ihnen Arbeit zu beschaffen. Australien. Melbourne. Die hiesige römische Erzbischof sandte kürzlich einen Beitrag für die jüdische Wohlthätigketts-Gesellschaft mit einem freundlichen Schreiben, in dem er hervorhob, daß die Juden so selten an die öffentlichen Wohlthätigkeit appellirten, daß er sich ganz besonders freue, sie einmal fördern zu können. vermischtes. Fifchach (Schwaben.) Am 80. Nissan segnete Herr Emaunel Mendle dahier in einem Alter von 08 Iah en dar Zeitliche. Der Verlebte war ein streng gotteSfürchtiger, überaus mildthätiger und friedlebender Mann. Er schätzte UTnin ntmpn als das höchste Gut, war auch stets mnit> dti;/ yaia und ehrte in musterhafter Weise die min in ihren Trägern. Obwohl als Geschäftsmann viel auf Reisen, beobachtete er die Vorschriften der Religion immer mit peinlichster Genauigkeit. Von dem Verewigten kann man fest behaupte», daß er an sich voll und ganz bewahrheitete daS Wort des Psalmisten: ■pa 'n rva ’■? onoNa ’nnctr. Im nwan n*a wellte er überaus gerne und suchte und fand im andächtigsten Gebete die Nähe Gotte». Besonders nahe standen dem Verstorbenen Arme und Notleidende. Sie fanden Sei ihm stet» offene Hand und liebevolles Wort. Der Entschlafene hat die größte Wohlthätigkeit geübt, dabei besonders der Armen der heiligen Landes gedenkend. und HTGy min DHDn wurden von ihm gleich hoch geachtet und gepflegt. Frankfurt a. M. Dem einundvierzigsten Jahresbericht der israelitischen Waisenanstalt zu Frankfurt a. M. entnehmen wir: Das Bemühen, den Pfleglingen für ihre körperliche Entwicklung wie für ihre Vorbereitung zu dem bürgerlichen Beruf die ihnen fehlende elterliche Fürsorge thunlichst zu ersetzen, hat fortgesetzt der Erziehung zur Richtschnur gedient. Der Erfolg, welcher diesem Erziehungswerk zu Theil geworden ist, bleibt'hinter dem der früheren Jahre nicht zurück und ist wohl geeignet, die freundliche Aufnahme, welche der Anstalt zugewendet wird, in vollem Maße zu rechtfertigen. Weniger erfreulich ist es, mittheilen zu müssen, daß die finanziellen Ergebnisse, welche unser Bericht zu verzeichnen hat, gegen die der vorangegangenen Jahre einen erheblichen Rückgang aufweisen. Wenn gleich die erledigten Zöglingsftellen im Laufe des JahreS nur zmn Theil wieder besetzt wurden, so wäre dennoch, da auch so der Bedarf durch die laufenden Einnahmen nicht gedeckt werden konnte, ein bedeutendes Defizit entstanden, wenn nicht eine namhafte Spende, von vcrehrungswürdiger

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