Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1895-06-17 · Heft 48 (17.6.1895) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 48 (17.6.1895)
Date
1895-06-17
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2446951-2448559-2448604--40919-2489853
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

870 7£Jj?r H ATt.’ T^'r^rr?pf!ff-'r!ri^ zählt: Der Hohepriester Iochanan bekleidete lange Zeit sein heiliges Amt und schließlick) ward er doch ein Abtrünniger.18) „Das ist nur eine einzelne Meinung, die von andern bestritten wird", berichtigte Katz, dann aber wandte er sich mit mißbilligendem Stirnrnnzeln an seine Frau. „Du weißt ja, wie David Speier heißt, warum nennst du ihn den FleischerknechtVJ „Weil er es ist", erwiederte Nnchome, aber nur mit halbem Trotze und mit flüchtigem Erröthen, schon die Berechtigung des Borwurfs mit Bedauern erkennend. „Seinen Namen", fuhr Katz in ernstem aber milden Tone fort, „behält er immer, aber des rohen Fleischers Hirsch Planers Knecht wird er hoffentlich nicht immer bleiben. Ich begreife nicht, was du — sonst gegen jedermann liebreich, jeden günstig beurtheilend, — gegen den bescheidenen, ruhigen Menschen hast. Mir hat sein Benehmelt sehr gut gefallen. Er bat mir gleich, als ihn der Gaffenmeschores Jeket Arkeles an mich wegen ttnseres Zimmers gewiesen, erzäblt, daß er vor den Schweden aus Leipa bierbergeslüchtet, daß er für Kost und Wohnung nur wenig bezahlen könne, — bat offen erklärt, daß sein kleiner Geldvorrath nur für kurze Zeit ausreiche, er gezwungen sei sich rasch um einen redlichen Erwerb umzusehen und daß er am liebsten Knaben unterrichten inöchte, wozu er, wie er behauptet, befähigt sei. Als ich ihm sagte, daß jetzt bei diesen schlechten Zeiten die Leute eher einen Lehrer entlassen als einen neuen aufnehmen, ward der arme Mensch sehr traurig, und als ich hinzufügte, er möge sich nicht sorgen, ich wäre als Bachur auch in der Fremde ge? Zen und hätte von Leuten, die ich nicht gekannt, viel Gutes genossen; er möge nur ganz ruhig bei uns wohnen ltitb essen, wir würden ihn nicht um die Zahlung drängen, Berachot Fol. 29 o. er könne uns ja diese immerhin später leisten, dankte er mir, für meine große Güte," wie er sich ausdrückte; aber erklärte, er sei jung, gesund und kräftig und bevor er jemanden -jur Last falle, wolle er lieber die bärteste Arbeit für geringelt Lohll verrichten. Ich sah ihn bald darauf das Haus verlassen und als er ttach längerer Zeit zurückkehrte, theilte er mir mit, er wäre bei zwei Bachurim-sarserim^) gewesen und da diese erklärten es seien zur Zeit keine Stellen offen, wäre er sofort ins Kazowed^) gegangen und habe, wie er sich ausdrückte, zum großen Glücke, eine Stelle als Gebülse bei Hirsch Planer gefunden. Ich hielt es für meine Pflicht ihm zu sagen, daß Hirsch Planer ein roher, gewalthätiger Mensch sei, daß die Stelle bei ihni nur dadurch frei wurde, daß er mit seinem Gesellen, als dieser ein Ochsenviertel in den Keller hinuntertragen wollte, in Streit gerieth und ihn so unglücklich stieß, daß er die Kellerstiege hinttnterffel unb einen Fuß brach. Ich sagte ihm, daß es am gerathensten lväre, den schlecht bezahlten, gefährlichen Posten gar nicht anzutreten; oder gleich beim Antritt zu kündigen; aber Speier erwiederte: „Ich bin ein verträglicher und gedllldiger Mensch ttnd werde mich bemühen keinen Grund zu Streit und Unzufriedenheit zu geben.„Mich hat diese rich'ge Ergebung in sein trauriges Schicksal lies ergriffen." (Fortsetzung folgt.) l9) Lehrerstellenvermittler. — 2°) Die Fleischerschranne. Wochen - Kalender. Freitag, 21. Juni, 29. Siwan. Sabbat-Anfang in Mainz 7 Uhr 55 Min. (M. E. Z ) Samstag, 22. Juni, 30. Siwan. "in« DT '31 n“ij? Sabbat-AuSgang in Mainz 9 Uhr 40 Min. (Ll. E. Z.) Sonntag, 23. Juni, 1. Thamus. n"V! '3 Dl’ Der „ISraeltt" erscheint wöchentlich zweimal, MontagS und Donnerstag-, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preit deS Jahrgang? für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für'S Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch Sr» Dnchhandrl ftt Gestehen bet C. /• Kteirrarker, Leipzig, Doßplatz 16. — Inserate 85 Pfennig die viergespaltene Petttzeil« oder deren Raum. — Oesterreichischc Banknoten laut CourS. — Directe Francozuscndung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland «nd Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für'S Ausland 1« Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenben. Eine NLSsenknng »»« a« die Redaktion eiugesandte« Manuskripten findet nicht statt, mau kittet de-halk sich von allen Einsendungen eine Copie zurückzubehalte«. Inhalt tHavfitklatt): Leitender Artikel: Was ist der Zweck der jüdischen Gemeinde? — Zeitungsnachrichten u. Correspondenzen : Deutschland: Mainz. Berlin. Lindau. — England): London. — Privat-Telegramm des „Israelit": Gießen. — Feuilleton: David Speier. Historischer Roman aus der Zeit des dreißigjährigen Krieges. Von S. Kohn, Verfasser von „Gabriel" (Fortsetzung). Inhalt der Beilage: Leitender Artikel: Zur Klarstellung. — Literarischer Bericht. — ZeitungSnachrichten und Correspondenzen : Deutschland: Berlin. Markolsheim. — Rußland: Brest-LitewSk.— England: London. — Amerika: Rew-Bork. — Afrika: Tunis. Natal. — Australien: Melbourne. — Vermischtes. verantwortliche Redaction: OScar Lehmann in Mainz. — Expedition deS „JSraelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirt h'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu eine Beilage

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.