Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 48 (17.6.1895)
- Date
- 1895-06-17
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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867 w noch ein Verfahren gegen ihn wegen Wuchers, das ihn hauptsächlich zur Flucht veranlaßt haben soll. Bezeichnend ist noch, daß Gr., um die Konkurrenz von Israeliten aus dem Felde zu schlagen, bei seinen Geschäften stetH geltend machte, er als „christlicher Bewerber" verdiene doch sicherlich den Vorzug. England. London, 12. Juni. Die Seelen der Gerech» ten werden auf dem Altar des Höchsten wie Opfer wohlgefällig ausgenommen, so hat auch heute unsere Gemeinde zwei roonan rriij; dargebracht und es bewahrheitete sich das Schriftwort: npmnwj/n in« waan rw v'Iip.i i'I nwyn >j»n icaan nxi. Des Morgens wurden die irdischen Ueberreste des leider hier verschiedenen Dr. Grünwald, Oberrabbiner aus Bulgarien auf dem Friedhofe der Federation of Synagogues in erhebender Weise bestattet. Der Chief Rabbi Dr. Adler, Dr. Gafter, Dr. Samuel Montagu eröffneten den Leichenzug, dem eine unabsehbare Menge folgte. Nachmittags wurde der berühmte D»cn pna, Herr Nathan David Zimmer geb.in Fürth auf dem West Ham Friedhöfe in der ihm gebührenden Weise zur mnp gebracht. Sämmtliche orthodoxe Gemeindemitglteder aus allen Stadtthetlen folgten der Bahre, die Brüder des Chief Rabbi's Mr. Marcus und Mr. Elk an Adler vertraten den Chief Rabbi, der des Nachmittags im Westend Trauungen vorzunehmen hatte und ein sehr rührendes Schreiben an die Familie richtete. Rev. Hast fungirte, es waren auch der v~> Rev.M. Spiers, Herr Dr. S t e r n h e i m, sowie auch sämmtliche Ma gidim der Chevroth anwesend. Ferner waren da: Rev. Gordon (vulces Place), Rev. Gollancz (Hambrö Synagogue), Rev. Ltppmann, Ma c i.ob i (Chammitzer Maggid) und sämmtliche Magfiidim der City. Lord Rothschild sandte seinenPrivatsekretär, Mr. S a m. A s h e r, als Vertreter, um der Wtttwe seine tiefe Sympathie auszudrücken und sich eingehend über ihr Befinden nach diesem herben Schlag zu erkundigen. Besonders ist zu erwähnen, daß, trotzdem das Letchenbegängniß während der Geschäftsstunden stattfavd, dennoch eine große Anzahl von City-Kaufleuten anwesend war. Auf Wunsch des edlen Verblichenen waren die Kutscher der Equipagen nicht schwarz gekleidet. — Selbst Lord Rothschild und Sir Samuel Montagu respektirten die Meinung Mr. Zimmer's, die er stets offen und energisch in den Sitzungen vertrat, trotzdem sie nicht mit seinen Ansichten immer harmontrten. Der sei. Sir Moses Montefiore, bemerkte einmal: Mr. Zimmer ist ein wunder-* voller Mann. An dem 100 jährigen Geburtstag von Sir Moses fertigte Mr. Zimmer eine meisterhafte Arbeit von 100 talmudtschen Sprüchen, sämmtlich mit p beginnend. Der Leichenzug hielt vor der Dukes’ Place Synagogue, deren Portale geöffnet wurden. — Der Dahingeschtedene Mr. Zimmer erreichte ein Alter von 64 Jahren, war in Fürth geboren und wohnte 45 Jahre lang hier in London. Er war ein eifriger Vorkämpfer der Orthodoxie und hauptsächlich feinem Einflüsse verdanken wir es, daß in der Dukes’ Place Synagogue keine Reformen eingeführt wurden, da die Vorsteher bei jeder General-Versammlung das erste Wort dem Mr. Zimmer ertheilten und seinen Ratschlägen in den wichtigsten Angelegenheiten folgten. Mr. ZiMmer war nicht nur groß als Mensch in seiner Menschenliebe und Wohlthätig. kett gegen Jedermann, gleichviel welcher religiösen Partei er angehörte, sondern er war auch groß durch seine Energie und Offenheit. Ec vereinigte großes talmudisches W ssen mit allgemeiner Bildung und gediegener Kenntniß der englischen Sprache — seine gelehrten Beiträge zum Jewish Chronicle und Jewish World zeigten von vielseitigem Wissen und außergewöhnlichem Gedächtnisse, besonders in chronologischen Daten. Noch auf seinem Todtenbette schrieb er eine gelehrte Abhandlung über die Frage, ob Rabbi Jochanan ben Sakkai ein Hohepriester war; der Artikel wird in der nächsten Nummer der Jewish World mit der Nachbemerkung, erscheinen, daß es dem Schreiber in Folge eines plötzlichen, schweren Fußletdens unmöglich geworden, den Artikel zu beendigen. In seiner letzten Stunde, als er sich seinem Ende nahe fühlte, reeltirte er D'-wn tw und verschied sanft und Gottergeben, wie er lebte. Die Sy.iagogendiener erzählten, daß Mr. Zimmer während seines ganzen Lebens stets der erste in der Synagoge des Morgens war, und während der nanwi Woche sogar 4/a Stunde vor dem Anfänge des Gottesdienstes auf der Straße stand. Als er noch in dem von der City 1 */2 Stunden entferntem Stadtheile „Brixton“ wohnte, kam er zum des seligen Dr. Adlers */2 Stunde vor dem Anfänge des Morgen Gottesdienstes. Dabei war der Dahingeschtedene ein fleißiger Geschäftsmann, der keine Mühe und Arbeit scheute, um seine Pflicht als tüchtiger Kaufmann zu erfüllen; auch besaß er gediegenes kaufmännisches Wissen und vielseitige Waarenkenntniß. Den Sabbat feierte er stets wie ein Heiliger, von allem Irdischen abgezogen; er redete nur in mpn und beschäftigte sich ausschließlich mit dem Tborastudium. Leider schwächte er durch vieles Fasten seine Gesundheit und hatte nicht mehr die Lebenskraft, der Krankheit genügenden Widerstand bieten zu können, er mußte unterliegen und sein Gott geweihtes Leben enden. Herr Z. hinterläßt eine Wittwe, zwei verheirathete Sühne 1 und eine verheirathete Tochter, n"axjn \ i j '■) i .] Vj .1