Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 47 (12.6.1895)
- Date
- 1895-06-12
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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848 > Personalien. + AlSfeld. Am «BO 'D roty my starb hier ein Mann, besten Tod eine große Lücke gerissen, besten Hinscheiden an das schöne Raschiwort lebhaft erinnert: 1'y2!7'"lLnB' j!2w nvT hjd min rus nsj» nmn «in nv: «in min «m min nJB. Solange der Fromme in der Stadt weilt, ist er ihr Schmuck, ihr Glanz und ihre Pracht, verläßt er sie, so wendet sich ihr Glanz und ihre Pracht. — Der verstorbene in weiten Kreisen bekannte Hermann Rothschild I. war 26 Jahre lang Vorsteher in der hiesigen Gemeinde und hat wahrend dieser langen Zeit zur allgemeinen Zufriedenheit sein Amt verwaltet. Er war ein echter Jehudi und als solcher bestrebt, die Gebote unserer hl. min nach Vorschrift auszuführen. Der Heimgel äuge war von seinem 18. Jahre an bniv und hat über 500 Kinder in den □»TO« V in’-D eingeführt, zu welchem Zwecke er selbst weite Reisen auf eigene Kosten nicht scheute. Seines ehrenhaften Eharacters wegen wurden ihm viele Ehrenämter übertragen, die er trotz feines umfangreichen Geschäftes in hingebender Weise verwaltete. Er starb in dem Alter von 52 Jahren, tief betrauert von seiner zahlreichen Familie, einer sehr großen Verwandschaft und vielen Freunden und Anhängern. Zu seiner Beerdigung waren von nah und fern unzählige Trauernde und Mitfühlende herbeigekommen und das Leichengefolge war ein überaus großes. Am Grabe sprachen die Herren Rabbiner Dr. Hirschfeld J aus Gießen und Lehrer M. Spier aus Alsfeld. In warmen Worten wurden von den Rednern die zahlreichen Verdienste des Verstorbenen gebührend hervorgehoben, *]“Qn’ DB7I möge die Trauernden ob ihres schweren und harten Verlustes trösten und von ihnen jedes Leid und jede weitere Heimsuchung sernhalten! ns»? ri'vn y» Feuilleton. David Speier. Historischer Roman aus der Zen des dreißigjährigen Krieges von G. Kohr», Verfasser von „Gabriel". Jeder unbefugte Nachdruck wird mit aller Strenge verfolgt werden. UebersetzungSrechte in fremde Sprachen Vorbehalten. 6.) Der Primator blickte verwundert zu dem jungen Manne auf. Dieser hatte in seinem ganzen Wesen und Behaben etwas ungemein Gewinnendes, Bestrickendes, Vertrauenerweckendes, jedenfalls war er ein Mensch von ungewöhnlicher Klugheit. „Habt Ihr das Sefer Thora mit nach Prag gebracht? In diesem Falle will ich es bis zu dein Zeitpunkte, wo es möglich sein wird, dasselbe der Leipaer Gemeinde zurückzustellen, einer unserer Synagogen zur Verwahrung übergeben." Des Primators Blick ruhte prüfend auf Spciers Züge, dieser wurde durch die Frage nicht in Verlegenheit gesetzt und erwiederte ruhig: „Ich durste den Versuch, die Thorarolle nach Prag zu bringen, nicht wagen. Ich wußte^ ja nicht, ob es mir gelingen würde die böhmische Hauptstadt zu erreichen. Ich bin ein, wenn auch kräftiger so doch unbewaffneter Mann, ich hätte auf meinem Wege von feindlichen oder auch von marodirenden kaiserlichen Soldaten, oder andern Strolcheir, die sich jetzt zu tausenden in Böhmen hernmtreiben, angefallen und erschlagen werden können. Ich war in Leipa Augenzeuge, wie schwedische Musketiere einen armen Menschen um eines alten Rockes willen, den er sich nicht rauben lassen wollte, erschlugen. Ich habe die Thorarolle in einem nah bei Leipa, aber abseits der Heerstraße gelegenen Dorfe, dem Vorsteher der dortigen kleinen Indengemeinde zur Aufbewahrung ilbergeben. Sie ist dort sicherer geborgen als in einer bevölkerten Ortschaft, deren größere Wohlhabenheit den beutelüsternen Feind, zum Ueberfall und Plünderung reizt. Ich habe mir die Uebergabe des Sefer-Thoro zu meiner Sicherheit bestätigen lassen." So sprechend zog Speier ein sorgfältig in einen Unlschlag gehülltes Papier ans der Rocktasche und überreichte es dem Primator. Das Schriftstück war nach der dritte jener Zeit, in welcher sich die Juden im Verkehre untereinander zilineist der hebräischen Sprache bedienten, in dieser abgefaßt und lautete in deutscher Übersetzung: Am heutigen Tage übergab uns ein uns unbekannter Mann, der sich David Speier nannte, eitle Thorarolle, welche er, nach seiner Angabe, bei der gewaltsamen Zerftörttng der Leipaer Synagoge durch plündernde schwedische Soldaten, aus deren Händen rettete. Wir haben dieselbe in Verwahrung geltommen und werden dieselbe, wenn unser Brüder in Leipa (mit Gottes Hilfe in Bälde) wieder in ihre verlassenen Wohnstätten zurückkehren und ihr Gotteshaus wieder ansrichten werden, diesen übergeben. Reuschloß am letzten Tage des Chanukasestes l) 407 der kleinen jüdischeil Zeitrechnung.^) Das Schriftstück war von dem Rabbiner und dem Vorsteher der kleinen Dorfgemeinde gefertigt. Brandeis kannte die Schrift der Unterfertiger, die sich schon mehrmals in verschiedenen Angelegenheiten an ihn gewendet hatten. Des Primators Mienen erhellten sich. Da sich ein Theil des seltsamen Berichtes bewahrheitete, erschien der andere schon glaubwürdiger, und er sprach: „Das habt Ihr recht und klug gemacht; nun aber sagt mir, was Ihr von mir verlangt." „Herr Primator, ich bin gegen meine Absicht hierher nach Prag verschlagen worden. Ich bin mittellos hier angelangt, das heißt, ich befinde mich nur im Besitze einer so kleinen Summe, daß diese voraussichtlich bald ausgezehrt sein wird. Ich bin ein junger Mensch, Gott Dank, gesund und kräftig. Ich verlange nichts geschenkt, ick hätte auch kein Recht das zu verlangen. Da ich wobl längere Zeit hier 0 Tempelweihefest. 2) 1647 übl. Zeitrechnung.