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Der Israelit · 1895-06-12 · Heft 47 (12.6.1895) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 47 (12.6.1895)
Date
1895-06-12
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Regionen des russischen Tschinownikthums begann und durch Fleiß und Energie es zum Senator brachte. Seine Individualität gab der Commission ihren eigentlichen Charakter. Ec ließ das ganze Material der Pahlen'schen Commission herbetschaffen, um die auf Grund desselben gefaßten Resolutionen zur Regeluna der Rechtsverhältnisse der Juden im Reiche einer Revision zu unterziehen. Und nun nach mehrjähriger Thätigkeit hat die Plehve'sche Kommission beschlossen, sich der Ansicht der Minorität der Pahlen'schen Kommission, daß die Regierung durch Ausnahmsgesetze gegen die Juden die einheimische Bevölkerung vor der „jüdischen Ausbeutung" schützen müsse, anzuschließen. Durch diesen Beschluß der Plehve'schen Kommission dürften alle Hoffnungen der Juden auf eine Besserung ihrer Lage sich als „absurde Träume" erweisen. Die Ansicht der Plehve'schen Kommtsston wird ja auf jene Machthaber, von denen das Schicksal der russischen Juden abhängt, schon im Vorhinein einen für die Letzteren verhängnißvollen Einfluß üben. Daß die Annahme begründet ist, zeigt bereits das Verhalten des russischen Ministeriums für Volksaufklärung gegenüber den Beschlüssen der Rabbinercommtsston, welche eigens dazu berufen war, um der Regierung Vorschläge zur Hebung des Bildungsniveaus der Juden zu machen. Die Mitglieder der Rabbinercommisston, Kotlowker und Baratz, überreichten dem Ministerium ein Memorandum, in welchem die Nothwendtgkeit der Errichtung von Elementarschulen für die Juden nachgewiesen wurde. Nun hat das Ministerium an Herrn Kotlowker die officielle Antwort ergehen lassen, daß es den Vorschlag der Rabbinercommisston zwar zur Kenntniß genommen hat, aber nicht zur Verwirklichung bringen könne. Wie zum Hohne fahren aber die Judenfeinde fort, zu behaupten, daß die Juden ihre Kinder in die Schule — nicht schicken wollen. Wenn die Ausweisungen von Juden seit der Trohnbestetgung Nikolaus' II. ein wenig nachgelassen haben, so geschah es, wie jetzt allgemein bekannt ist, nur aus ökonomischen Rücksichten; hat es sich doch klar herausgestellt, daß die Judenausweisungen der wirtschaftlichen Wohlfahrt der orthodoxen Bevölkerung großen Schaden zugefügt haben. Von einer Regelung der Rechtsverhältnisse der Juden auf gesetzlichem Wege ist jedoch jetzt angesichts der Resolution der Plehve'schen Commission keine Rede. Der Senat dürfte kaum in der Lage sein, zu Gunsten der Juden feine stimme zu erheben, denn zu der Minorität der Pahlen'schen Commisffon ist jetzt die Mehrheit der Plehve'schen Commission hinzugetreten. Wir fürchten sehr, daß den „absurden Traumen" für längere Dauer bittere Entäufchungen folgen werden. (Fr. Bl.) Helfiugfors, 1. Juni. Gemäß den neuen Bestimmungen, welche soeben von dem finischen Senat erlassen worden sind, erhalten die Juden in Finland das Recht, fast unter denselben Bedingungen wie andere im Lande wohnende Fremde Handel und Industrie zu treiben. Griechenland. (J.) Korfu, im Mai. Das Blatt „Asty" in Athen veröffentlichte am Charfreitag einen Artikel, in dem es die griechische Geistlichkeit beschwor, den schon seit Jahrhunderten in Griechenland bestehenden abscheulichen Gebrauch in der Charwoche. das Bild eines Juden, welches den Verräther Judas darstellen soll, zu verbrennen, nun für immer abstellen zu wollen, da dieses Vorgehen nur zum Haffe und Verachtung gegen die Juden aufreize, die heute aufrichtige und zu allen Opfern bereitwillige griechische Patrioten sind. Hier in Korfu ist zwar dieser Gebrauch gänzlich unbekannt, aber in anderen griechischen Städten, so in PatraS, Athen und GhalkiS auf der Insel Euboea, wo gleichfalls Juden wohnen — in letzterem Städtchen existirt sogar eine uralte Gemeinde griechischer Juden — wird dieser Gebrauch noch heute eingehalten. und gab er schon oft Anlaß zu Ausschreitungen gegen die Juden. Türkei. Koustarrtiuopel. Auf Anregung des Oberrabbiners von Bulgarien Dr. Grünwald wurde hier ein Verein für die Ackerbaukolonisation der Juden in Palästina gebildet, dessen Vorsitz der Katmakam Effendi, der Stellvertreter der Chacham Bascht der Türkei führt. Von dem humanen Sinne der türkischen Regierung zeugt die Einrichtung, daß auch in diesem wie in früheren Jahren den jüdischen Gefangenen, die wegen leichter Verbrechen eingesperrt sind, erlaubt wurde über Peßach zu ihren Familien zurückzukchren, um mit denselben das Fest der Befreiung zu begehen. Afrika. Algier. Zu der bevorstehenden Debatte in der französischen Kammer über die Judenfrage in Algier haben die hiesigen Israeliten eine Petition an die Deputaten abgesandt, in der sie um Schutz gegen die Bedrückungen nachsuchen, denen sie seitens der französischen Beamten und Colo nisten ausgesetzt sind. Grandrabbi Weill von hier versendet einen Aufruf, in dem er energisch für die Wiederbelebung des Vereins Ez chaim eintritt. Derselbe sorgte sowohl durch Religionsunterricht für die Erziehung der Jugend, als durch Pflege der jüdischen Geschichte und Litteratur für die Fortbildung der Erwachsenen.

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