Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 46 (10.6.1895)
- Date
- 1895-06-10
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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r 'S 830 gemeinsam geübt wird. — So wünscht auch der Prophet Jirmijahu (K. 9, V- 1.) sich weit hinweg von dem entarteten Volk, er zieht die tiefste Einsamkeit der Gemeinsamkeit mit den Uebelthätern vor. „D, daß man mir in der Wüste eine Herberge gebe, ich wollte mein Volk verlassen, von ihnen gehen; denn sie alle sind Ehebrecher, eine Bande Treuloser!" Aus eine Gemeinde, welche die Vorschriften der Lehre unseres Volkes verkürzen oder verändern will, findet der Ausspruch Hillelr schon deßhalb keine Anwendung, weil eine solche Gemeinschaft den Namen einer Gemeinde gar nicht verdient. Die eigentliche Gemeinde ist die Gemeinde GesammtisraelS und zu dieser werden nur diejenigen gezählt, die daS Streben haben, Gott zu dienen, Seine heiligen Gebote zu halten und ihre Kinder dazu zu erziehen. Jene aber, die Gott leugnen, den Sabbat entweihen, fich durch Genuß verbotener Speisen verunreinigen, die Ehegesetze, die Keuschheitsgesetze, die Reinheilsgesetze verletzen, sie haben sich von der Gemeinde GesammtisraelS losgesagt, mcniE) “inan OIID und wenn wir uns von ihnen trennen, so bleiben wir der Gemeinde GesammtisraelS treu." Diese vor jetzt zehn Jahren ntedergeschriebenen Worte, zeichnen die Lage der Dinge noch heute so präcis und zutreffend, daß wir ihnen nichts hinzuzufügen haben. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. Soldiu, 4. Juni. Eine Trauerbotschaft ist eS, de ich Ihnen heute zu berichten habe. Am mpo«' a->y verschied zu Neudamm der allgemein beliebte, wett über die Grenzen Deutschlands hinaus durch seine Frömmigkeit und Wohlthätiakeit bekannte Herr Gumpel Ephraim in der Vollkraft des Lebens im Alter von 55 Jahren. Von Jugend auf zur Frömmigkeit und Gottesfurcht ungehalten, führte er ein wahrhaft musterhaft frommes Leben. Ein nrn anw vereinte er auch die beiden anderen Grundpfeile unserer Religion mny und m in des Wortes schönster Bedeutung. Mit allen Fasern seines Lebens hing er an unserer heiligen Religion. Jeder Nerv, jeder Pulsschlag, ja jeder Athemzug bei ihm, war ein Gottesdienst. Wer sein Haus betrat, glaubte in einem Gotteshause sich zu befinden. Sobald es ihm möglich war, riß er sich von des Geschäftes Thätigkeit loS, eilte in fein Kämmerlein, um dem "i mny obzuliegen. Täglich erhob er sich, bevor noch der Morgen graute, bisweilen schon nach Mitternacht von seinem Lager toian miayb. Seine felsenfeste, beispiellose Frömmigkeit, seine unerschütterliche, unbeugsame Treue und Hingebung in seinen Glauben, seine peinliche Beobachtung der göttlichen Vorschriften, selbst der kleinsten, war bewunderns- und nachahmungswerth. In diesem Sinne war er eifrigst bestrebt, seine Söhne und Töchter zu erziehen, worin seine wackere, von wahrer Gottesfurcht beseelte Frau ihm treu zur Seite stand. Bei ihm bewährte sich der nach der günstigen Seite auszulegende biblische Satz: vnnna '\*i D>on pnir V'X Was nun seine m betrifft, so habe ich AehnltcheS noch nicht angetroffen. Sein Haus glich dem Hause Abrahams; seine größte Freude war, wenn er Arme an setnkm Tische halt", die er bewirthen konnte, cs mochten deren noch so viele geben; wenn sie sei« Haus hungrig betraten, haben sie es gesättigt verlassen, wer ein schlechtes Gewand anhatte, wurde bekleidet, reichten seine alten Sachen nicht aus, gab er neue von seinem Lager hin. Auch für Nachtlager sorgte, bezw. bezahlte er. Außerdem erhielt der Fremde noch extra Geld zu einer Fahrkarte für die Nächstliegende Station. War der Fremde ein mm p, begleitete er ihn noch bis zum Bahnhof. Genug, er war so zu sagen, der Vater der Armen. Was er für ♦"« "ip gethan, ist unbeschreiblich; die Geldsendung n, die er alljährlich nach Jerusalem sandte, würden, wollte man sie jetzt zusammenzählen, ein ganzes Vermögen ausmachen. Am an r>DK fand die Beerdigung statt. Von nah und fern eilten Freunde und Verehrer herbei, um dem thcuren Entschlafenen die letzte Ehre zu erweisen. Auch viele seiner christlichen Mitbürger, darunter die Geistlichkeit, gaben ihm das letzte Geleite. Wegen an not« konnte eine Grabrede nicht gehalten werden. Schreiber dieses begnügte sich, ihm im Trauerhause die Worte zuzurusen: "sxiaa nrw fnai fnNXa r»nn *pa Möge der Allvater die tiefgebeugte, aber Gott ergebene Gattin wie die trauernden, gottesfürchtigen Kinder trösten und ihrem großen Schmerz Linderung spenden. .Tarn Soldin, im Juni. Das Gespenst des Schächtverbots, das vor nicht langer Zeit in einigen Ortschaften Wefipreußens herumspuckre, hat sich auch in unserer Stadt gezeigt, um nach kurzem Aufenthalt von der Btldfläche wieder zu verschwinden. Seit dem 15. Mai ist am hiesigen Platze die obligatorische Fletschschau eingeführt; der von der Polizeiverwaltung hierzu designirte Thierarzt, ein junger Mann, der sich erst vor Kurzem hier niedergelassen, machte sich gleich bet seinem ersten Auftreten dadurch bemerkbar, daß er offenkundig eine Agitation gegen das Schächten in Scene setzte. Mit allerhand antisemitischen Waffen ausgerüstet, fand er wohl bei seinen hier nur schwach vertretenen Gesinnungsgenossen Gehör; allein alle Andere», vornehmlich die Fleischer, wollten von einer solchen Neuerung nichts wissen. Da ersann der antisemitische Thierarzt ein neues Mittel, womit er dem Schächten zu Leibe ging. In der von der Polizeiverwaltung und Magistrat entworfenen