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Der Israelit · 1895-06-10 · Heft 46 (10.6.1895) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 46 (10.6.1895)
Date
1895-06-10
Page
– (sequence 2)
Language
German
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828 Ein in Gottes Namen, für Seine Sache geführter Streit wird hier nm vff^ npiVna genannt. Die heilige Sprache hat viele Bezeichnungen für Streit und Hader. an, rwo, ino u. a. je nach der mannigfachen Art und Weise, wie sich derselbe äußert, ppibnv dürfte seiner Wortbedeutung nach, weniger den Streit an und für sich, als das Auseinandergehen der Ansichten und ihrer Vertreter, ihr Theilen, Abscheiden und ihre Trennung in verschiedene Wege bezeichnen. Wenn nun diese Verschiedenheit der Ansichten zur Trennung führt, so hat 2d*d der Endzweck, das letzte, eigentliche Ziel dieser Trennung Bestand, sobald sie sich rein im Namen Gottes vollzieht. Ja diese Trennung in verschiedene Wege an und für sich um zur Wahrheit zu gelangen, ist, wo sie aus reinen Motiven erfolgt, von dauerndem, unschätzbaren Werth für die Wahrheit. Nichts ist in so hohem Grade geeignet Irrthümer zu beseitigen, als diese Verschiedenheit der Ansichten. Selbst wenn die Wahrheit ermittelt und unverlierbar festgeftellt ist, bleiben die verschiedenen Wege, auf welchen man sie suchte, von dauerndem Interesse. Der Streit ist nur ein scheinbarer, denn über den Kern der Sache herrscht keine Meinungsverschiedenheit. Wie die moderne Strateg-k „getrennt marschiren und vereint schlagen" als Parole ousgiebt, so ist diese Losung auch -in den Geistesturnieren maßgebend, welche unsere großen Meister und Vorbilder aufführten. Die Verschiedenheit der Ansichten beeinträchtigt nicht nur nicht die guten persönlichen Beziehungen ihrer Verfechter, sondern erhält und festigt dieselben. So gewiß in einem Räderwerk die äußerlich glatten und gleichen Räder kalt und wirkungslos nebeneinander herlaufen und nur die gezahnten ungleichen Räder eben durch diese ihre äußere Ungleichheit in einander eingreifen und die harmonische, zweckentsprechende Bewegung erzeugen, so greifen auch Menschen gerade durch ihre äußere Ungleichheit in einander ein und entwickeln eine harmonisch vollendete Thätigkeit, die ohne dicse Ungleichheit nicht denkbar wäre. In diesem Sinne lehrt ein Weiser: Selbst Vater und Sohn, Lehrer und Schüler, die sich bet der Beschäftigung mit der Thora durch eine und dieselbe Pforte bewegen, können sich als Gegner gegenübei stehen, aber sie gehen nicht auseinander bis sie wieder Freunde mit einander geworden sind." (Talmud Kidduschin. Fol. 30.) lTobm 322 1:21 2^2 , N3N >>2 n»ti '21 2cn c.m 26 dt D'nj'ip D’ipyj “jnft 22122 D'pD'.yff .m m n; D'32iN D'ffyjff 2y Dffo a»n Der Nachdruck liegt hier offenbar auf dem sonst über flüssig scheinenden 211N 2yff, in der einen Pforte, in die alle noch so verschiedenen Wege einheitlich münden, o'Eff.2 iyff nr, das ist die Himmelspforte, in welcher alle ans* sich Vereinigenden endlich friedlich sich zusammenfinden. Dies wird uns auch ausdrücklich von Hillel und Schammai überliefert. »NEff 2»3 OMff 'J VN)Dff 2DN N3N '22 2DN n^n neu iVbm wnioa .222.2 ll'2v'N 1^.2 ^.2 nm n22m D’TI 'N '222 22ÖK1 22 PW#* lä*2lva .bbr\ 2'22 „Rabbi Abba lehrte im Namen Samuels: Drei Jahre stritten die Schulen Schammais und Hillels. Die Einen sagten, das Gesetz ist, wie wir es lehren, und die anderen sagten, das Gesetz ist, wie wir eS lehren. Da erscholl eine Stimme: Die Worte der einen und der anderen sind Worte des lebendigen Gottes, wenn auch die endgiltige Entscheidung nach der Lehre der Hillel'schen Schule bleibt." (Talmud Erubin Fol. 3.) Dem entsprechend hat sich auch die eine Schule der anderen gefügt, sobald sie ihren Jrrthum eingesehen und selbst beide Schulen haben ihre Lehrer aufgegeben, sobald durch die Entscheidung einer dritten Sette die Wahrheit festgestellt wurde. Aber selbst solange der Kampf der Geister unentschieden wogte, hatte er auf den friedlichen Verkehr der Kämpfenden keinen verbitternden Einfluß. p’ff3D ^D*0 H'no pD'N Hxff B"yN r2'3 bbr\ 200 o»ffj xv’bo 'nov rv2 n!? proo fr» vnff mxDiöm nnnon bi »«off n»2D kn a"y nmo pffiy lyjoi t*b pnvvv D^ff.21 2EN2 iCNJff HD HD 21 ]\12U 2iy»21 232Nff .132« „Obwohl die einen verboten und die anderen erlaubten, die einen etwas für zulässig und die anderen es für unzulässig erklärten, so hielt das doch die Schulen Schammais und Hillels nicht zurück sich untereinander zu verheirathen. Ebenso wenig gestatteten sie ihren abweichenden Anschauungen über rein und unrein einen Einfluß auf den gegenseitigen Verkehr, woraus Du lernen kannst, daß sie in Freundschaft und Liebe miteinander verkehrten, um daS Wort zu verwirklichen: Die Wahrheit liebet und den Frieden! (Talmud Jebamoth fol. 14.) Daraus ergiebt sich, wie fadenscheinig die Beschönigung ist, wenn unsere Wortführer des Abfalls vom Gottesgesktze dieses ihr Vorgehen durch den Hinweis zu legittmiren suchen, als hätten solche Meinungsverschiedenheiten zu jeder Zett und gerade damals zumeist stattgefunden, als das Thorastudium in höchster Blüthe stand. Solche Verschiedenheiten haben niemals stattgcfundcn, so lange Israel als Träger der Thora in der Weltgeschichte dasteht, wie sie unsere Zeit gezeitigt hat. Wenn ein Hillel und Schammai, wenn Abaje und Raba, wenn alle Rischonim und Acharonim in der Auffassung eines Gesetzes in erschwerendem oder

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