Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 46 (10.6.1895)
- Date
- 1895-06-10
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2446951-2448559-2448602--40866-2489798- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
^ir A&s&jPdt, XXXTI, Jahrgang. jfü 40 Der Israelit. Ein Aenlrat-Hrgan für das orthodoxe Zudentßum. Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Montag, den 1«. Juni 5655 (1895). Leitender Artikel. Sprüche der Wäter. Fünftes Buch. XXXII. Mainz, 9. Juni. n«wi n^prirb hb d d'dp db^> nvm npftno to ovb N'nv npibno nt? w*« D»pnnb ne© pt* dum dvh npi^no it D-or db6 nrNffi ’kdwi ^»n npi^no u v'v^ .imy ^7 mp „Jeder Streit, der im Namen des Himmels ist, wird am Ende Bestand haben, und der nicht im Namen des Himmels ist, wird am Ende keinen Bestand haben. Welches ist ein Streit, der im Namen des Himmels ist? Das ist der Streit Htllels und Schammat's. Welches ist ein Streit, der nicht im Namen des Himmels ist? Das ist der Streit Korachs und seines ganzen Anhangs." Was der vorhergehende Väterspruch von der Liebe lehrte, gilt ganz in derselben Weise auch von ihrem Gegenthetl, vom Haß und Streit. Wie die Liebe ewig dauert, die von keiner äußeren Sache abhängig ist, so auch der Streit, der aus reiner göttlicher Absicht geführt wird. So gewiß nicht jede Liebe löblich ist, so gewiß ist nicht jeder Streit verwerflich, njn nnx5? ny „Es giebt eine Zeit zum Lieben und eine Zeit zum Hassen." (Kohelet III. 8.) Ein Streit, der maw awb im Namen des Himmels geführt wird, hat Bestand. D'Bff Es ist schwer die Selbstlosigkeit, die rückhaltlose Hingebung an die Hochziele des Lebens, die nichts für sich, die nicht einmal den Namen für sich will, die alles „im Namen des Himmels" thut, durch eine Uebersetzung wiederzugeben, die auch nur annährend dasjenige besagte, was der Jude mit dem Begriff dum cwb verbindet. Es liegt schon etwas ungemein Charakteristisches darin, daß er vom Himmel spricht, wenn er Gott bezeichnen will. Gewiß ist ihm Gott, nicht nur ein Gott des Himmels, sondern auch ein Gott der Erde und die ganze Erde ist voll von derselben Gottesherrlichkeit, die auch vom Firmament niederstrahlt. Aber als Israel durch die Offenbarung am Sinai, Gottes Volk wurde, als es Seine Stimme vernahm aus dem Feuer und aus dem Gewölk, damals sprach diese Stimme zu ihm: Dfv*n an« DDoy »man d'öimi jd 'a, Ihr habt es gesehen, daß ich vom Himmel herab mit euch gesprochen habe. Und je weniger Israel eine Gestalt seines Gottes je gesehen, um so sehnsüchtiger hebt sich sein Blick nach der Richtung, aus der Gott zu ihm gesprochen, nach dem vom Feuer umloderten Himmel, und nennt ihn noch heute als den einzigen, sinnlich wahrnehmbaren Garanten Gottes, wenn es sich seine innige Beziehung zu Ihm, dem Unsichtbaren, Unerfaßbaren mit einem einzigen Worte aussprechen will. Auf der Erde mag das Schalten und Wallen der Menschen, denen sie überantwortet ist, die Herrlichkeit Gottes wohl hie und da für den weniger tiefen Blick zurücktreten lassen. Aber der Himmel bleibt Gottes Himmel, wenn er die Erde auch den Menschen hingegeben hat. Die unermeßlichen Himmelskörper, die er umspannt, die von ihm umwölbt ihre ewigen Bahnen ziehen, jeder Sonnenstrahl, jeder Regentropfen, der von seiner Höhe auf die Menschenerde niederfällt, verkündet Gott. Die Erde und ihre Kräfte, die Erde und iürc Güter mochte man den jüdischen Menschen oft streitig machen und verkümmern. Aber je mehr man sie von ihrem Vollbesitz ausschloß, um so inniger flüchteten sie sich zum Himmel. Der Blick auf ihn läßt sie heiter verzichten auf alles, was man ihnen auf Erden versagt. Ihr ganzes Thun und Lasten ist daher dem Himmel, ist nvfr O’Dff dem Namen dessen geweiht, der aus Himmelshöhen zu ihnen nicdergestiegen ist, um ihnen sein Gesetz zu offenbaren.