Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 44-45 (5.6.1895)
- Date
- 1895-06-05
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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821 t*V xBpbxft&j-^:™7<wxzi& w^yy1 vr?&-?**yc*yy~ ryw* ^-.' r * ..-^ •■-•-• dürfte eS doch nicht aus vorwiegend materiellen, flüchtigen Zeitverhältniffen entspringenden Gründen geschehen — und Dr. S. stellt die materielle Seite in den Vordergrund — sondern in erster Linie aus sittlich-religiösen Ursachen und in der Absicht, dem Judenthum damit auf religiösem Gebiete aufzuhelfen, ihm einen großen Dienst zu erweisen. Warum setzt denn aber nicht Dr. S. den Hebel dort an. wo er heutzutags am nothwendigsten ist, und redet der Heiligung des einen Tages, des raff, das Wort? Jeder Rabbiner, der von Hebung des Judenthums so laut spricht, muß in erster Linie, wenn cs ihm Ernst ist, den ehrlichen Muth haben, dafür einzutreten, daß der nar aushöre, daß dem grundlegenden Gebote unserer heiligen Religion etwas mehr Respect entgegengebracht wird. Es ist stark, was Dr. S. uns zumuthet, daß wir ihn von redlicher ernster Absicht beseelt htnnehmen und ihm fein Unterfangen so einfach hingeben lassen sollen! Dr. S., der durch die Reformbestrebungen unseres Jahrhunderts nichts gelernt hat und sich nicht belehren läßt, die bekanntlich unter ganz gleichem Vorgeben das Judenthum heben wollten und es dahin gebracht haben, wo es heute steht, so daß erster und zweiter Feiertag, so daß Sabbat und Spetsegesetz, wie noch so viele andere wichtigsten biblischen Gebote nicht nur nicht beachtet, sondern mißachtet werden. Dr. S. will mit denselben verbrauchten Mitteln eine „erhöhte, ordnungsmäßige Feier der wirklich gebotenen Feste" erzielen! Dr. S. bietet doch gar nichts Neues, nichts, was nicht von seinen Vorgängern versucht, vergeblich versucht worden fast ein Jahrhundert hindurch; nichts, was nicht schon hundertmal widerlegt worden, und will sachlich widerlegt, will ernst genommen sein! Daß es ihm um eine religiöse That zu thun ist, um die irregeleiteten, jüdische Sitte u. jüdischen Geist, jüdischen Brauch und jüdisches Leben mißachtenden modernen Juden zurückzuführen, um wenigstens das, was selbst nach Dr. S. deutliches und klares Gottesgesetz ist, etwas ernster aufzufassen und zu beachten — das glaubt ihm Niemand. Wird Dr. S. was ändern, bessern? Es wird Alles beim Alten bleiben. Also was will Dr. S.? — Wahrscheinlich den Beweis liefern, daß die Reform — fin de siöcle ist. Rabb. Dr. Sänger. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien, 27. Mai. Der Ministerpräsident hat in der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses die vom Abgeordneten Exner gestellte Interpellation über die Affaire des Pfarrers Dcckert beantwortet. Der Minister-Präsident theilte mit,^ was ohnehin schon bekannt ist, daß gegen den Pfarrer Deckert auf Antrag der Staatsanwaltschaft die Vorerhebung wegen des Vergehens der Aufreizung zu Feindseligkeiten gegen eine Religions-Genossenschaft etngeleitet worden sei. Der Minister-Präsident theilte ferner mit, er sei an das fürsterzbtschöfltche Ordinariat herangetreten, und dieses habe die Zusicherung gegeben, dahin wirken zu wollen, daß Alles vermieden werde, was geeignet sei, Störungen des Friedens in der Gesellschaft zu veranlaffen und zu Haß und Verachtung einzelner Klaffen aufzurekzen. Man wird sich erinnern, daß der Minister-Präsident schon im vorigen Jahre über den Pfarrer Deckert interpellirt wurde und sich ebenfalls an das erzbischöfliche Ordinariat gewendet hat. Das Ordinariat erklärte jedoch damals, es sei zu einem Vorgehen auf Grund der kirchlichen Gesetze kein Anlaß gewesen. Der Pfarrer Deckert sei jedoch angewiesen worden, künftighin bei Predigten der Heiligkeit des Amtes und Ortes stets eingedenk zu sein. Diese Mittheilung hat der Minister-Präsident genau vor einem Jahre und am selben Tage dem Hause gemacht. Die Anweisungen des fürsterzbischöflichen Ordinariates hatten den Erfolg, daß der Pfarrer Deckert neuerdings Predigten hielt, in welchen weder im Tone noch im Inhalte, kurz in gar keiner Beziehung auch nur die geringste Milderung im Vergleiche mit dem Vorjahre zu erkennen war. Alle Berichte stimmten vielmehr darin überein, daß die Predigten an Heftigkeit und Maßlosigkeit selbst die früheren übertroffen haben. Die Anweisung des fürsierzbischöfltchen Ordinariates hat somit auf den Pfarrer Deckert nicht den geringsten Einfluß ausgeübt. Im Gegentheile. Er ist seither in sefnem ganzen öffentlichen Auftreten noch provocanter und ostentativer geworden. Trotzdem hat sich der Minister-Präsident neuerdings an das fürsterzbischöfliche Ordinariat gewendet und berichtet dem Hause, er habe die Zusicherung erhalten, es werde die Aufreizung zum Klaffenhaffe vermieden werden. Diesmal hat das fürsterzbischöfliche Ordinariat sogar den leisen Tadel vermieden, der im vorigen Jahre dem Pfarrer Deckert öffentlich von dieser ktrchltchen Oberbehörde ertheilt wurde. Der Minister- Präsident hat in diesem Jahre nur eine ganz allgemeine Zusicherung ohne Rücksicht auf die einzelnen Vorfälle bekommen, eine Zusicherung, die sich von selbst versteht und deren praktischer Werth nach den bisherigen Erfahrungen mit großer Vorsicht abgewartet werden muß. Kann das Ordinariat, wenn es überhaupt gefragt wird, anders sprechen, und muß es nicht versichern, daß jede Störung des Friedens von kirchlicher Seite vermieden werden solle? Die Regierung hat auch gefühlt, daß die Sache mit dem bereits zur Gewohnheit gewordenen Gange zum fürsterzbischöflichen Ordinariat nicht abgethan sein kann. Man sollte doch glauben, daß es überhaupt speciell