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Der Israelit · 1895-06-05 · Heft 44-45 (5.6.1895) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 44-45 (5.6.1895)
Date
1895-06-05
Page
– (sequence 12)
Language
German
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-xxcrxr-. C' r,v ---:.*r~ »-"re^v-/ •..-- ~ 814 bloße Negation, durch ein bloß prssives Verhalten, durch einen Nlchtgenuß, das Andenken an ein Ereignis lebendig erhalten werdend" Wer sollte nicht über diese psychologische Weisheit staunen! Erfahrungsgemäß. wenigstens mir pafftrt das alljährlich, daß ich durch den Nlchtgenuß an den Fasttagen sehr stark an ein Ereignis erinnert werde; vielleicht hat es der Herr Vers, vergessen, wie sehr am 'ö an die Zerstörung Jerusalems erinnert, und wenn wir den guten saftigen Lendenbraten entbehren müssen, oder er nur in zerstückter Gestalt uns zum Genuß gereicht wird, so glaube ich, daß dieses schon ein deutliches Erinnerungs-Merkzeichen ist, und vielleicht noch mehr allen denen, die auch sonst nicht in der Lage wären sich diesen Genuß zu verschaffen. Aus der erwähnten Behauptung des Verf. entwickelt sich nun aber eine Konst quenz, die dafür gesorgt hat, daß der Tragödie nicht das Satyrspiel fehle. Ein passives Verhalten, ein Ntchtgenuß könne nicht das Andenken an ein Ereignis lebendig halten. Nun soll aber die Enthaltung vom Gesäuerten sieben Tage hindurch das Andenken an den Auszug aus Egypten lebendig halten, wie unsere Weisen uns den betreffenden Bibelvers nach der Tradition erklären, das stände aber direct im Widerspruch zur der allgemeinen Behauptung des Vers., und darum, die Konsequenz erfordert es, wird der Verf. rabbintscher als die Rabbiner; es sei eben nicht wahr, daß die Enthaltung des Chomez die Erinnerung an den Auszug lebendig erhalten solle, der Genuß der Mazzah soll es bewirken, und darum sei es nicht wahr, daß man seiner Pflicht genüge, wenn man nur am ersten Abend des PeßachftfteS Mazzah genieße, wie es die Rabbiner lehren, sieben Tagen lang sei es biblische Pflicht Mazzah zu effen. Ich schlage vor, den Herrn zinx -rvnvn zu nennen. (Fortsetzung folgt.) Zeitrmg-nachrichterr und Korrespondenzen. Deutschland. Berlin 4. Juni. Im Alter von 82 Jahren ist vorgestern Dr. Heinrich Friedberg, Justizminister a. D. gestorben. Er war eine ungeheuer schmieg- und biegsame Natur. Mit derselben Schmiegsamkeit, mit der er während der Zeit seines Studiums seinen Glauben abstreifte, wußte er sich jedem System anzupaffen und diese Elastizität war es denn auch, die ihn bis zur höchsten Stufe führte; viel Dank hat er aber auf die Dauer mit seiner Cautschuknatur nicht geerntet. In dem herben Spottworte, daS in den siebziger Jahren in parlamentarischen Kreisen umging: vor dem Arbeitszimmer des Herrn Friedberg befinde sich ein Schild, auf dem zu lesen fei; „Hier werden von 8 Uhr Morgens bis 12 Uhr Nachts Gesetzentwürfe auf Bestellung angeferttgt", lag viel Wahrheit. Auch die äußerste Rechte versagte ihm die Sympathie; für sie war und blieb er der „Jude", der nicht einmal einen einzigen getauften Ahnen aufweisen konnte. Trotz dieser vergeblichen Liebeswerbunz suchte er sich mit dem Antisemitismus, obgleich ihm nicht entgehen konnte, daß dieser es nicht zuletzt auf ihn selbst abgesehen habe, durch Zugeständnisse abzufinden, die auf der einen Seite verletzten, auf der anderen aber als nicht genügend angesehen wurden. Nach dem Tode Kaiser Friedrichs legte man auf seine Dienste keinen Werth mehr und er reichte seinen Abschied ein. Berlin, 4. Juni. Die von Ahlwardt und Böckel gegründete anttsemische Volkspartet hielt am Pfingstsonntag hier ihren ersten Parteitag ab unter Betheiligung von etwa 100 Delegierten aus 29 Wahlkreisen. Auch der frühere Rechtsanwalt und BergaibriterSyndtkus Hryder aus Metz war erschienen und wurde in das Präsidium gewählt. Böckel und Geißler-München sprachen zunächst üb:r die Nothwendigkeit der neuen Partei, die damit begründet wurde, daß die Reformpartet jdie antisemitische Bewegung in das Fahrwasser der Reaktion überleiten wolle und vom Personenkultus durchsetzt sei. In der Judenfrage vertritt das Programm natürlich den Raffen-Antisemitismus. Es zeichnet sich auch darin von anderen seines Gleichen aus, daß versucht worden ist, eine Art Definition des Judenthums zu gkbm Als Juden haben nämlich Diejenigen zu gelten, in deren Abstammung innerhalb der letzten drei Generationen auch nur eine Person jüdischen Blutes nachgewiesen ist. Das Programm verlangt die Ausschließung der Juden und aller Deutschen, die Jüdinnen hetrathen, von allen öffentlichen Aemtern und von den Berufen des Rechtsanwalts-, Aerzte- und Lehrerstandes, so weit sie hierbei mit Deutschen in Berührung kommen, sowie auch aus der deutschen Presse und Armee. Es will die Judeneinwanderung, die Führung deutscher Namen und Firmen, den Erwerb von Grund und Boden verboten wissen und verlangt den Ausschluß der Juden von öffentlichen Lieferungen, Verpachtungen und von Submissionen. Auf dem Gebiete des Unterichts wird die deutsche Schule gefördert. Der Handel mit den nothwendigsteu Lebensmitteln soll vergesellschaftet und die Getreideeinfuhr durch Private verboten werden. Die gemeinfährliche Hochfinanz soll unschädlich gemacht werden, zunächst durch Stellung unter Staatsaufsicht. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wie«, 30. Mat. (Abgeordnetenhaus.) Abg. Ruß interpellirt Namens der liberalen Partei den

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