Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 44-45 (5.6.1895)
- Date
- 1895-06-05
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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815 Minister des Innern wegen des gestrigen antisemitischen Excesses nach der Bürgermeisterwahl und der thätlichen Insulten des Abg. Noske und fragt: Wie gedenkt die Regierung die Pflichtversäumuiß der Sicherheitsorgane zu rechtfertigen und wenigstens für die Zukunft die Wiederkehr derartiger höchst bedenklicher Ausschreitungen zu verhüten? Wie», 30. Mai. Der Wiener Gemeinderath wurde heute von der Regierung aufgelöst. Das Dekret wurde soeben zugestellt. Zum Regterungskommtffär wurde der Statthalteretrath Friede iß ernannt, welchem ein Beirath von 15 Vertrauensmännern beider Parteien des Gemeinderathes betgegeben wird. Dr. Lueger befindet sich nicht unter denselben. Die Auflösung wurde nach den gestrigen Exzessen im gestrigen Mtntsterrathe beschlossen, der bis Mitternacht dauerte. Heute Vormittag berichtete Fürst Windischgrätz darüber dem Kaiser, welcher die Auflösung genehmigte. Graz. 4. Juni. Bet Besichtigung des neuen Gemeinderathssaales sagte der Kaiser zum Bürgermeister : „Ich hoffe, Sie werden sich nicht am Wiener Gemeinderath ein Beispiel nehmen; da sind sehr traurige Zustände." Der Bürgermeister antwortete: „Nem, gewiß nicht!" Lemberg, 24. Mai. Der Delegirte der galizischen Statthalterei, Hofrath Gras Los, ist in Saybusch eingetroffen, um Erhebungen in der Affaire des aus dem Weichbilde von Saybusch gewaltsam hinausgedrängten jüdischen Advocaturs- Conc'ptenten Dr. Leser durchzusüyren. Die Einwohner von Saybusch legten dem Statthalterei- Delegirten ein aus dem Stadtarchiv hervorgeholtes Document vom Mai 1809 vor, wonach von der Bezirkshauptmannschaft in Myslenice ein gegen den israelitischen Insassen Schönthal gerichtetes Bannverbot mit dem Bemerken bestätigt wurde, daß es Juden nicht gestattet sei, sich in Saybusch niederzulassen. Die Erhebungen des Grafen Los werden als Substrat zur Beantwortung der von den Abgeordneten Kronawetter und Pernerstorfer im Reichsrathe eingebrachten Interpellation dienen. Rußland. Brest Litewsk.;vd icnn bw p*»y. Alle Tage beginnen sich die Folgen des uns betroffenen entsetzlichen Unglücks mehr fühlbar zu machen. Wir wohnen hier in großen hölzernen Hallen, in sogenannten d’jeh hv HDD hunderte von Familien neben einander gelagert. Von Hunger, Durst und Hitze werden wir fortwährend auf das Schrecklichste geplagt und wenn nicht das Wohlthätigkeitskomitee das uns des Oefteren mit Speise und Trank versorgt und an deffen Spitze Fürst Schtschkowskt, Bürgermeister Simenhoff und der Geistliche Gre- > gorowitsch Mazewitsch und unser Rabbiner stehen, auf das Unermüdlichste thättg wäre, wir wären längst erlegen. Großen unendlichen Dank schulden wir unseru Brüdern in Warschau welche fortwährend Gelder für uns sammeln, die Redaction deS Warschauer Courirs hat allein innerhalb 8 Tagen 15000 Rubel gesammelt; aber was will das für 20000 unglückliche Obdachlose heißen, denen es am Röthigsten gebricht. Es ist ein Jammer die tausende kleiner Kinder um Brot schreien zu sehen, ohne daß man ihnen helfen kann. Deshalb bitten wir auch uns. Brüder in Deutschland und namentlich die geehrten Herren Rabbinen deren Güte und wohlthätiger Sinn sich schon so oft gegen uns bewährt haben, Sammlungen einzuleiten und die milden Gaben schnellstens hierher zu senden. Den Abgebrannten wurde von der Regierung die Erlaubniß ertheilt, 8 Tage lang auf sämmtltchen Eisenbahnen Rußlands kostenlos fahren und 2 Pud Gepäck gratis mitnehmen zu dürfen, damit dieselben zu ihren Verwandten reisen, oder sich sonst auf irgend eine Weise Hilfe verschaffen können. Wir haben eine Eingabe gemacht damit diese Frist auf 3 Wochen verlängert wird. In den Theatern und Festhäusern der russischen Städte finden Wohlthätigkeitsvorstellungen für uns statt. (Auch wir bitten wiederholt der armen Abgebrannten zu gedenken es ist bei uns noch äußerst wenig bis jetzt für diesen Zweck eingegangen. Red.) Vermischtes. Bromberg, 10. Mai. Der 72 Jahre alte Händler Rittler in Rosenberg hatte dem Vorbeter am 25. Jan. d. I. nach Vorlesung eines Thoraabschnittes, auf welchen ein bestimmtes Gebet „Kadisch" folgen muß, bei Weglassung desselben zugernfen: Kadisch! Kadisch! Hierin sollte eine Störung des Gottesdienstes gelegen haben. Rittler behauptete, zu diesem Zuruf berechtigt und verpflichtet gewesen zu sein. Der Vorbeter giebt zu, daß er sich in der Reihenfolge der Gebete geirrt haben könne, und der Vorsteher der Gemeinde bekundete, daß schon früher Zurufe wiederh. lt erfolgt sind. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft erfolgte vor der Strafkammer die Freisprechung des Rittler. Briefkaste» der Nedaetio«. Herrn E Niwel in Karlsruhe. Sie haben Recht. Wir haben bei dem Verfasser seinen Mangel an geographischen Kenntnissen gerügt. Uns selbst entging des LapsuS im Drange der vor den Feiertagen sich häufenden Geschäfte. Bad Harzbarg. ")EO Restaur. Pensionshaus. 186a Billa Coueordia, Bergstr. a. Walde. Unter Aussicht Sr. Ehrwürden d. Herrn Rabb. Dr. Auerbach, Halberstabt. Eleg. Zimmereinrichtung. Neue Betten. Luftiger Speisesaal. Vorzügl. Verpflegung. Jeden Sonnabend Gottesdienst. Hax Hecht.