Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1895-06-05 · Heft 44-45 (5.6.1895) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 44-45 (5.6.1895)
Date
1895-06-05
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2448559-2448601--40846-2489777
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

SOS vereiteln, der in reichem Maße Werke der Nächstenliebe übte, Böses mit Gutem vergalt, und der trotz der Last seines verantwortungsvollen Amtes noch Zeit fand, die Dichtkunst zu pflegen, in welcher er Ausgezeichnetes leistete. Der rauschende Beifall, welcher dem Redner zuthetl wurde, zeigte, wie sehr das hiesige Publikum einen solchen Vortrag zu würdigen weiß. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien, 20. Mat. (Die Hetzpredtgten des Pfarrers Deckert.) In der Samstags Abends in Khuner's Restaurant am Schottenrtng stattgehabten Versammlung des Politischen Volksvercins in Wien besprach der Vereinsobmann Dr. Hermann Fiala die gegenwärtige politische Lage, welche durch das Anwachsen der reaetionären Elemente charakterisirt werde. Zahlreiche Anzeichen der letzten ZKt weisen darauf hin, daß die Staatsgrundgesetze nur auf dem Papiere stehen, und eine Interpellations-Beantwortung seitens der Regierung habe gezeigt, daß man die Aufstellung von gewissen Erfordernissen für das Staatsamt noch nicht als einen Widerspruch mit den Staatsgrundgesetzen auffaßt. Die von der Regierung dem Antisemitismus bewiesene Duldung sei kein Zeichen der Gleichberechtigung. Antisemitische Siegesfeste werden in großen Placaten an allen Straßen angekündigt, und was sich in Wien noch als Beschimpfung und Verhetzung darstellt, das ist in Sahbusch in Galizien in die Dhat übersetzt worden. Dr. Fiala bespricht sodann die Hetzpredigten des Pfarrers Deckert, die diesmal noch rücksichtsloser und aggressiver waren als im Vorjahre. Wenn Decket seine „Conferenzpredigten" mit dem Satze schließt: „Herbei mit dem Scheiterhaufen! Verbrennt diese Juden zur Ehre Gottes und der Kirche! Amen!", dann wisse man nicht, wo eigentlich die Grenze des Erlaubten sei. Redner hofft schließlich, daß trotz aller trüben Anzeichen die Grundsätze der Wahrheit und Gerechtigkeit den Steg davontragen werden. (Lebhafter Beifall.) — Dr. Spitzer meint, daß man gegen den Pfarrer Deckert auch die kirchliche Oberbehörde um Schutz anrufen müsse. Er beantragt eine^Resolution, durch welche „die Versammlung des einen ansehnlichen Theil der österreichischen Staatsbürger israelitischen Glaubens in Wien vertretenden Politischen Volks- Vereins" die Entsendung des Vereins-Präsidiums als Deputation an den Cardinal Fürst-Erzbischof Dr. Anton Gruscha beschließt, um vom Cardinal in einem persönlichen Appell an deffen erhabenes, zugleich die kirchliche Oberbehörde darstellendes Kirchenamt, sowie an dessen notorische Gerechtigkeitsliebe und stets bewährte, wahrhaft priesterltche Humanität Schutz zu erbitten gegen diese, mittelst des dreifachen Mißbrauches des Priesteramtes, der Kanzel und der Gläubigkeit der Zuhörer in ihrer Gefährlichkeit maßlos gesteigerten Angriffe, durch welche Glaube, Friede und Sitte ebenso bedroht, als die österreichische Judenschaft in ihren heiligsten Gefühlen der Religion und Ehre verletzt wird." Es entspann sich hierüber eine lebhafte Debatte; einerseits wurde hervorgehoben, man solle nicht um Gnade bitten und Schutz nicht beim Kirchenvater, sondern beim Landesvater durch Entsendung einer Deputation an den Kaiser suchen. Von anderer Seite wurde geltend gemacht, es werde jedenfalls von Bedeutung sein, die Haltung des Fücst-Eczbischofs in dieser Frage kennen zu lernen. Schließlich wurde die Resolution mit allen gegen acht Stimmen angenommen. Vermischtes. „Judengegner." Als solche haben sich bei der Ersatzwahl in Köln die Antisemiten in ihrer Bezeichnung verdeutscht. In dem betreffenden Flugblatt wird unter anderem die Reichsbank als ein „Judeninstitut" bezeichnet, welches in eine Staatsanstalt umgewandelt werden müßte. flfetttlleton. David Sperer. Historischer Nomon aus der Zeit des dreißigjährigen Krieges von S. Kohtt, Verfasser von „Gabriel". Jeder unbefugte Nachdruck wird mit aller Strenge verfolgt werden. NebersetzungSrechte in fremde Sprachen Vorbehalten. 5.) Nach dem Rabbi betrat ein hochgewachsener Mann das Kabinet, es war dies Josua Wedeles, der Vorsteher des Armenkinderlehrhauses. „Ich weiß, Ihr seid stets beschäftigt, Herr Primator," eröffnete dieser das Gespräch „und will mich daher kurz fassen. Der Gemore-Melamed*) Reb Gumprecht Eidlitz ist plötzlich erkrankt. Wir hoffen, daß er mit Gottes Hilfe genesen wird, aber die Krankheit wird ihn, wie der Arzt sagt, auch im günstigstell Falle vierzehn Tage ans Bett fesseln; so lange können die Schüler nicht ohne Lehrer bleiben. Wer soll ihn vertreten?" „Könnte mail nicht einen Lehrer der Unterklassen hierzu verwenden?" „Nein, Herr Primator, alle sind vollauf beschäftigt." „Die Vorsteher können, wclln es sich nur um eilte zeitweilige Vertretung handelt, wen sie wollen, bestellen", meinte Brandeis und an denr verdrießlichen Zuge, der sein Gesicht überflog, war es erkennbar, daß ihm die unnöthige Störung lästig siel, „nur bei dauernden *) Talmudlehrer.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.