Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1895-05-28 · Heft 42-43 (28.5.1895) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 42-43 (28.5.1895)
Date
1895-05-28
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2448559-2448600--40825-2489755
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Ueberwurf, 1000 Jahre später trägt der Vornehme als Oberkleid spiralförmig um den Leib geschlungene Streifen Tuch mit darein gewirkten Mustern, mit Fransen versehen. Zwei verschiedenfarbige Shawls wurden am Halse befestigt und dann so in- und Übereinandergeschlungen, daß die Lagen abwechselten. Müller meint darin das Gewand rbnw sehen zu sollen, in einem gelben Hemd mit engen Aermeln glaubt er den mm zu erkennen. Der Asiate wird wenig mit ®olb und Silber behängt dargestellt, bie Fußbekleidung besteht in rothen Lederschuhen. .. Wir müssen es uns versagen, aus der ungeheuren Fülle, die das Buch bietet, noch weiter zu schöpfen. Wir hoffen, daß e8 uns gelungen ist, einen schmalen Begriff von dem reichen Inhalt zu geben und das Jntereffe zur persönlichen Bekanntschaft mit dem Buch angeregt zu haben. Wir bezweifeln nicht, daß jeder, der es zur Hand nimmt, lebhafte Anregung und große Mehrung seines Wissens ihm danken, aber auch gegen manche Aeußerungen und Partteen entschiedenen Protest als hu? erheben wird. — Zeitungsnachrichten «ud Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 27. Mai .(ttrx3 >v). Alljährlich wenn die Tage des Glanzmonates herannahen, erschallen aus dem benachbarten CzarenReiche die Klagen derjenigen unserer Mitbrüder, deren Hab und Gut durch Feuer zerstört wurde. Die meisten Wohnstätten unsere russischen Glaubensgenossen bestehen ja nur aus armseligen, hölzernen Hütten, bei welchen die Feuersgefahr hundertmal größer ist als bei aus Stein erbauten Häusern. Diesmal ist es leider ein ganz besonders großes Unglück, das wir den geehrten Lesern des „Israelit" zu melden haben, ein Unglück, bei welchem nicht nur die Habe von vielen Tausenden verloren ging, sondern bei welchem auch viele Menschenleben zu beklagen sind. Die ganze Stadt Brest Litowsk, bet den Juden unter dem Namen Brisk Dlitte bekannt, ist nämlich am 16. und 17. dss. Monats durch eine Feuersbrunst zerstört wordep. Am meisten haben die Juden, welche 78 pCt. der Bevölkerung ausmachen, gelitten. Das Feuer brach in einer Badestube aus, und da ein sehr heftiger Wind wehte, verbreitete das Feuer sich mit rasender Geschwindigkeit über die meist aus Holz gebauten Häuser. Angeblich sind 1600 Häuser zerstört und 25.000 Personen all ihrer Habe beraubt. Die Luft war so heiß, daß man sich unmöglich auf der Straße aufhalten konnte. Von den Habseligkeiten der Bewohner und vom Inhalte der Buden ist äußerst wenig gerettet, und auch dieses Wenige wurde zum großen Theil ein Opfer der Diebe, die nicht nur von allen Enden der Stadt, sondern selbst aus den benachbarten Orten gierig zum Brandplatze herbeigeeilt waren. Die Feuerwehr, die nur 20 eingetrocknete Waffertonnen besaß, war ganz machtlos. Auch die Truppen konnten wegen des Wassermangels nichts ausrtchten. Die Zahl der Leichen bei der Brandkatastrophe in Brest-Lttowsk beträgt 42 Personen; 109 Personen trugen schwere oder leichte Brandwunden davon, und ein kleiner Theil der Abgebrannten konnte in den Festungs-Kasernen untergebracht werden. Die große Masse kampirt unter freiem Himmel. Es mangelt an Nahrungsmitteln. Drei Juden, welche die Thorarollen aus der brennenden Synagoge retten wollten, haben ffE» noiD gewesen und sind in derselben, nachdem sie die Rollen aus den Fenstern geworfen hatten, verbrannt. .Ein Melamed (Kinderlehrer), der in einem Cheder (Kinderschule) zehn Kinder unterrichtete, entfernte sich bei Ausbruch des Brandes aus der Schule, schloß das Schulzimmer ab und bat die Kinder nur recht ruhig zu sein, bis er zurück käme. Der Lehrer verbrannte auf der Straße und die Kinder erlitten in ihrer Klasse den Feuertod. Zehn Eltern jammern um den Verlust ihrer jungen Söhne. Mütter, die ihre Kinder suchten, seien nach anderen Berichten, mit denselben verbrannt; es seien ungefähr 15,000 Juden und 5000 Christen obdachlos. Die Militärbehörde habe in zuvorkommender Weise die vor der Stadt befindlichen Zelte und Baracken den im Felde umherirrenden Unglücklichen zur Verfügung gestellt, nachdem sie die Mannschaften in die in der Stadt belegenen Kasernen zurückbeordert hatte. Auch die städtischen und staatlichen Behörden ließen es an Theilnahme nicht fehlen. Auf den freien Plätzen wurden Küchen und Buden errichtet, in welchen die Christen Fletsch und Brod, die Juden Brod mit Hering erhalten. In allen großen jüdischen Gemeinden Rußlands haben sich Comites zur Unterstützung der Armen gebildet. Wir sind selbstredend gerne bereit Gaben in Empfang zu nehmen und an das HauplcomitL in Warschau weiterzubefördern. Frankreich. Paris, 25. Mai. (Kammer.) Denis an die Absetzung des Vizeschatzmeisters Jsaie Levaillants anknüpfend, hält eine große Rede über den Einfluß der Juden in Frankreich. Denis, der seine Rede verliest, macht jedoch keinen Eindruck auf die Kammer. Redner schuldigt die deutschen Juden an, daß sie in Frankreich eine Demoralisirung-Champagne unternehmen. Wenn die Juden nichts Anderes zu verkaufen haben, verkaufen sie das Vaterland, wie Dreyfus. Denis bespricht dann die Lage in Algier, das durch die Juden ruinirt werde; er zitirt Ziffern, um die Zahl der jüdischen Beamten in Frankreich festzustellen, besonders an der Ostgrenze solle man

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.