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Der Israelit · 1895-05-28 · Heft 42-43 (28.5.1895) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 42-43 (28.5.1895)
Date
1895-05-28
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXXVI, Jahrgang. Erste Dell. M M 42 & 43 des „Israelit". Leitender Artikel. Aus W. Müllers,.Asten u. Europa/)" Bereits im vorigen Jahre wurde dieses hochinteressante Buch hier zur Anzeige gebracht. Wir bemerkten damals, daß wir vieles darin, als unserer heiligen Tradition zuwiderlaufend, prinzipiell verwerfen, nichtsdestoweniger bleibt dann noch eine solche Masse von Werthvollem, daß es sich wohl lohnt, eine kleine Auslese daraus einem größeren Leserkreis zugänglich zu machen. In erschöpfendem Umfang werden die Denkmäler und Papyrusrollen, die das alte Egypten uns lebendig machen, zur Darstellung der Völkerbeziehungen in längstvergangener Zeit benutzt. Die asiatischen Länder sind es natürlich vor allem, die hier in Betracht kommen, doch selbst nach Europa hinüber fallen Streiflichter aus dieser alten Literatur, und so sagt Georg Ebers mit Recht in feiner bevorwortenden Einführung des Buches, daß die Alterthumsforscher und Bibelerklärer mit der gleichen Theilnahme wie die Egyptologen dieses Werk begrüßen dürfen. Einen hervorragenden Raum nimmt in diesem Buche „Palästina" ein. Bon großem Interesse ist es da vor allem, wie die alten Egypter sich bemühen mit ihrer schwerfälligen und umständlichen Schrift die Laute der hebräischen Sprache wiederzugeben, sogar die Vokale der hebräischen Wörter suchen sie anzudeuten. Denn in der That sind hebräische Wörter in großer Anzahl von dem Egyptischen ausgenommen worden, was bet dem langen Aufenthalt der Juden in Egypten und bei den späteren intimen Beziehungen weiter nicht Wunder nimmt. Das eröffnet uns aber einen Ausblick über die culturellen Verhältnisse. Wir sehen, was die Egypter von öen Israeliten lernen müssen, und was Palästina nach Egypten importirt. Der Kriegs- Wagen und seine Ausrüstungsstücke, militärische Titel und Bezeichnungen, Festungsanlagen, Vteh- und Mehlsorten, Haar- und Räucherpräparate, Musikinstrumente und noch vieles andere ist aus Palästina eingesührt. Da lernen wir auch manches Wort in einer Anwendung kennen, die es im fjn nicht hat, so wird rorp für niViy gebraucht, auch manche unbekannte Form tritt uns entgegen, so der geogr. Name n'byn (Dual!), rmo, nach dem dabeistehenden Bild ein Säulengang, vgl. p-nDD (Nicht 3, 23). Jedoch darf nicht mehr, wie dies bisher vielfach angenommen wurde, der allgemeine Name der Asiaten bet den Eghptern Amu mit dem hebräischen Dy Volk in Beziehung gesetzt werden, vielmehr geht er auf den merkwürdig gekrümmten Bumerrang zurück, den die Asiaten als Waffe tragen; es heißt ’ajm und die Asiaten nach ihm Ajmin „Die Bumerangwerfer." Was die geogr. Benennung Palästinas betrifft, so wird vereinzelt der Süden au genannt, doch die allgemein verbreitete Bezeichnung ist Charu; die Ethymologte des Wortes ist noch zu geben. Berühmt ist bei den Egyptern neben anderen (s. o.) der „hochfeine Wein," die Feigen, das Getreide, das Oel, die aus Charu eingeführt werden. Doch nicht bloß Namen Palästinas, auch eine sehr beträchtliche Anzahl von pälästintschen Städten wird in den Texten erwähnt. Vor allem haben wir diese Ueberlieferung der Ruhmredigkeit der egyptischen Könige zu danken, die auf ihren Inschriften nicht genug von ihren Eroberungen zu erzählen wissen und es dann bei der Aufzählung der eroberten Orte mit der Wahrheit und Zuverlässigkeit allerdings nicht so genau nehmen. Die Liste des Königs Thutmosts III. gibt 118 Namen, da ist ferner die Liste des Königs Ramses N. und der Bericht des Königs pr» über seinen 1 Kön. 14,25 mitgetheilten Kriegszug und endlich die mit geographischem und fremdsprachlichem Wissen prunkende Reisebefchreibung eines egyptischen Beamte». Ein großes Material palästinischer Städtenamen liegt hier gehäuft, einen Theil davon hat früher bereits Brugsch und neuerdings jetzt Müller mit den biblischen Angaben verglichen, doch bleibt hier noch viel zu thun. Den schreiben die Aegypter (ohne Vokala) L-m-n-n, und sie stellen im Bilde die Fürsten dieses Gebietes dar, wie sie Nadelholzbäume für Sethos I. fällen. Die Auseinandersetzungen Müllers über das, was sich aus den Texten über iyw, vin, die Ethnographie Palästinas ergiebt, sind sehr bemerkenSwerth, doch vielfach nicht einwandsfret. Mit besonderem Interesse liest man, was Müller zur Kulturgeschichte der Semiten, über ihre Kleidung, ihren körperlichen Habitus u. dgl. aus den Denkmälern zusammenträgt. Die Bilder zeigen eine gewisse Fülle des Körpers, die Nase ist von deutlicher Schärfe, die Haut hellgelb, die Augen, aber nur ausnahmsweise, blau, der starke und volle Bart schwarz oder (jedoch jedenfalls in unberechtigter Generalisierung vereinzelter Fälle) hellroth und blond. Das schwarze Haar tragen die Leute aus Charu halblang. Die Tracht ist auf den ältesten Bildern ein sackartiger *) Leipzig. W. Engelmann 1833.

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