Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 42-43 (28.5.1895)
- Date
- 1895-05-28
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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790 nutzlos Zeit verloren sondern auch Mltzlos große Reisekosten gehabt." „Allerdings muß ich meine Genehmigung verweigern" erwiederte der Primator.„Wie viel hofft Ihr hier in Prag zusammenzubringen V‘ „Das kann Euch, Herr Primator," antwortete Polack bitter, „da wir hier nicht sammeln dürfen, wohl gleichgültig sein;" dann nach kurzer Panse fügte er hinzu „verzeiht mir die unhöfliche Antwort, die mir getäuschte Hoffnung erpreßte.Wir hatten erwartet hier zweihundert Gulden zu erbalten. . . ." „Hundert Gulden will ich zu Fein Aufbau eueres zerstörten Gotteshauses aus meinem Eigenen spenden, und werde auch niit meinem lieben Schwager und Handlungsgesellschafter Reb Hillel Utiz sprechen, er ist ein reicher Mann und von einer Frömmigkeit imb Wohlthätigkeit, die ihres Gleichen sucht' er wird nicht weniger geben als ich und Ihr werdet die zweihundert Gulden, die Ihr erhofft, rascher und leichter erlangen, als durch eine Sammlung. Dagegen fordere ich von Euch, daß Niemand weiter in unserer schwer belasteten Gemeinde um einen Betrag angegangen werde. Da es in der gegenwärtigen Zeit gefährlich ist mit einer größeren Summe in Böbmen zu reisen, werde ich Euch die zweihundert Gulden, in der Residenz, die Ihr bei Eurer Heimkehr pafsiren müßt, anweisen." „Gott lohne Euch Eure Großnultb, Herr Primator" rief der Rabbi „und segne Euch und Euer Haus. Wir, mein Begleiter und ich werden schon morgen, nachdem wir die Altneuschul besucht iuit> in dieser und auf den Gräbern der frommen Männer, die ans eurem alten Friedhofe ruhen, gebetet haben werden, Prag verlassen." „Das sollt ihr nicht thun," meinte der Primator; „Ihr habt ja gewünscht in unserer Altneuschul eine Droscho zu halten. Am nächsten Sabbath ist dies, wie ich schon gesagt habe, unmöglich; aber es kann dies ja auch an einem Wochentage zwischen Mincha und Mariw^) gesehen. Ihr werdet ja gewiß unseren gelehrten Ras besuchen, dieser hat die Befugniß, Euch hierztl die Zustimmung 31t ertheilen. Ich bin überzeugt, daß er dies gern gestatten wird. Wo habt Ihr Quartier genommen?" „Bei dein Gastwirth Reb Mosche Günsburg in der Breilegasse." „Ich würde Euch gebeten habet!, während Eures hiesigeil Aufenthaltes bei mir zu wohnen, allein ich habe schon einen Gast, eben den fremden Ras, der am Samstag in der Altneuschnl darschenen") soll. Hat Ulan zwei solche liebe, vornehme Gäste, dann kann man keinen von Beiden jene volle Aufmerksamkeit schenken, die er verdient - 'Drum muf) ich ans die Ehre verzichten; doch glaube ich gewiß, daß mein Schwager "lieb Hillel Iltis, sobald er Eure Anwesenheit erfährt, um die Ehre werben wird, Euch Rabbi als Gast bei sich zu sehen. Er ist ein großer Lamden, Vorsteher der Altneusunagogc, des Beschneidungsgretninms llnd der Beerdigungsbrüderschaft." „Wodurch Hab' ich so große Huld verdient, daß du mich so gnädig ansnimmst, ich bin dir doch ein Fremder," erwiederte der Rabbi mit dem Spruche Ruths15) im Urterte mit der hierbei nothwendigen Veränderung. Der Primator erhob sich von seinen! Sitze und verbeugte sich leicht, um anzndenten, daß die Unterredung beendet sei. (Fortsetzung folgt.) ly) dem Abendgebete. |4) predigen. *5) Ruth Cap. 2 V. 10. Der „3 * r a e U t" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstag-, jedesmal in mindestenzwei Bogen. Preist de- Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für's Ausland 16 Reichs-Mark. Man aboanirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch Heu Ouchhaudel pt besiehe» bei T. $. Steinurbrr, Leipzig, Doßptah 16. — Inserate 25 Pfennig die viergespaltene Petltzetle oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut EourS. — Direkte Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 ReichS-Mark oder 8 fl. österr., für'S Ausland l6 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Ei»e NAckfendmeg *»« a« die Redaktion etugesandte« Manuskripte« findet nicht statt, «an bittet deshalb fich von allen Einsendungen eine Copie znrückznbehalte«. Inhalt sSauptblatt): Leitender Artikel: Das Schabuothstft und die Talmubprocrsse. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Kolberg. Schwedt a. O. Köln. Straßburg. — Vermischtes. — Feuilleton: David Speter. Historischer Roman aus der Zeit des dreißigjährigen Krieges. Von S. Kohn, Verfasser von „Gabriel". Inhalt der ersten Beilage: Leitender Artikel: Aus W. Müllers „Asien u. Europa". — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Mainz. — Frankreich: Paris. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. Inhalt der zweite« Beilage: Zeitungsnachrichten und Eorrespondenzen: Deutschland: Berlin. — Vermischtes. — Sprechsaal. Inhalt der belletrist. Beilage: Der Podriatschik. E n Bild aus dem Leben der Juden in Rußland. Verantwortliche Redaktion: OScar Lehmann in Mainz. — Expedition deS „JSraelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hosbuchdruckerei-Actten-Gesellschaft in Mainz. Hierz« drei Beilagen