Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1895-05-28 · Heft 42-43 (28.5.1895) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 42-43 (28.5.1895)
Date
1895-05-28
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2448559-2448600--40820-2489750
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

787 geschmackvolle Ausdrucksweise ist gleichfalls gehässige Entstellung) als den Gesetzgeber für seine Zeit- Verhältnisse hinstellte." Auf die übrigen tendenziös zugespitzten Äußerungen des Einsenders halte ich es unter meiner Würde näher einzugehen. Rabb. Dr. Sandler. (Wir müssen es unserem Gewährsmanne überlassen, sich zu dieser Sache zu äußern. Red. d. Jsr.) Kölrr, 21. Mai. (Verein der Rabb. und jüd. Lehrer in Rheinland und Westfalen.) Wir richten an die Herren Lehrer die dringende Bitte, die noch rückständigen Fragebogen möglichst bald an uns gelangen zu lassen. Am gleichen Tage, wie die erste Conferenz des Vereinsbezirks Köln, tagte zu Düsseldorf im Hotel Frank die konstituierende Conferenz des Bezirks Düsseldorf. Herr Löbenstein-Düsseldorf wurde zum Vorsteher des Bezirks, Herr Abraham- Kettwig zum stellvertretenden Vorsteher und Schriftführer gewählt. Die nächste Bezirkskonferenz soll am Mittwoch den 25. Juli im Schullokal der Synagogengemetnde Düsseldorf stallfinden (Vilkerstr. 25). Der Beginn wird aus 4 Uhr Nachmittags festgesetzt. In derselben wird mit den Schülern der II. Knabenklasse der Religionsschule zu D. aus dem Gebiet des biblischen Geschichtsunterrichts eine Lehrprobe gehalten werden. Als überaus charakteristisch für die Lage des jüdischen Lehrerftandes theilen wir den Schlußbericht der von einem Elementarlehrer geführten Schulchronik mit. Am 1. Januar 1895 gab ich die hiesige Lehrer¬ und Cantorstelle auf, nachdem ich dieselbe genau 8 Jahre versehen hatte. Wie mein Vorgänger Herr B., so wechsele auch ich meinen Beruf, weil der jüdische Lehrcrstand zum größten Theil seinen Mitgliedern leider keine sorgenfreie Zukunft gewährt, wie das bei den christlichen Collegen wohl der Fall ist." In der fraglichen Gemeinde, die 900 M. Gehalt zahlt und auch wohl kaum mehr zahlen kann, (sie besteht aus 10 Familien) sind im Ganzen nicht weniger als 6 Lehrer Kavfleute geworden. B. Stratzburg, Elsaß. In den nächsten Tagen sollen die Consistortalwahlen stattfinden, welche alle acht Jahre zu vollziehen sind. Dieselben werden auch dieses mal mit derselben Schläfrigkeit vollzogen werden, die für alle unsere jüdischen Anliegen hierzulande gang und gäbe ist. Eine Ausnahme findet dieses mal insofern statt, als man auch einen orthodoxen Kandidaten aufgestellt hat; Herrn J ules Klein/Sohn des früheren Oberrabbiner S. Klein in Colmar. Ob diese Candidatur von Erfolg sein dürfte, darüber bin ich nicht in der Lage eine Ansicht äußern zu können. Aber nehmen wir selbst den günstigsten Fall an, so wird dieser Candidat das Schicksal einer Schwalbe theilen, die allein keinen Sommer bringt. Die Schäden liegen bei uns so tief, daß sie durch Wahlen, daß sie durch de« ganzen Conststortal- Apparat und was darum und dran hängt, nicht berührt, geschweige denn gebessert werden können. In hiesigen politischen Blättern und auch in einem Berliner Rcformjuden-Blalt sind im Hinblick auf die bevorstehenden Wahlen die jüdischen Zustände in den Reichslanden wiederholt in den jüngsten Wochen zur Sprache gebracht worden. Aber man hat hier für alle diese Dinge ein schlechtes argwöhnisches Auge, das sofort je den Vogel und Zeitungsschreiber an der Feder erkennt. Sobald man heraus wittert, daß es ein Altdeutscher ist. der jüdische Anliegen vor das Forum der öffentlichen Meinung durch politische Blätter zerrt, wird man mißtrauisch, und nicht ganz mit Unrecht. Diese Art und Weise jüdische Gemeinde-Angelegenheiten zu behandeln, ist dem gesunden Sinn der jüdischen Bevölkerung in Elsaß noch m hr zuwider als die Mißstände, welche durch diese Anregungen beseitigt werden sollen. Man soll zwar die Wahrheit von jedem annehmen, aber die große Masse zweifelt an der Lauterkeit der Wahrhe t, wenn sie durch einen Altdeutschen verkündet wird. Diese erblickt dann hinter diesen HeileSverkündungen eine starke Dosis Wichtigmacherei, Streberthum und noch einige andere Liebenswürdigkeiten, die nicht geeignet sind für Berather dieses Schlags Sympathien zu erwecken. Die allgemeine Abneigung geht darin oft zu weit und schüttet nur zu leicht das Kind mit dem Bade aus. Aber wie die Dinge nun einmal liegen, muß Jemand, der wirklich rathend und helfend hier seinen Einfluß geltend machte, mit diesen Zuständen rechnen. Hier stößt aber der ganze Ton dieser öffentlichen Publikationen diejenigen ab. auf welche sie gemünzt sind. In der „Straßburger Post" hat vor einiger Zeit ein Anonymus die wirklichen und vermeintlichen Mängel und Mißstände öffentlich zur Sprache gebracht. Dem anonymen Beschwerdeführer hat's zunächst die Verkeilung der Gemeinde- Umlagen angethan und dann findet er auch eine Reihe anderer weniger materieller Punkte der Verbesserung fähig, die aber alle den Kern der Sache nicht berühren. Als ultima ratio, als erstes und letztes Mittel allen Misörerr abzubelfen, wird da empfohlen, „eine Petition an die Regierung zu richten. st e m ö g e sä m mtliche heute nicht mehr zeitgemäße Bestimmungen' Aufheben und die jüdischen Verhältnisse für Elsaß-Lothringen nach den jetzt im

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.