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Der Israelit · 1895-05-28 · Heft 42-43 (28.5.1895) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 42-43 (28.5.1895)
Date
1895-05-28
Page
– (sequence 4)
Language
German
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786 welche die Mitglieder dieses Vereins für den Talmud erfüllt. Sind solche Freunde nicht gefährlicher als erklärte, offene, nichtjüdisch Antisemiten? Kommt einem diese Proceßkrämerei das ganze Jahr kleinlich, gefährlich, widerlich vor, was soll man erst Angesichts des flammenden Sinai darüber denken, an den uns das herannahende Schabuothfest im Geiste führt und das Gedächtniß an die Stunde weckt, in welcher uns von Gottes Rechte fein Feuergesetz gereicht wurde? 1^ NI «« u’d’ö. Dieses Feuergesetz ist der -ntf>n, den totr auch äußerlich in den Buchstaben io^> m wiederfinden. Reichen der Schmutz und die Steine der Talmudverlästerer wirklich in die lichte Höhe, aus welcher Gottes Rechte und daS Gesetz unseres Lebens reicht? Wenn eS Gottes Hand ist, welche die Norm des Rechts hoch über dem Getriebe seiner Verächter hält, dürfen dann nicht alle zu diesem Gott Vertrauen haben??nj>ÖN WW D'J’DND ^>31 ÖSffD rnv T3 iniNTI Daß dieses Gesetz auf den Haß der Verblendeten, Leichtsinnigen und Schlechten stoßen werde, diese Stnuah (rtor) finden die Weisen schon im Sinai, in dem Namen ausgesprochen, den die Stätte der Offenbarung trägt, dvbv 'j-d id» mpj hd^> nw* nm\ Ebenso sicher ist es uns aber auch verbrieft, daß dieses Gesetz den Haß in siegreichem Fortschritt überwinden werde und zwar nicht durch Hilfe deS Staatsanwalts und der Gerichte, sondern durch feine treue E.ffüllung und durch das leuchtende Beispiel, das in der Verwirklichung dieses Gesetzes aus dem Leben gerade des geschmähten Talmudjuden erblüht. Dieses Gesetz wird den verfehmten Namen Jude wieder zu Ehren bringen, den manche gern durch Betonung ihres deutschen Staatsbürgerthums verschleiern möchten, und nicht an einen deutschen Staatsbürger jüdische» Glaubens, sondern an den ff’K *)», an jeden Kleidzipfel eines jüdischen Mannes, werden sich alle Völker und Sprachen mit der Bitte um Kunde und Belehrung für dieses Gesetz einst klammern. Aeit»rrgS»achrtchte« rr»d Corresporrderrze«. Deutschland. Kolberg, 17. Mai. Gegen mehrere Artikel der „Kolberger Volkszeitung" antisemitischen Inhalts hatten sich eine Anzahl hiesiger christlicher Bürger an die Badedirection beschwerdefnhrend gewandt. Diese hat das Schreiben an den Magistrat abgegeben. Gestern ist nun folgende Antwort eingegangen, die von dem Adressaten gütigst zur Verfügung gestellt wird: Auf Ihr an die Badedirection gerichtetes, von derselben an uns abgegebenes Schreiben erwiedern wir ergebenst: Die hiesige Volkszeitung ist seit Jahren ein sehr antisemitisches Blatt. Die Ihrem Schreiben beigefügten Artikel aus der Zeitung sind allerdings ärgerer Art, als es gewöhnlich die in der Zeitung gegen das Judenthum gerichteten Auslassungen sind. Wir bedauern mit Ihnen, daß gerade in Kolberg derartige ungerechtfertigte, gegen die Juden ganz allgemein gerichtete Angriffe geschehen. Unsere jüdischen Mitbürger geben dazu keine Veranlassung. Sie sind im ganzen ebenso gute Staats- und Stadtbürger, als die Mitglieder anderer Religionsgesellschaften hier im ganzen sind und als es der Inhaber der Volkszeitung und die Mitarbeiter an derselben find. Und die jüdischen Kurgäste, welche im Sommer unser Bad besuchen, verhalten sich hier im wesentlichen auch wie die anderen Kurgäste. Dieselben haben zu so ungerechtfertigten Aeußerungen des Widerwillens gegen sie, wie diejenigen sind, auf welche Sie Bezug nehmen, jedenfalls keine Veranlassung gegeben. Die Badedirection giebt sich Mühe, zu dem Besuche des hiesigen Bades anzuregen. Und ihre zu dem Zwecke veröffentlichten Schriftstücke sind an Kurgäste ohne Unterschied der Religion gerichtet. Wer dieser Einladung folgend, als Kurgast hierher kommt, sucht Heilung oder Besserung in Leiden für sich oder Angehörige oder mindestens Kräftigung im Allgemeinbefinden. ES ist unchristlich und verwerflich, solchen Kurgästen den meist kurzen Aufenthalt hier durch haßvolle Zeitungsartikel zu verleiden. In Kolberg erscheint das um so schlimmer, als die erbarmende Nächstenliebe vieler Juden gerade hier so sichtbar hervorgetreten ist und dauernde Einrichtungen geschaffen hat und jetzt gerade noch schafft, welche nicht bloß für arme jüdische Kranke Rettung aus theils schweren Leiden bedeuten, sondern insbesondere auch für viele leidende arme christliche Kinder eine Gotteswohlthat sind. Jndeß wir glauben, versichert sein zu dürfen, daß die Volkszeitung von Juden, welche als Kurgäste für Kolberg in Betracht kommen können, nicht gelesen wird. Und wir hoffen deshalb auch, daß die Artikel der Zeitung, welche Sie uns vorgelegt haben, für unser Bad ohne Schaden bleiben. Pflegen doch Missethaten meist nur denen selbst zu schaden, von welchen sie begangen werden. Von manchem wird noch besonders übel empfunden, daß die Kolberger Volkszeitung, in welcher so oft maßloser Haß gegen die Juden im allgemeinen zur Erscheinung tritt, sich gern den Anschein giebt, als halte sie sich zur Pflege guter Sitte und Ordnung und insbesondere christlicher Religion und Sitte besonders berufen. Jndeß wir sind überzeugt, daß wirkliche Christen hier den Unterschied zwischen Schein und Wahrheit sehr wohl klar erkennen. Es ist ja auch selbstverständlich, daß der wilde Antisemitismus, um welchen es sich hier handelt, mit wirklichem Christenthume nichts gemein hat. Im Uebrigen werden Sie sich selbst sagen, baß weder die Badedirection noch wir im Stande sind und auch nicht daran denken, auf ein besseres Verhalten der fraglichen Zeitung hinzuwirken. Wir stellen Ihnen anheim, dies den Unterzeichnetern der Eingabe zur Kenntniß zu bringen. Schwedt a. O., 19. Mat. W!r empfangen die nachstehende Zuschrift: „Es ist nicht wahr, daß ich unseren großen L-Hrer Moscheh (von einem „großen MoseS" habe ich nicht gesprochen — diese

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