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Der Israelit · 1895-05-28 · Heft 42-43 (28.5.1895) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 42-43 (28.5.1895)
Date
1895-05-28
Page
– (sequence 2)
Language
German
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784 ' 7 ‘'l'ffgff: «*ygy- sondern, daß es der mündlich überlieferte Theil der Gottesaussprüche, daß es der Talmud ist, auf welchen Gott seinen Bund mit Moscheh uud Israel errichtet hat. „Rabbi Jochanan lehrte: Der Heilige, gelobt sei er, hat seinen Bund mit Israel nur wegen der mündlich überlieferten Thora geschlossen, denn es ist gesagt: auf Grund des mündlichen Theils dieser Worte habe ich meinen Bund geschlossen mit dir und mit Israel." (Midrasch Jalkut z. St.). Sind doch die Thorarollen und ihr niedergeschrtebener Inhalt bereits Gemeingut aller Völker und Zungen geworden. Diesen schriftlich überlieferte» Theil des Gottesgesetzes haben somit Juden und Nichtjuden in gleicher Weise in Händen. Sind wir daher noch heute durch Erthetlung der Thora das auserwählte Volk Gottes, so kann der Befitz der geschriebenen Thora nicht das Kriterium sein, welches das jüdische Volk zu einem auserwählten macht. Was uns Juden zu Juden macht, was uns auszeichnet als Gottesvolk ist in der That nicht das schriftlich niedergelegte, sondern das ursprünglich mündlich mitgetheilte und mündlich fortgepflanzte Gotteswort, welches ja Gottes Weisheit gerade deshalb in dieser Form uns übergeben hat, damit es leichter unser ausschließliches Etgenthum, unsere geistige Auszeichnung sein und bleiben könne. nxro ro D\nxö nvr6 r© tyatp mm iw n"apn mm wyr dboobiyn nmix x^ na nmax Dn!? anax aman nox m *>yi ^xi^' Dnty noxi anaar »an d-6 ainax dx nKapn ivx opm n ma imm »an o»ro n? ma xnpön p nana xrn^ naron o mam . (na 's xoman «moi njm •& DipV’ »no) „Der Heilige, gelobt sei er, gab die mündlich überlieferte Thora, damit Israel durch sie ausgezeichnet sei von andern Völkern, damit die Völker der Welt sie nicht fälschen, wie sie es mit der geschriebenen Thora gethan haben und sagten sie seien Israel. Dieses sagt das Prophetenwort: Hätte ich ihnen die wesentlichsten Theile meiner Thora niedergeschrieben, sie wären als profan behandelt worden. Dieser wesentlichste Theil ist die Mtschnah, die größer als die Schrift, und diese wäre dann auch der Profanation verfallen." Das hoben auch die Judenfeinde aller Zeiten und Confesstonen instinktiv gefühlt, als sie in erster Reihe ihre Angriffe unablässig gegen das mündliche Gesetz richteten, wie es im Drange der Zeiten in Mischnah und Talmud niedergeschrieben werden mußte. Nicht der Bibel, dem Talmud errichtete der Judenhaß seine Scheiterhaufen, ihn suchte er zu unterdrücken und aus dem jüdischen Kreise zu bannen, weil er wußte, daß dies der Lebensnerv, die Seele des jüdischen Volkskörpers sei. Aber der blinde Fanatismus ahnte nicht, daß das von Mund zu Mund sich fortpflanzende Feuergesetz nicht durch Autodafes aus der Welt geschafft werden könne, daß indem die Pergamente verbrannten, der Geist, der in den verglimmenden Buchstaben niedergelegt war, frei wurde und die ganze Atmosphäre befruchtete; mxa rumis mmixi verbrannten die Rollen, so trugen die in die Winde zerstreuten Buchstaben dieses Gesetzes neue Blüthen. Nicht gegen die Bibel, gegen den Talmud und seine Weisen haben, von demselben Instinkte geleitet, die jüdischen Judenthumsfeinde zuallererst die bundesbrüchige Hand erhoben, als sie den weitschichtigen Verrath anbahnten, der unter dem beschönigenden Namen „Reform des Judenthums" mit dem Judenthum tabula. rasa, machen sollte. In umgekehrter Reihenfolge beginnt so eine unter der Aegide der Reform erschienene und verberettete Geschichte der Juden mit der talmudischen Aera, und schließt mit der biblischen. Es mußten aber erst unsere Weifen als Hierarchen. Zeloten, ja geradezu als Betrüger der jüdischen öffentlichen Meinung gebrandmarkt, es mußte das von ihnen überlieferte Gotteswort erst als „frommer Betrug" hingestellt werden, ehe man es wagen durfte, die Göttlichkeit unserer Thorarollen ebenfalls anzutasten. Während so die theoretische Leugnung des schriftlich mitgetheilten Gottesgesetzes noch ein Monopol der sogenannten Wissenschaft des Judenthums ist, hat die Aechtung unserer Weisen und ihrer Weisheit bereits solche Dimensionen angenommen, daß es fast einer Rechtfertigung bedarf, zum Feste der Gesetzgebung unserer mündlichen Lehre, oder was dasselbe ist, des Talmud in erster Reihe zu gedenken. Diese Verachtung gegen den Talmud ist von den Rabbinern der Reform systematisch groß gezogen worden. Auf der jüngsten Synode in Augsburg, dem Schwanengesang drs deutschen Reformjudenthums. hat einer der geistlichen Herren den Antrag auf vollständige Abschaffung des Schulchan Aruch gestellt, worauf ein College daran erinnerte, daß der Schulchan Aruch nur ein Auszug aus dem Talmud sei und daß man diesen absetzen müsse, wenn man jenen mit Stumpfund Stiel ausrotten wolle. Man müßte viele Bogen füllen, wenn man die Attentate nur registriren wollte, welche jüdische Hände an dem Talmud verübt haben. Und jetzt hat sich das Blatt so vollständig gewendet, daß man das Wunderwalten der göttlichen Nemasis nicht genug anstaunen kann, die diesen Umschwung so plötzlich zu Wege brachte! Vor einigen Monaten hat einer der alten Taufpathen des Reformjudenthums, der in seinem Schmollwinkel von diesem Umschwung wohl nichts erfahren oder ihn hartnäckig ignorirt hat, eine

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