Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 42-43 (28.5.1895)
- Date
- 1895-05-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXXVI. Jahrgang. M 42 & 43. Der Israelit. Ein Gentrat-Hrgan für das orthodoxe Audenthum. Begründet von I>r. Lehma»« tn Maiuz. 3)teuftag, de» S8. Mai 5655 (1895). Ein© Mark abonnirt man bei allen Postanüalten aus für den Monat UU1 den „JSraelit". Dieser Preis tritt aber nur ein bei Abonnements, welche rechtzeitig am Post-ZeitungSschalter deS Wohnortes deS Bestellers oder bei dem betreffenden Landbriefträger aufgegeben werden. Die Expedition -es Leitender Artikel. Dar Kchabaathstst «ad die Talmdproreife. M a i n z, 27. Mai. Unsere an wunderlichen Gegensätzen so reiche Zeit hat vielleicht wenig schneidendere, als die vielfach so geflissentlich zur Schau getragene Ehrfurcht vor der Bibel und die gleichzeitig mit so viel Nachdruck und Erfolg gezüchtete Mißachtung gegen den Talmud. Wer die Bibel öffentlich angreift und herabwürdlgt begeht ein vom Straf-Rtchter zu sühnendes Sakrilegium. Aber wer den ältesten Genoffen und Erklärer der Bibel, ohne den wir ste in ihrem Urtext nicht einmal lesen und ihren Wortsinn verstehen könnten, wer den Talmud beschimpft, der hat kein irdisches Tribunal zu fürchten. Der Talmud ist so vollständig vogelfrei, daß das Privilegium ihn beschimpfen zu dürfen sich auch auf diejenigen erstreckt, welche die Juden zum Gegenstand ihrer Verläumdungen machen, insofern sie auf dem Boden des Talmud stehen. Und wenn von Zeit zu Zeit der Geifer doch ein wenig zu dick wird, den die Juden für ihren Talmud hinnehmen sollen, wenn die Rohheit sich nicht mehr darauf beschränkt den Talmud zu schlagen und die Juden zu meinen, sondern wenn sie tatsächlich Juden und Judenthum schlägt und den Talmud nur weint, dann ist FlugS die „feine* juristische Unterscheidung bet der Hand, welche nur die Raffe, aber nicht die Religion der Juden für geschlagen erklärt. Die Rasse, die jüdische Raffe ist und bleibt aber vogelfrei; gegen ihre Beschimpfung haben die deutschen Gerichtshöfe keine Strafurtheile. So schmerzlich diese Verkennung und Mißachtung uns auch berühren mag — sie darf uns nicht wundern. Wie sollten wir auch von unseren nichtjüdischen Mitbürgern eine richtige Würdigung und Achtung des Talmud und seiner Bekenner erwarten dürfen, so lang im eigenen, heimischen, jüdischen Kreise eine solche Verkennung und geradezu Verachtung des Talmud en vogns ist, wie ste sich täglich vor unseren Augen vollzieht?! Am morgigen Abend feiern wir seit mehr als 3200 Jahren das Schabuoth Fest. Es ist daS Fest unserer Gesetzgebung. Wie viele von denen, welche in den blumengeschmückten Gotteshäuser«, an diesen Tagen das Wort Gottes verkünden, stad sich darüber klar und geben der Thatsache klaren unzweideutigen Ausdruck, daß dieses Fest in Wahrheit nicht so sehr der Bibel, als dem vtelgeschmähten Talmud gilt?! Und doch ist es nicht anders. Wenn wir an dem Feste unserer Gesetzesoffenbarung es dem himmlischen Gesetzgeber danke», daß er uns auserwählt von allen Völkern und ewiges Leben in unsere Rethen gepflanzt hat, indem er uns seine Thora gab, wenn wir unS freuen für alle Zeiten und trotz aller Zetten mit den Aussprüchen der Thora und der Mizwoth, weil ste eben unser Leben und die Dauer unserer Tage bedingen und im Hochgefühl dieser Freude unS die erneuere Hingebung an das alte Gesetz geloben, dann ist es doch eine unerschütterliche, über alle« Zweifel erhabene Thalsache, daß daS nun schon ins vierte Jahrtausend reichende Gottesbündntß mit seinem Volke in erster Reihe nicht auf unsere geschriebene Thorarollen im Hechal sich gründet Die nächste Ausgabe, wiederum eine Doppel-Nummer, erscheint Mittwoch, de« 5. Juut. Juserateuaunahme für diese Nummer bis Mittwoch früh 8 Uhr. Für