Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 41 (23.5.1895)
- Date
- 1895-05-23
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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774 alle andern ein, bildete sie schon durch ihre große Seelenzahl einen Faktor, mit dem man rechnen mußte, so wurde deren Bedeutung noch durch mehrere gewichtige Umstände erhöht. Die Prager Judenschast zeichnete sich in mehrfacher Beziehung in rühmlichster Weise aus. Zunächst durch ihre beispiellose Sittenreinheit, welche von dem andern Theile der Bevölkerung trotz sinstern Glaubenshasses und wilden Fanatismus, der gerade zur Zeit des Religionskrieges in hellster Flamme emporschlug, anerkannt wurde. Ein böhmischer Schriftsteller jener Periode erzählt, daß man das Prager Ghetto, den Rosengarten der Tugend nennt, und daß sich innerhalb desselben kein weibliches Wesen befindet, das nicht von mackellofer Reinheit wäre. Der männliche Theil der Bevölkerung aber hatte sich in Königstreue hervorgethan, und wenn man den Luden die Führung von Waffen anvertraute, hatten sie Proben großer Tapferkeit und heldenmüthiger Todesverachtung abgelegt. Namentlich aber hatten sie, besonders während der mehrfachen Belagerungen Prags — dadurch sehr erprießliche Dienste geleistet, daß ihnen das Löschen der durch feindliche Geschosse oder sonst in irgend einer Weise entstandenen Brände übertragen wurde, und sie diese eben so gefährliche als beschwerliche Dienstleistung in zufriedenstellendster Weise verrichteten. Der ezechische Chronist Palkowa schreibt mit einer für seine Zeit bcwuuderuswerthen Unpartheilichkeit: „Im Jahre 1525 am Sonntag vor Mathäi brannten die Mladowaner Mühlen am Porte ab. Die Juden löschten sehr eifrig und die Christen stahlen, was sie konnten." Auch noch viel später, als die Kaiserin Maria Theresia die Juden aus Prag uttb Böhmen ausweisen wollte, überreichte das Landesgubernium der Kaiserin ein Gesuch zu Gunsten derselben, in welchem es unter anderem erklärte, diese wären der Hauptstadt schon aus dem Grnnde unentbehrlich, weil sie den so wichtigen Fenerlöschdienst in musterhafter Weise versähen. Cs waren auch der Prager Judenschaft, für die bewährte Treue an das Kaiserhaus und die großen Verdienste, die sie sich um Staat und Stadt erworben, von den Monarchen ehrenvolle Auszeichnungen und Privelegien, ihr mehrere Fahnen, von denen eine noch jetzt in der Altneusvnagoge aufgestellt ist, verliehen worden. Die jüdische Fleischerzunft befindet sich in dem Besitze eines silbernen Schlüssels des Stadtthors, den sie, weil sie sich bei der Vertheidigung Prags artsgezeichnet hatte, erhielt, uub hat das noch herrt zu Tage geltende und stets geübte Privelegium, beim Einzuge des Kaisers allen andern Zünften voranzugehen. Nicht wenig trug auch der Umstand zürn Glanze der Gemeinde bei, daß gerade in dem Halbhunderte, krrrz vor dessen Schlüsse unsere Erzählung spielt, in ihrer Mitte Männer von hervorragendster Bedeutung gelebt hatten. Der gelehrte hohe Rabbi Löw, der ein Freund und Studiengeuosse Kaiser Rudolfs gewesen,' — der durch seinen Reichthum, seine Menschenfreundlichkeit und fürstliche Minificenz berühmte Mordechai Meisel; — und Bat-Sevi, der von Kaiser Ferdinand II., 1622 in den Adelstand mit dem Prädikate Edler von Trauenberg erhoben witrde, und zu den: hervorragendsten uub mächtigsten Manne seiner Zeit, 511 Al brecht Wallenstein, der selbst seinem Kaiser Gesetze vorschrieb und um dessen Gunst gekrönte Häupter buhlten, in freundschaftlichem Verhältnisse stand._(Fortsetzung folgt.) Wochen - Kalender Dienstag, 28. Matz 5. Siwan. royatp my Festes-Anfang in Ma'nz 7 Uhr 55 Min. (3L E. Z.) Mittwoch, 29. Mai, 6 Siwan. mjnt£H Donnerstag, 30. Mal, 7. Siwan. nm nynttn '3 Festes-Ausgang in Main; 9 Uhr 25 Mm. (Ll. E. Z.) Freitag, 31. Mai, 8. Siwan. jn ddn Sabbat-Anfang in Mainz 7 Uhr 55 Min. (M. E. Z ) Samstag, 1. Juni, 9. Siwan. '3 'n pns Sabbat-Ausaang in Mainz 9 Uhr 25 Min. (dl. E. Z.) Der „ISraelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montag- und Donnerstag-, febesmal in mindestenzwei Bogen. Preit des Jahrgangfür Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für's Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch ittt Dnchhandrl fU tchiehe« bti C. $. Kteinacker, Leipzig, Doßplah 16. — Inserate 25 Pfennig die vtergespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Tours. — Direct« Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 st. öftere., für'- Ausland l6 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Ei»e NstcksendiUtO *»« a» die Redactton eingesandten Maunscr-pteu findet nicht statt, «au bittet de-hald fich von allen Einsendungen eine Copie znrückznbehalte». Inhalt <4»a»ptdlatt): Leitender Artikel: Die Offenbarung auf dem Berge Sinai, eine Rothwendigkeit für die Religion Israels. Von I. M. Caro, Posen. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: WormS. Berlin. AuS Bayern. Weilburg. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. — Vermischtes. — Feuilleton: David Speter. Historischer Roman aus der Zeit des dreißigjährigen Krieges. Von S. Kohn, Verfasser von .Gabriel". Inhalt der Beilage: Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Neinheim. Hildesheim. Brühl. Hünfeld. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. Czernowitz. — ^Rußland; Petersburg. Warschau. — Sprechsaal. Extra Beilage r Spenden-Verzeichnisse. _ Verantwortliche Redaktion: OSear Lehmann in Mainz. — Expedition de» .Israelit*, Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Job. Wtrth'schen Hofbuchbrnckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu zwei Beilage«.