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Der Israelit · 1895-05-23 · Heft 41 (23.5.1895) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 41 (23.5.1895)
Date
1895-05-23
Page
– (sequence 6)
Language
German
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772 einem Unternehmer größten StyleS aufgeschwuugen. Er wurde als der Sohn armer Eltern zu Leipnik in Mähren geboren. Ursprünglich widmete er sich dem Lehrerstande, aber nach dem Tode seines Vaters führte ihn die Nothwendigkeit, die Familie zu erhalten, gegen seine Neigung dem geschäftlichen Leben zu. Umfangreich war die Thätigkeit der Firma und Wilhelm v. Gutmann's auf socialem und humanitärem Gebiete. Die Anregung zur Gründung de8 Montanvereines ist von ihm ausgegangen. Als Abgeordneter des niederösterreichischen Landtages, in den er von der Handelskammer entsendet wurde, hat Wilhelm v. Gutmann die Anregung zur Reform des Armenwesens, die im weiteren Verfolge zum Beschlüsse des jetzt geltenden Armengcsetzes führte, gegeben. Durch seine Initiative wurde der Philanthropische Verein in Wien gegründet. Die Leiden Brüder haben in Döbling mit einem Aufwände von 300,000 fl. ein Waisenhaus für 16 Mädchen vollständig eingerichtet und an der Poliklinik ein Kinderspital für 50 Patienten gegründet. Ebenso widmete die Firma der Poliklinik zum Baue ihres Hauses mehr als 60.000 fl. In Krems ist durch Wilhelm v. Gutmann ein Stechenhaus für 60 Gebrechliche errichtet worden. Außerordentlich zahlreich sind die Institutionen für Beamte und Arbeiter auf den verschiedenen Werken und Fabriken der Firma. Auch der speciell jüdischen Wohlthätigkeitspflege widmete sich Wilhelm v. Gutmann mit ganz ausnehmender Wärme und Freigebigkeit. Er war auch durch längere Zeit Präsident der israelitischen Cultusgemeinde. Wilhelm v. Gutmann war ein Industrieller von ungewöhnlichem Zuschnitte, ein Mann mit warmen Herzen, von großer Belesenheit, mit nicht geringem Jntereffe für geistiges Streben, wie er denn auch an dem geselligen Verkehre in Wien keinen geringen Antheil hatte. Persönlich bedürfnißlos, führte er sein Haus im Style eines groben Kaufmannes und Industriellen. Im glänzendsten Erfolge bewahrte er die ursprüngliche Einfachheit und Herzensgüte. In Folge letztwilliger Verfügung des Verstorbenen wurden heute Mittags der Gemeinde Wien 10,000 fl. übergeben, welche am Tage des Leichenbegängnisses au die Armen ohne Unterschied der Consession vertheilt werden sollen. ■¥• -Vermischtes. < Darrnftadt, 16. Mai. Nach sechswöchiger Hast sind die unter der Anschuldigung des Versuchs einer Verleitung zum Meineid zur Untersuchung gezogenen Herren Adolf Theiß, Samenzüchter, und dessen Buchhalter als unschuld ig in Freiheit gesetzt worden. Die Untersuchung hat ergeben, daß die Anschuldigung falsch war. Feuilleton David Speier. Historischer Roman au» der Jett de» dreißigjährigen Kriege» von S. Koh«, Verfasser von »Gabriel". Jeder unbefugte Nachdruck wird mit aller Strenge verfolgt werden. UebersetzungSrechte in fremde Sprachen Vorbehalten. 3.) „Euere Dreistigkeit überschreitet schon alles Maß!" fuhr Colloredo zornig auf „Ihr werdet es doch nicht wagen mir vorzuschreiben, wen ich zur Theilnahme an dem Kriegsrathe einzuladen habe? Ihr werdet doch Euere Frechheit nicht so weit treiben zu prätendiren, daß ich Euch höre!" So sprechend wollte er das Zimmer verlassen. Odowalskp stürzte, so rasch es sein lahmer Fuß gestattete, auf ihn zu, ergriff ihn am Arme und schrie: „Um Gottes Barmherzigkeit willen, Herr Generallieutenant, hört mich nur eine Minute gnädigst an. Welchen Preis würde des Kaisers Majestät den: Manne bewilligen, der ihm die wichtige Grenzsestung Eger zurückgewönne? Würde er ihm ein Oberstpatent verleihen?" Colloredo stutzte und erwiederte nach kurzem Bedenken „dafür glaube ich bürgen zu können, doch was soll die Frage?" „Herr Generallientenant, vertraut mir fünfhundert Mann Fußtruppen und ich erobere Eger durch einen Handstreich. Wenn ich mein Wort nicht einlöse, könnt Ihr mir den Kopf vor die Füße legen lassen!" „Wenn Ihr sammt den fünfhundert Mann von den Schweden gefangen genommen oder niedergemetzelt worden seid, kann ich Euch auch beim besten Willen den Kopf nicht vor die Füße legen lassen", erwiederte Colloredo mit einem ärgerlichen Lächeln. „Schwätzt nicht unüberlegtes sinnloses Zeug!" „Herr Generallientenant, bei Gott, Ihr thut rnir schweres Unrecht" ries Odowalsky in fliegender Eile, „was ich spreche ist reiflich erwogen und durchdacht. Herr Generallientenant, ich fühle mich unglücklich wie kein zweiter Mensch auf Erden, mein armes, treues, selbst krankes Weib, das mich mit hingebender Liebe pflegt und meine herrlichen Kinder schmachten in tiefster Armuth und ich fühle die Kraft und die Fähigkeit in mir Großes zu vollführen. Seit Monaten schon verbringe ich die Nächte schlaflos unter höllischen Qualen, nur ein Gedanke durchwühlt meine Seele, eine That zu ersinnen und auszuführen, durch welche ich mich und die Meinen aus meinem Elende, aus meiner Niedrigkeit emporzuschwingen vermöchte; nun habe ich endlich den reiten-

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