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Der Israelit · 1895-05-23 · Heft 41 (23.5.1895) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 41 (23.5.1895)
Date
1895-05-23
Page
– (sequence 5)
Language
German
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771 wäre ihm unterbunden, schon an und für sich, weil er nicht die gesummten deutsch isr. Lehrer repräsentirte und weil die orthodoxen Lehrer bei jedem Schritte desselben, der ihren geistigen Interessen zuwider ist, in aller Entschiedenheit bei den Regierungen, Landtagen und Reichstag für die Wahrung ihrer hehren Güter einzutreten nicht säumen werden, und ihre Stimmen werden überall da gehört werden, wo man bestrebt ist, die Jugend in wahrer Religiosität zu erziehen. Möchten doch meine Herren Collegen im Interesse des Friedens und der Gewissensfreiheit es nicht so weit kommen lassen! Mögen sie sich erinannen; noch ist es Zeit, ihre Selbstständigkeit aufrecht zu erhalten. Mögen sie an ihren Rabbincn sich doch ein Beispiel nehinen, die zum Theil auch Verbände gebildet haben, wie die in Bayern und die aus dem Breslauer Rabbinerseminar hervorgegangenen, welche sicherlich nicht darauf cingingen, wenn der demnächst, wie ich hoffe und wünsche, ins Leben tretende selbstständige Lehrerverband sich eine Stimme in deren Vorstand erkaufen wollte. Mögen sie ferner auf ihre christlichen Collegen sehen und sich ihnen ebenbürtig zeigen, die mit ihren isr. Mitgliedern in dem „Allgemeinen Deutschen Lehrervereine" das schönste Bild der Einigkeit und Unabhängigkeit bieten, welches seit Jahren von den glänzendsten Erfolgen begleitet ist — und auch bei ihnen werden die Früchte dieses einmüthigen Handelns nicht ausblciben; auch ich rufe ihnen zu 1SDN1 IpTn. Weilburg, 11. Mai. Am heutigen Tage feierte die hiesige israe!. Gemeinde das Fest des fünfzigjährigen Bestehens ihrer Synagoge. Es war erfreultch, bei dieser Gelegenheit zu sehen, daß die Hetzereien des Antisemitismus, der ehedem durch Dr. Böckel u. seine Apostel hier und in der Umgegend eifrig gepflegt wurde, den konfessionellen Frieden nicht gestört u. den Geist gesunder Eintracht in der hiesigen Bürgerschaft nicht berührt haben. An der gottesdienstlichen Feier, die üm 10 Uhr morgens in der festlich geschmückten Synagoge stattfand, beteiligten sich außer den beiden evangelischen Geistlichen u. den Spitzen der kommunalen Behörden noch manche Bürger christlicher Konfession, u. gewiß wäre die Betheiligung eine noch größere gewesen, wenn die Synagoge genügenden Raum geboten hätte. Nach dem weihevollen Einleitungsgesange no ertönte die herrliche Jubelmottcte: „Wenn Gott der Herr das Haus nicht bauet" von dem trefflich geschulten Chore. Gleich darauf hielt Herr Rabbiner Dr. Landau die Festpredigt, der als Text die Worte des Propheten Jesaja Kpt. 61, Vers 1: „Der Geist des Herrn 2C. zu Grunde gelegt waren. Ja trefflicher Rede, die sowohl nach Form u. Inhalt gleich ausgezeichnet war, schilderte der Festredner die Bedeutung des Jubeljahres u. die der Synagoge. Hierauf setzte der Chor mit der erhabenen Hymne: „O Ew'ger" ein, nach welcher das Gebet für den Landesherrn folgte. Den Schluß der synagogalen Feier bildete der Gesang des Psalm ISO, componirt von F. Lux, Mainz, der in jauchzendem Jubel das Fest auskltngen ließ. War der Vormittag der religiösen Freude gewidmet, so gehörte der Abend des Jubeltages der weltlichen Freude. In dem Görtz'schen Saale, dem größten Vergnügungs-Etabliffement dahier, fand eine Abendunterhaltung statt, und gerade dieser Theil der Feier zeigte erst deutlich, welch erfreulich gutes Einvernehmen hier zwischen den Bekennern der verschiedenen Konfessionen herrscht. Der Saal war bis auf den letzten Platz besetzt. Mit Stolz kann Herr Lehrer Fröhlich, der Arrangeur des ganzen Festes, auf den Erfolg dieser Abendunterhaltung zurückschauen. Es schien fast, als seien es keine Dilettanten, sondern wirkliche Künstler, die hier auftraten. Jeder gab das Beste, was er geben konnte, man konnte auf eine fortlaufende Kette von Treffern blicken. Die hiesige Gemeinde kann mit Genugthuung auf diesen ihren Jubeltag zurückbltcken; denn er verlief in glänzender Weise ohne jeden Mißton. Möge auch fernerhin das Verhältnis unserer Mitbürger verschiedenen Glaubens so angenehm mit einander bleiben, wie es bisher war. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wie«, 17. Mat. Heute Nachmittags ist Wilhelm Ritter v. Gutmann nach kurzer Krankheit im Alter von 69 Jahren gestorben. Wilhelm v. Gutmann gehörte als Begründer und älterer Chef der angesehenen und in ganz Europa bekannten Firma Gebrüder G ut m an n zu den hervorragendsten Industriellen in Oesterreich. Ein ganzes Heer von Beamten und Arbeitern ist in den Unternehmungen beschäftigt, welche die Firma entweder direct besitzt oder an denen sie durch ihr Kapital interessirt ist. In den meisten bedeutenden Productionszwetgen, im Bergbau, in der Kohlen-, Eisen-, Soda-, Jute-, Zucker- und Spiritus-Industrie und in der Landwtrthschaft steht die Firma in erster Reihe. Der Kohlenhandel, dem sie ihre Begründung und ihren Aufschwung verdankt, ist in der Monarchie und besonders in Wien fast sprichwörtlich mit dem Namen der Brüder Wilhelm und Daid Gutmann verbunden. Selbst im kleinen Wiener Localverkehr mit Kohlen nimmt das Haus Gutmann noch jetzt den wichtigsten Platz ein. Ebenso bekannt ist die Freude an der Wohlthätigkeit, welche den Verblichenen wie den ihn überlebenden Bruder stets ausgezeichnet hat. Zahlreiche Institute dcr Armen- und Krankenpflege, sowie der Fürsorge für die verschiedenen Arten der Noth geben dafür Zeugniß, daß Wilhelm v. Gutmann die Pflichten des Reichthums und des Besitzes stets erfüllt hat. Aus kleinem Anfänge und aus der dürftigsten Lebenslage hat sich Wilhelm v. Gut manu zu

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