Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 41 (23.5.1895)
- Date
- 1895-05-23
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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768 es:;i3i nwi ^-ra ^non „Wer des Weges geht und Erlerntes wiederholt, und sich unterbricht und spricht: wie schön ist dieser Banm, wie herrlich diese Flur, dem rechnet es die Schrift an, als hatte er sich verschuldet gegen seine Seele." Der Sinn ist folgender: Wer sich auf der menschlichen Pilgerfahrt befindet, das schriftliche und mündliche Gesetz gelernt hat, das Erlernte aber verwirft und spricht: „Wozu die bindenden, Zwang und Entbehrungen auferlegenden Gesetze, ich will fortan nur die Natur verehren und ihren Schöpfer achten, nur das allein sei meine Religion", der hat sich allerdings gegen seine Seele verschuldet. Wir haben Beispiele, daß ganze Völker, die dieser Religion ergeben waren, irre geleitet wurden. Die gebildetsten Völker des Alterthuws, die die göttliche Offenvarung nicht kannten, hatten bei aller ihrer Erleuchtung des Geistes, bei aller Tiefe des Gemüthes, der Höhe der Wissenschaft und Vollendung ihrer Kunst eine sehr irrige Vorstellung von der Göttlichkeit, unter welcher sie sich eine Anzahl von Göttern dachten. Anfangs betrachteten sie allerdings alles in der Natur als Erzeugnisse einer höheren Macht und von dieser abhängig; aber die Kraft ihres Geistes reichte nicht aus, um diesen Gedanken für die Dauer festzuhalten, das reine unverdorbene Gefühl, mit welchem sie sich zum Schöpfer wandten, war nicht tief genug, um unerschütterlich zu bleiben. Vielmehr wurde ihr Geist bald verwirrt, wodurch sie dem Götzendienste verfielen. Es überwältigte sie die wunderbare Größe und Pracht der Natur, und da sie nicht begreifen konnten, daß nur ein Wesen alles hervorgebracht habe und es einzig und allein nach seinem Willen leite, hielten sie jede Naturerscheinung für selbstständig wirkende Kräfte, welche im Stande seien ihnen ihre Wünsche zu erfüllen und beteten des Geschehene an, nannten Holz oder Stein ihre Götter, oder sanken in den Staub vor des Blitzes Flammen und glaubten einen Gott in des Meeres Fluten; den Schöpfer aber kannten sie nicht mehr. Nur noch wenige waren von der richtigen Gotteserkenntniß durchdrungen, und jede Spur derselben würde für ewig verloren gegangen sein, wenn nicht die Stimme Gottes vom Sinai herab Wahrheit und Licht verbreitet hätte; mit Recht sagt der Talmud: min ww xbrib'x pjvd mnyi rtao tnnno nvjy irn Wäre die Thora nicht gegeben worden, wahrlich manche Sittlichkeit und Moral hätten wir vom Thiere lernen müssen. In keiner anderen Weise hätten wir die wahre Gotteserkenntniß erhalten können, wenn Gott sich nicht dem ganzen Volke Israel, welches zum Träger der richtigen Vorstellung von Gott und seinem Willen bestimmt worden, offenbart und ihm dieselbe mitgetheilt hätte. Die Wunder in Egypten sollten Israel überzeugen, daß sein Gott ein lebendiger sei, welcher die Welt erschaffen habe, sie leite und erhalte. Der Wahn, daß alles in der Welt nur willenlosen Zufällen unterworfen sek, konnte nur durch die Offenbarung zerriffen werden, ebenso wie der Irrglaube, daß noch andere Gewalten sich in die Herrschaft und Leitung mit Gott theilten, durch sie allein aus der Welt entfernt werden konnte. Darum ertönte vom Sinai die göttliche Stimme, welche Wiederhall gefunden in den Herzen vieler Tausende, und uns die Lehren des Lebens mittheilte und den Weg des Rechtes lehrte. Diese Lehren sind die geistige Quelle, der alle Gesetze der heiligen Schrift entflossen, und auf deren Ursprung alle zurückgeführt werden können. Und sind auch schon Jahrtausende verfloffen seit der göttlichen Offenbarung auf dem Sinai, jener himmlische Ruf an das Volk Israel: „Wenn ihr die Gebote beobachten werdet, □\3rD »V i»nn dpni so sollt ihr mir ein priesterliches Reich sein", ertönt heute noch von jenen heiligen Höhen hernieder eindringlich und vernehmbar. Denn ist es des Priesters Pflicht, wo und wie er kann, das Recht ans Licht zu führen, so ist es auch eines jeden Pflicht, Recht und Gerechtigkeit zu fördern, denn alle sollen bilden ein Reich von Priestern. Solches lehrt unS die Offenbarungslehre. Wer du auch sein magst, Sohn Israels, welche Stellung du auch einnehmest im bürgerlichen Leben, welches Amt du auch bekleidest, Du sollst dessen bewußt sein, daß dir ein heiliges Priesteramt von Gott anvertraut ist, welches dir zur Pflicht macht, wie und wo du kannst, Recht und Gerechtigkeit zu fördern. Die Sonne des Rechtes kann aber nicht früher ausgehen, als bis alle Finfterniß verschwunden und alle Jrrthümer beseitigt sind. Darum gab uns Gott die Offenbarungslehre, welche den Menschen mit dem Zwecke seines Lebens bekannt macht und zum wahren Ziele, zur ewigen Glückseligkeit führt. Zeitrrrrgsuachrichteir und Correspondenzen. Deutschland. R. Worms. Ich habe Ihnen früher einmal berichtet, daß der Vorstand der hies. Jsr. Gemeinde beschlossen hat, den alten Friedhof, welcher sich in einem sehr vernachlässigsten Zustande befand, in Ordnung zu bringen. Um gründlich zu arbeiten, wurde das ausgedehnte Gräberfeld parzellenweise vorgenommen und die ganze Arbeit innerhalb eines Zeitraumes von 6 Jahren durchgesührt. Eine große Anzahl umgefallener Grabsteine sind aufgertchtet, ganz oder thetlweise versunkene sind gehoben worden,