Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 40 (20.5.1895)
- Date
- 1895-05-20
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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761 ist. Als Deputirter der Skupschtina war er auch vor etwa zehn Jahren thatig und hat durch seinen Einfluß viel für die Emancipatlon der serbischen Juden beigetragen._ -£• Vermischtes. < Berlin, 21. April. Die seit mehr als fünf Jahren bestehende Religionsschule der Lippmann-Tauß-Synagoge hat sehr günstige Resultate gezeigt. Die Schule, in welcher unter Oberleitung des Rabbiners Dr. Oscar Lipschütz von vier seminaristisch gebildeten Lehrern dreimal wöchentlich Religionsunterricht erlheilt wird, gewährt Unbemittelten den Unterricht völlig frei. Daher erklärt sich auch die stets im Wachsen begriffene Frequenz dieser, in der Georgenkirchstraße 2, gelegenen Schule. Den bemittelten Eltern der die Rcligionsschule besuchenden Kinder ermöglicht es die Leitung, durch Beitritt zur Lippmann-Tauß-Synagoge freien Religionsunterricht für ihre Kinder zu erzielen. Stuttgart» 16. Mai. Anläßlich des am 12. Mai stattgehabten 50. GeburtSfrstes ihres Gründers ließ es sich der neubegründete Talmud-Thora-Verein nicht nehmen, diesen Tag festlich zu begehen. Morgens wurde dem Jubilar Herrn Kirchenrath Dr Krön er durch eine Deputation ein werthvolles Geschenk überreicht, während NachmsttagS zu Ehren desselben die Vereinsmitglieder mit ihren Angehörigen einen Ausflug nach dem Schlößchen MonrepoS b. LudwigSburg machten. Hier angelangt begrüßte zunächst der Vorstand des Vereins, Herr Bankier Hermann Gutmann. die Anwesenden, sodann ergriff Herr RabbinatSkand. Dr. Kahn zu der Festrede das Wort, um in redegewandter Weise auf die Verdienste deS Gründers hinzuweisen und demselben Namens des Vereins für das erwiesene Wohlwollen zu danken, indem er den lebhaften Wunsch aussprach, daß derselbe den Verein noch lange mit Rath und That unterstützen und ihm zur Seite stehen möge, welchen Wunsch die Anwes. mit einem begeist. Hoch auf den Jubilar bekräftigten. Nunmehr erwiederte Herr Kirchenrath Dr. Kroner, um in 3/4 stündiger, von lebhaften Beifallsbezeugungen unterbrochenen Rede auf seinen bisherigen Lebenslauf zurückblickend, die Mitglieder aufzufordern, den Tendenzen des Vereins treu zu bleiben und für dieselben, wenn es gälte, auch einzutreten und schloß mit einem Hoch aus den Vorstand und dessen Gemahlin. Im weiteren Verlaus feierte das jüngste Mitglied des Vereins in poetischer Form das Geburtstagskind, um demselben seinen Glückwunsch und Dank auszusprechen, worauf noch die Herren Lehrer S. Abraham und Maier und Herr Rabbinatskand. Dr. Hermann Kroner des Tages in verschiedener Weise gedachten. Die Feier nahm einen in allen Theilen sehr gelungenen Verlaus und waren alle Theilnehmer von dem Wunsche beseelt, daß sich dieses Fest noch oftmals wiederholen möge. -r- MUoslaw, 22. April. Mit der am 3. April d. I. stattgehabten Schöffengerichtssitzung am Jnowrazlawer Amtsgericht endet der li/2 Jahre währende Prozeß des früheren Reichstagsabgeordneten Leuß gegen mehrere jüdische Bürger Jnowrazlaws. Am 28. September 1893 hielt Leuß in Jnowrazlaw eine Antisemitenversammlung ab. Im „Kujavischen Boten" war vorher bekannt gemacht, daß nur „christlichen Mitbürgern" gegen ein Entgeld von 30 Pfg. der Eintritt in den Versammlungssaal gestattet sei. Trotz dieses Verbotes waren mehrere angesehene jüdische Herren im Saale erschienen, wodurch große Unruhe dortselbst entstanden. Leuß hat deshalb einen Prozeß wegen Hausfriedensbruch angestrengt. Den 15 Angeklagten standen 4 Vcrtheidigcr zur Seite. 21 Zeugen waren vorgcladcn. Unter den Angeklagten befanden sich auch 4 christliche Maurer, die nach Angabe des Klägers gedungen sein sollten, durch Lärmen den Redner nicht zu Worte kommen zu lassen. Da sich durch die Beweisaufnahme hcrausstcllte, daß nicht die Angeklagten, die alle mit E.ntrittskarten versehen waren, den ruhcstörenden Lärm verursacht hatten, und^ daß Leuß dieselben gar nicht anfgefordcrt hatte, den Saal zu verlassen, wurden alle Angeklagten freigesprochen. Von allen Zeugen wurden nur 10 vernommen. Dieser Prozeß war wohl nur angestrengt worden, um den Jnowrazlawer Antisemiten einen Ruf zu verschaffen. Vor einigen Wochen standen auch mehrere jüdische junge Leute vor der Angklagebank, die sich wegen Schlägerei an dem betreffenden Tage zu verantworten hatten. Br. Schwerfen;. 6. Mai. Kürzlich feierte Herr Lehrer Grünfeld seinen sechszigsten Geburtstag. Die Feier desselben gestaltete sich durch viele ehrenden Kundgebungen für den sehr beliebten Mann, der seit mehr als drei Dezenten hier segensreich wirkt, zu einer erhebenden. Die werthvollen Geschenke, von der hiesigen Gemeinde und seinen ehemaligen Schülern überreicht, die zahlreichen Zuschriften, Telegramme und Blumenspenden gaben Zeugnitz von der Liebe und Achtung, die er weit und breit genießt. Es verdient noch besonders hervorgehoben zu werde", daß Herr G. als langjähriger Leiter eines Pensionats bemüht ist, die ihm anvertraute Jugend im reinen und unverfälchten Judenthum zu erziehen. Wien. In Favoriten, wo eine große Anzahl von Israeliten wohnt, die zumeist dem Stande der Handwerker, der Arbeiter, sowie der Kleingewerbetreibenden angehören, befindet sich kein jüdisches Gotteshaus, so daß die dortigen Israeliten in den ersten oder zweiten Bezirk sich begeben müssen, um ihre Andacht zu verrichten Vorläufig besteht in Favoriten allerdings zur Noth ein Bellocal für Israeliten, das im zweiten Stock eines Zinshauses in einem kleinen Miethsraum untergebracht ist. Dasselbe vermag jedoch kaum den vierten Theil der Besucher aufzunehmen. Es hat sich nun ein Comitß zur Gründung eines Tempels im Bezirke gebildet, welches sich an die Glaubensgenossen um milde Beiträge wendet. Durch die Opferwilligkeit einer nichtjüdischen Wittwe NamenS Theresia Binnier wurde es ermöglicht, mitten im Bezirke einen dieser Dame gehörigen Grund, weit unter dem Werthe, um 18,000 fl, zu erhalten. Die Dame legte bloS die Verpflichtung auf, daß an, dieser Stelle ein Gotteshaus sich erhebe, und gewährte für den Fall eines raschen Aufbaues einen weiteren Nachlaß von 1000 fl. Das Cvmittz hofft, durch Spenden den Bau und die Einrichtung des Tempels bis zum fünfzigjährigen RegierungS-Jubtläum des Kaisers vollenden zu können. Wien. Der Vorstand der israelitischen CultuSgemeinde Wien, hat einstimmig beschlossen, Herrn Dr. Jonathan Wolf, Rabbiner der israelitischen CultuSgemeinde, mit den Rabbinatsfunctionen für die Gemeindebezirke XII. Meidling, XIII. Hietzing, XIV. Rudolfsheim und XV. Fünfhaus zu betrauen. Rabbiner Dr. Wolf hat seine neue Thätigkeit am verflossenen Osterfeste begonnen. Agram, 4. Mai. Auf Grund eines Einvernehmens zwischen der Regierung und der geistlichen Oberbehörde erfolgte die Ernennung deS Dr. Adolph Schwarz, eines Inden, zum Primarius der chirurgischen Abtheilung im Spital der Barmherzigen Brüder in Argram, dem ersten