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Der Israelit · 1895-05-20 · Heft 40 (20.5.1895) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 40 (20.5.1895)
Date
1895-05-20
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Krankenhause des Landes. Dr. Schwarz ist ein Schüler des Professors Wölfler und erfreut sich des Rufes als trefflicher Operateur. In Kolomea erscheint wieder ein neues Journal, „Swiatlo" oder „Haaorm" eine Monatsschrift, gewidmet den Angelegenheiten der Schulen der Baron Hirsch- Stiftung. Herausgeber und verantwortlicher Redakteur ist Wilhelm Grünes. Turin. Es dürfte von Interesse sein den Wortlaut der Dekrete kennen zu lernen, durch welche im Jahre 1848 der damalige König von Sardinien den Juden die Emancipation und das Recht zum Kriegsdienst ertheilte. Dieselben lauten in Uebersetzung: 29. März 1848. Karl Albert rc. Auf Vorschlag unseres Ministers, des Staatssecretars für innere Angelegenheiten, haben wir angeordnet und verfügen: Die Israeliten des Königreichs genießen vom heutigen Datum ab alle bürgerlichen Rechte und haben das Recht die akademischen Grade zu erreichen. Soweit die Ausübung ihres Cultus und der von ihnen geleiteten Schulen in Betracht kommt, wird keine Neuerung getroffen. Die der vorstehenden Verfügung widersprechenden Gesetze sind abgeschafft. 15. April 1648. Wir, Eugen von Savoyen Carigna no, Statthalter des Königs rc. rc. Kraft der uns übertragenen Autorität und angesichts de» königl Dekrets .vom 29. März 1846, welches die Israeliten des Königreichs in den Genuß aller bürgerlichen Rechte einsetzt, haben auf den Vorschlag des Präsidenten des Ministerraths, beauftragt mit dem Portefeuille des Kriegs- und Marineministers, angeordnet und verfügen: Die Israeliten des Königreichs werden von jetzt ab zugelassen zu militärischer Dienstleistung in Uebereinstimmung mit den bestehenden Gesetzen und Disziplinen. Wir schaffen demnach ab jedes Gesetz und jede Verfügung, die dem Vorstehenden widerspricht." Amsterdam, 15. April. Die jüdische Gemeinde hat einen ihrer besten Beamten durch den Tod verloren. N. M. Groen war 56 Jahre lang Chasan der großen und dann der neuen Synagoge. Zuletzt hatte man ihn freilich mit Rücksicht auf sein hohes Alter von seinen Berufspflichten etwas entlastet, doch betete der Verstorbene noch immer bei einem Theile des Gottesdienstes vor. Athen. Wie unser Amtsblatt meldet, hat der König den Kaufmann Ni no Olivetti in Florenz zum General-Consul daselbst ernannt. Herr Olivetti ist ein hervorragendes Mitglied der Florentiner Eultusgemeinde. Die Rectoren der Universitäten in Bukarest und Jassy erhielten Einladungen zu der am 2. Juni l. I. stattfindenden Einweihung der neuen Baulichkeiten der Rechtsfacultät in Lille. Interessant ist die Unterschrift, mit welcher diese Einladungen versehen waren; sie gingen vom Decan Dr. Leon Feder aus, einem gebürtigen Jassy er Juden. In seinem Geburtslande hätte er nie die akademische Laufbahn betreten können; wird doch in Rumänien den Inden zum größten Theile sogar der Schulbesuch durch allerlei Chicanen erschwert. Jerusalem. Der Verein für wissenschaftliche Erforschung Palästinas, welcher in Leipzig seinen Sitz hat, beabsichtigt, ein neues Gebiet in den Bereich seiner Thätigkeit einzubeziehen. Die Forschungen des genannten Vereins bezogen sich seither vorzugsweise auf die Alierthümer, die Geschichte, Ortskunde und Sprachen des heiligen Landes. Gegenwärtig soll auch das Naturwissenschaftliche desselben beobachtet und bearbeitet werden. Man will mit meteorologischen Beobachtungen in Palästina und dessen nächster Umgebung den. Anfang machen. Zu einer Besprechung bezüglich der dahin gehörenden Gegenstände, insbesondere zur Begründung der erforderlichen Beobachtungsstationen, wurde in Jerusalem am 18. Juru 1891 eine Abendversammlung gehalten. Geleitet wurde dieselbe von Dr. Blankenhorn, einem Geologen von der Universität Erlangen, der früher schon Kleinasien durchreiste und jetzt neuerdings im Aufträge des Leipziger Gelehrten-Vereines für Palästina das heilige Land behufs naturwissenschaftlicher Beobachtung durchforscht hat. Auf den Vorschlag dieses Herrn wurden Beobachtungsstellen in und bei Jerusalem, im Thale des Jordan, in der Nähe des Todten Meeres, im Hochlande jenseits des Jordan, im Gebiete des Sees von TiberiaS bis zum Gr. Hermon und Damaskus hin in Aussicht genommen. Die Herskndung der erforderlichen Beobachtungsinstrumente von Seitendes Leipziger Vereins wurde zugesagt. Die für die Beobachtungen geeigneten Persönlichkeiten waren unschwer zu finden. Sie wurden ans den Leitern der Schulen, Bildungsanstalten, Hospizen, der in Rede stehenden Orte und Gegenden genommen. Dr. Blankenhorn erzählte auch im deutschen Hospiz, daß die Absicht, das Todte Meer durch einen Dampfer befahren zu lassen, verwirklicht werden sollte. Der Dampfer wird in Amsterdam gebaut. Er soll das nordwestliche Ufen des Todten Meeres mit dem östlichen, wo die nicht unbedeutende, von räuberischen Mohammedanern und schismatischen Griechen bewohnte Stadt Kerack liegt und sonst v ele Erzeugnisse von Heerden, Getreide, Pferden u. s. w. sich finden, in Verbindung setzen. Gegen fünfzig Personen soll der Dampfer aufnehmen können. Man sagt, der Sultan sei sehr für das Vorhaben eingenommen. Die Beduinen von diesseits und jenseits deö Meeres werden wenigstens zu Anfang seine Ausführung mit großem Widerwillen sehen, da dieselbe die Karawanenverbindung mittels Kameelen entweder vielfach überflüssig machen, oder denselben erst andere, neu herzustellende Richtung anweisen wird. Hilleh. (Babel) am Euphrat. Auf Befehl des Sultans werden nun wieder die Ruinen einiger Paläste und Tempel hier gänzlich niedergerissen und geschleift, um mit den Steinen und Ziegeln derselben, Quais und Dämme in Bagdad zu erbauen, damit der Tigris nicht fortwährend die Kalifenstadt bedrohe und verheere. Auch die Ueberreste der alten Stadtmauern, die wahrscheinlich schon zwölf Jahrhunderte vor dem Könige Nebuchadnezar von dem mythischen Könige Bel (>3) erbaut worden sind, werden nun gänzlich demolirt (71?^ bm nein djs. Auch die Mauern Babels werden fallen. Jeremias LI, 44). Die Arbeiter bei diesem Zerstörungswerke können nicht genug ihr Erstaunen darüber ausdrücken, wie fest und dauerhaft die alten Babylonier gebaut haben, gleichsam als hätten sie für die Ewigkeit gebaut. Uebrigens scheint es, daß die a'ten Babylonier den Mörtel nicht mit Wasser, sondern mit Naphta zubereitet haben. Daher heißt es auch im Genesis XI, 3 „und das Erdpech diente ihnen als Mörtel". Nun werden die stolzen Bauten Babels dazu verwendet, um Bagdad zu verschönern. Bei der Demolirung einer Tempelruine wurde auch eine große steitterne Platte mit einer Keilinschrift aufgefunden, Und wird dieselbe nun in Folge eines telegraphischen Befehls des Sultans aus dem Rücken eines Kameels nach Konstantinopel geschafft werden, um dort von einigen gelehrten Europäern entziffert zu werden. Die Juden Algeriens wenden sich in einem B i ttg e s u ch an die Kammer, worin sie Schutz gegen Verfolgung durch die französischen Beamten und Ansiedler in Algerien verlangen. Sie bestreiten die ihnen vorgeworfenen Sünden und betheuern ihre Liebe zu dem Vaterlande, das ihnen 1870 die Arme geöffnet.

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