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Der Israelit · 1895-05-20 · Heft 40 (20.5.1895) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 40 (20.5.1895)
Date
1895-05-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
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753 Vormittags begab sich eine Deputation der derzeitigen Kollegen in die Wohnung des Jubilars und begleiteten denselben dann zum Schulgebäude. Dort hatte man vom Eingang bis zum Saale, in dem die Feier ftattsand, alles mit Blumen und Guirlanden geschmückt; ebenso zeigte der Saal selbst infolge des reichen Blumenschmucks ein herrliches Bild. Beim Eintritt wurde der Jubilar mit dem Chor: „Dank dem Herrn" empfangen. Ein älterer Schüler begrüßte hierauf den verehrten Lehrer mit einem eigens zu diesem Zwecke verfaßten Gedichte und übeibrachle den Dank und die Glünckwünsche der Schüler. Dann dankte der derzeitige Direktor Dr. Barnaß dem Jubilar für sein aufopferungsvolles Wirken an der Schule und knüpfte daran den Wunsch, daß solch eine tüchtige Kraft der Anstalt noch lange erhalten bleiben möge. Kollege Katzenstein übeibrachte die Glückwünsche der Kollegen und schilderte, indem er besonders die ideale Sette des Lehrerberufs betonte, mit warmen Worten, wie der Jubilar, trotz der vielen Enttäuschungen, die der Lehrerstand mit sich bringt, doch immer mit Freudigkeit seinem Berufe nachgtng. Aufs tiefste gerührt, dankte Herr Dr. Luß für die aufrichtigen Beweise inniger Liebe und gab der Hoffnung Ausdruck, daß es ihm vergönnt sein möge, noch lange mit den lieben Kollegen und Schülern gemeinsam zu wirken. Mit einem 2. Chorliede schloß dann die würdige Feier. Auch von den älteren Schülern, von Freunden und Bekannten aus nah und fern waren zahlreiche Glückwünsche eingetroffen, unter andern hatte auch der hessische isr. Lehrerverein durch seinen Vorsitzenden Wertheimer-Heldenbergen seine Gratulation telegraphisch übermitteln lassen. Nachmittags traf auch das Comite aus Darmstadt ein und überreichte unter entsprechender Ansprache im Namen der früheren Schüler ein ansehnliches Geldgeschenk in Werthpapienn. Im trauten Familienkreise, im Verein mit den Kollegen wurde dann der Tag würdig gefeiert. Berlin, 16. Mai. Gegen die geplante Aufführung des vor mehr als zwanzig Jahren geschriebenen Stückes „Eleazar" im National- und Alexanderplatz Theater legte das Polizeipräsidium Einspruch ein und das Verbot wurde vom Oberprästdenten bestätigt. In der eingehenden Begründung wird auf angebliche Verstöße gegen Anstand und Sitte in dem konfessionelle Fragen berührenden Stück verwiesen und der polizeiliche Einspruch „um so mehr" als gerechtfertigt anerkannt, „als sich die beiden in Betracht kommenden Theaterbühnen in den Händen des jüdischen Theaterdirektors Sam ft befinden und dem Theaterpersonal zahlreiche Mitglieder jüdischen Glaubens angehören." Daß die hier angeführten Thatsachen unrichtig sind — Herr Dir. Samst erklärt, er sei Kind evangelischer Eltern und habe an seinem Theater seither nur ein Mitglied israelitischen Glaubens gehabt — ist völlig gletchgiltig. Bemerkenswerth ist nur, daß hier ausdrücklich betont wird, ein „jüdischer Theaterdtrektor" sei vor Gesetz und Gericht anders zu behandeln als ein nichtjüdischer. Am 27. Mai steht in der Angelegenheit Termin vor dem Oververwalmngsgericht an. Das Stück rührt von Fruu Louise Jeannette Christine Gutbter her, die zwei ihrer Vornamen zu dem Pseudonym „Jean Christ" verdichtet hat. Sie bat auch mehrere Novellen und ein Schauspiel „Debüt an der Hosbühne" geschrieben. Hamburg, 12. Mat. Im Jahre 1894 sind 5000 russische Juden nach England eingewandert. 2500 ließen sich in London nieder. Daß ste englischen Gemeinden zur Last gefallen find, kann nicht behauptet werden. Die jüdischen Armenräthe sorgen für ihre Glaubensgenossen in nachahmenswehrter Weise. Nvrderney Für viele Besucher unseres Seebades dürfte es von Jnterreffe sein zu erfahren, daß in Folge Einwirkens des Landrabbtners Dr. Löb in Emden die Mtkwoh der Synagogengemeinde Norden, zu welcher die Juden in Nordeney gehören, einer gründlichen Renovation unterzogen wurde, so daß dieselbe jetzt einen dezenten Eindruck macht. Oesterr.-Ungajr.Monarchte. J. Wie«, 14. Mai. „Krise hüben, — Krise drüben« ist die Signatur des Tages. Die Affaire Kalnoky-Banffy hat wohl genug Staub aufgewtrbelt und das öffentliche Interesse sehr in Anspruch genommen. Durch die nach der gestern Abend stattgehabten Conferenz des liberalen Parteiverbandes im Gemeinderathe erfolgte Erklärung des Bürgermeisters Dr. Grübl, auf seine Stelle zu resigntren, sowie durch die seitens des zu wählenden ersten Bürgermeister-Stellvertreters Dr.Richter, und des zweiten Stellvertreters M a tz e n a u er hat die Lage der htes. Stadtvertretung eine höchst eigenartige Wendung genommen, die naturgemäß das Thema in Wien bildet. Dr. Grübl sagte bestimmt, daß er ohne Majorität nicht regieren könne und als ihn gestern Mmister-Präsident Fürst-Windischgrätz zu sich beschted und von dem gefaßten Entschlüsse abbringen wollte, erklärte unser Stadtoberhaupt, unter den dermaligen Verhältnissen absolut nicht bleiben zu können. Die heute vollzogene Wahl fiel wohl zu Gunsten Dr. Richter's aus, der 70 Stimmen erhielt gegen Dr. Lueger, auf welchen sich 64 wackere Antisemiten, der gesammte Trotz, vereinigten, allein in der Nachmittagssttzung wird Dr. Grübl sein Ausscheiden verkünden, und

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