Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 40 (20.5.1895)
- Date
- 1895-05-20
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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752 Finsternis das Gebilde der Sonne und droht Halm und Blüten zu knicken, da treten Verleumder auf allen Seiten auf, die auf Israel als auf ein fremdes Volk Hinweisen — und das ist der Zeitpunkt, in welchem die Freunde einzugretfen hätten. Was zeigt sich aber da! Ein Pelont erscheint, der da schweigt, e8 fehlt ihm der Muth für den Freund einzutreten, oder was noch verurtheilenswerther ist, der Wille seine Macht in den Dienst der Freundschaft zu stellen; — oder er entpuppt sich als Almoni, der sich nicht scheut dem Hilfesuchenden zu antworten: „Ich kan» Dir nicht helfen irrwx -jo 'rHm m denn ich könnte meinem eigenen Elbgme schaden", der sich nicht schämt den alles gesellschaftliche Leben gefährdenden Egoismus als Mittel zu gebrauchen, um Verrath zu üben an der Freundschaft und deshalb Almon, beloh schem des Namens eines Freundes nicht werth ist. Daß das Judenthum, dessen Geschichte an zahlreichen Stellen solchen Treubruch vermerkt, sich dennoch den Sinn für Freundschaft bewahrt hat, ist einzig der göttlichen Vorsehung zu danken, welche demselben, wie einst der Ruth neben dem Peloni- Almont einen uneigennützigen Boas, Dank der Bildung und Aufklärung, Männer erstehen ließ, welche im Gegensatz zu den Vertretern der Selbstsucht, es offen und ungeheuchelt aussprechen: „Wenn auch er Dich nicht auslösen will, so löse ich Dich auS", mögen auch jene Schirm und Schutz euch versagen, so sind wir es dennoch, die für euch eintreten. — Wohl berührt es das Judenthum schmerzlich statt Anerkennung Verkennung von außen her zu ernten, doch unvergleichlich schmerzlicher berührt es dasselbe, wenn das Gift des JndifferentismuS, unterstützt durch Charakterschwäche und Eigennutz, im Innern sein Zerstörungswerk begonnen hat. Die eignen Söhne, welche doch in den Grundsätzen der Religion erzogen wurden, entziehen sich ihr unter dem Vorwände, sie könnten ihre Wege nicht weiter wandeln. Die sie Pfade der Anmuth genannt, sie sind ihnen nur Wege der Qual und des Zwanges. Was Wunder, daß man, die einst Naasseh wenischmoh geschworen, um das goldene Kalb tanzen sieht, htngegeben der Sucht nach Materiellem, vra nyb *\nn im den Geldbeutel als Gott anbetend, als Hort verehrend, ohne Verständnis für Höheres, ohne Begeisterung für Ideales! Die Opferfähtgkeit, die nicht selten sogar unseren Feinden Anerkennung abgerungen, ist es. die theils aus Muthlosigkeit, das ist Mangel an Gottvertrauen, theils auS Gleichgültigkeit, einer nicht unbedeutenden Menge in Israel fremd geworden ist. Doch auch diesem Peloni-Almoni in Israels Mitte, steht noch ein Boas gegenüber. Noch ist in Israel jene Kraft der Ueberzeugung nicht ausgestorben, die den wahren Israeliten befähigt, stch über gewisse Hindernisse, die seinem Streben nach Gottgefälltgkeit im Wege stehen, htnwegzusetzen. Der Midrasch bemerkt in sinniger Weise zu den Worten: ipk n>3 ,pjo* rhtt ,bb*f 35 r&n. DK Wege der am Sinai geoffenbarten Gotteslehre führen durch eine Kette von Hetligthümern, durch ein Leben der Gottesweihe und Frömmigkeit bis zum Beth-Aulomim, zum Endziele, dem Punkte vollendeten Glückes. Weiter erklärt der Midrasch: iwuw bedeutet by nA TT53-ij?, den Opfermuth, den Israel zu allen Zeiten so trefflich bewährt hat, der in jedem Israeliten, welcher mit der Geschichte seiner Ahnen vertraut ist, bei jeder Gelegenheit immer wieder entflammen und ihn zu immer neuen Thaten anspornen soll; denn Gotteskampf kämpft er, den Kampf um Recht und Wahrheit, um Tugend und Gesetz. Uid in diesem Kampfe muß Israel siegen, die Zeit muß und wird kommen, in der gleich wie Boas das Recht der Ruth ehrte und die Fremde zur Stammmutter von Königen und Fürsten machte, aufrichtige Freundschaft von außen verbunden mit der hingebungsvollen Treue im Innern Israels, das Judenthum an den Ort der verdienten Ehre setzt. M. Rosenfeld, Berlin. Zeitungsnachrichten und Correspoudeuzen. Deutschland. Pfungstadt, 6. Mai. Welche herrliche Blüthen durch das innige freudige Zusammenwirken von Lchrer und Schüler entstehen, zeigte uns die Feier, die am vergangenen Sonntag hier veranstaltet wurde. An diesem Tage beging das hiesige israel. Institut das 25jährtge Jubiläum eines seiner Lehrer, des Herrn Dr. Luß. Seit 25 Jahren ist dieser Herr an genannter Anstalt thättg, und er hat es verstanden, durch sein freundliches, aufrichtiges Wesen und durch innige Hingabe an die Schule und deren Interessen die Achtung und Werthschätzung seiner Vorgesetzten und Kollegen, sowie die Liebe und Verehrung der Schüler zu erwerben. So mußte sich der Tag, an dem diese 25jährige Thätigkeit gefeiert werden sollte, zu einem Ehrentag für Lehrer und Schüler gestalten. Bereits vor einem halben Jahre hatte sich zu diesem Zwecke im nahen Darmstadt ein Comite gebildet, das alle früheren Schüler zu einer Ehrung des geliebten Lehrers vereinigen wollte. Der Jubilar selbst hatte stch aber eine größere öffentliche Feier verbeten und so beschränkte man sich, diesem Wunsche entsprechend, auf eine einfache Schulfeier im JnstitutSgebäude, die am vergangenen Sonntag abgehalten wurde.