Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 40 (20.5.1895)
- Date
- 1895-05-20
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXXHi.^Jahrgimg. Der 7wf *w.9ci^j*^^!r^wytu'-V-'^yT''J*y,-'w -v-y Israelit Ein Kentrat-Hrgan für das orthodoXe Iudentßum. Begründet von D*. Lehmann in Mainz. Montag, den 20. Mai 5655 (1895). Leitender Artikel. Htutß, — ein Sinnöikd Israels. Wie wir, nach der weisen Vorschrift unserer Alten, beim Neuaufleben der Natur, am Peßachfeste, wenn alles um uns blüht und prangt, das Hohelied des Frühlings und der Freundschaft, der Freiheit, Jugend und Liebe zur Hand nehmen, so veranlaßt uns das Schowuosftst, das F-st des Sommereintritts, jenes Buch der Bibel aufzuschlagen, dessen G.schtchte sich namentlich um diese Zeit abspielte. Die Heldin des Hohenliedes wurde und wird noch alljährlich in den Synagogen als Sinnbild Israels behandelt. Ihre nach Liebe und Freundschaft schmachtende Seele ist unverkennltch dvr Grundzug des israelitischen Volkscharakters, der ohne Schranken Liebe übt und unbekümmert um Zurücksetzung, Hatz und Anfeindung, die Verwirklichung feines Ideals, der allgemeinen Menschenliebe, erhofft. Wie berechtigt auch immer der Vergleich zwischen Sulamith und Israel sein möchte, so ist er es doch nicht ausschließlich und nicht der einzige; sondern fast alle unsere hehren biblischen Ltchtgestalten weisen in vielen Zügen große Berührungspunkte mit Israel auf. Zu diesen Lichtgestalten, auf welche uns das „herrlichste Idyll" Ruth lenkt und deren Aehnlichkeit sowohl mit Juden, als auch mit Judenthum einem jeden aufmerksamen Bibelleser auffallen muß, gehören vor allem Ruth und Boas. Ruth kommt, nachdem sie Eltern und das Land ihrer Väter verlassen hatte, in eine ihrem Heimathsvolke gewissermaßen feindliche Fremde. Die Frage, wie es ihr da ergehen könne, ob sie vor Roth und Mangel geschützt sein würde, wird durch die liebevolle Sorge um Roami zurückgescheucht. Roamt ihrerseits sucht nun, von dem echt jüdischen Gefühle der Dankbarkeit veranlaßt, dieselbe auf Freunde aufmerksam zu machen, die ihr ihre Treue vergelten und das Gute, das sie der Roami erwiesen, belohnen können. Ruth findet nun bald nach ihrer Ankunft in Betlehem zwei verschieden geartete Freunde; Boas war der eine — Peloni.Almoni der andere. Das gar merkwürdige Verhältniß dieser Freunde zu Rach ist es wesentlich, das uns Ruth als Symbol der Inden und des Judenthums erscheinen läßt. — Das nach Verlust seiner staatlichen Unabhängigkeit in alle Völker zersprengte Israel wurde zuwetlen von der Sonne wahrer Freundschaft umstrahlt, hat aber auch oft enttäuscht erfahren müssen, daß nicht alles Gold sei, was glänzt, n'cht alles echte und rechte Freundschaft, was sich als solche kund gibt. Große Männer, die vom Vorurtheile der Menge sich loszureißen den Muth hatten, wie auch endlich größere Volksmaffen schmiegten und schmiegen sich Israel in Freundschaft an. Sie rufen ihm zu foy, ’rbn iw:h ’DVn irx vftN Tnbw 'vp: W:r wollen zusammen handeln und wandeln, gemeinsame Wege wollen wir ziehen, jeder Unterschied, jede Schranke falle, ein Volk laßt uns sein, eine Nation heißen, Wohl und Wehe, Schmerz und Freude wollen wir brüderlich und freundschaftlich theilen und zusammenempfinden, ja selbst in religiöser Beziehung ein Ziel, und zwar die Veredelung und Verklärung der Menschheit anstreben! Wie sehr erhebend auch solche Zurufe sein mögen, wie sehr sie auch befreiend und erlösend auf das Herz eines Verkennung und Unterschätzung fast gewohnten Volkes wirken mögen, so erhalten sie dennoch ihren vollen Werth erst dann, wenn sie sich in Thaten umsetzen. Und wann verdienen solche Handlungen den erhabenen Titel Thaten der Freundschaft mehr als in der Roth! Roth aber ist in Israel nicht neu. Wenn das Judenthum einer Pflanze gleich, sich eine Zeitlang in der belebenden Wärme der' Freundschaftssonne emporgesireckt und seine ihm innewohnenden Kräfte sich zu entfalten begonnen, wenn es Blüten getrieben und Früchte zu bringen verspricht, da umtobt der Sturm der reaktionären