Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 39 (16.5.1895)
- Date
- 1895-05-16
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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;^T^ -7^7.-^"7: >5L" "ft '^7-- V 741 wardt's pflegen zu ihrer Ausbildung durch irgend einen jungen Menschen einen jüdischen Handelsmann in die Werkstatt holen zu lassen, der dann auch in der Hoffnung auf ein Geschäft nicht lange auf sich warten läßt. Zunächst beginnt dann nach allen Regeln der Kunst das Feilschen um alte Kleider. Seitens der Schneider wird der Handelsmann endlich dazu gedrängt, drei Mark anzuzahlen. Nun schlägt die Stimmung um, die Gesellen werden sich ihrer antisemitischen Gesinnung bewußt, und nachdem der Handelsmann mit ihrer Fluth von Kosenamen nach dem Herzen der Führer im Kampfe überschüttet worden, wird er gewaltsam vor die Thür gesetzt. Damit ist die Sache aber keineswegs erledigt, sondern nun erfolgt erst die Hauptsache, denn der tüchtige Herr Soult erstattet dann noch gegen den Hinausgeworfenen die Anzeige, weil dieser, ohne hierzu aufgefordert zu sein, seine Werkstätte betreten habe, um nach alten Kleidern zu fragen. Ein solches Opfer des tapferen Soult und seiner Heerschaar hatte sich in der Person des Handelsmanns Moses Bäcker gestern gegen die Anklage der Gewerbe-Uebertretung zu verantworten. Er versicherte, daß er nicht ungerufen gekommen sei. Er habe vielmehr de direkte Weisung erhallen und befolgt, wozu er auch berechtigt sei. Die drei Mark, die er angezablt, habe er noch nicht zurückerstattet erhalten. Die letztere Behauptung wurde von Soult bestätigt und mit — Naivetat dadurch erklärt, daß die „Polizei das Geld habe nicht annehmen wollen " Erst im Gerichtssaal wurde dem Moses Bäcker sein Geld auSgehändigt. Der Fall Moses Bäcker ist bereits der dritte derartige Proceß, in dem Herr Soult als „Zeuge" zu erscheinen hatte. Moses Bäcker wurde unter den obwaltenden Umständen natürlich freigesprochen. Hoffentlich hat die Sache noch ihr Nachspiel. Einbeck (Prov. Hannover), im März. Herr B. Meyersfeld in Braunschweig, ein gcborner Eindecker, hat einen neuen Beweis seines lebhaften Interesses für unsere Stadt gegeben. Nachdem er unlängst dem hiesigen Verschönerungs-Verein 500 M. als Beitrag für den Bau eines Anssichtsthnrmes übersandte, hat er nunmehr der israelitischen Gemeinde die Summe von 20,000 M. zum Bau einer Synagoge als Schenkung überwiesen. Die Gemeinde will bereits in allernächster Zeit mit dem Ban beginnen. Stuttgart, 29. April. Der Berichtüber die Purimunterhaltung des von Hrn. Kirchenrath Dr. Kroner gegründeten israelitischen Jünglingsvereins war auch zwischen Pcsach und Schabuoth noch erbaulich zu lesen, zumal die Mittheilung darüber wie sinnig dieser Verein in seiner Gesammtthätigkeit, das was angenehm ist und was nutzt und frommt, zu verbinden weist. Es wird daher gewiß allen Gutgesinnten eine wahre Herzensfreude bereiten, auch ferner im „Israelit" vom Jünglingsverein zu vernehmen, insbesondere aber, daß zahlreiche Mitglieder dieses Vereins, der die Förderung der Religion erstrebt, zunächst selber und zu eigenem Nutz und Frommen sich aufraffen und von der öffentlichen Entweihung des Sabbats und Verletzung der Speisegesetze hinweg, zu gottgefälligerem Wandel zurückkehren werden. iS* WeiSweiler. Am zweiten Tag riD£ starb Hierselbst der Vorsteher unserer Gemeinde, Herr Samuel Meyer im 79. Lebensjahre. Derselbe war während eines halben Jahrhunderts QT)D unseres kleinen Gemeindewesens. Wenn es als eine seltene Erscheinung genannt zu werden verdient, daß ein Mann 50 Jahre ununterbrochen als Führer und Leiter einer Gemeinde vorgestanden, so findet diese in der einfachen Thatsache ihre Erklärung, daß alle Mitglieder ihre Angelegenheiten in so fester und bewährter Hand wußten, daß die Worte rUIDNn “VQy pDiy auf ihn volle Anwendung fanden. Im bürgerlichen Leben genop er in Folge seines strengen, rechtlichen Sinnes die Achtung aller Menschen ohne Unterschied des Glaubens und dieses Vertrauen erhielt durch sein langjähriges Wirken im Gemeinderath beredten Ausdruck. Gegen seine unparteiische Leitung der Gemeinde Angelegenheiten erhob sich nie der mindeste Widerspruch und wie er selbst, von echter Frömmigkeit durchdrungen, stets einer der ersten im Gotleshanse war, so wirkte auch sein Beispiel veredelnd auf die übrigen Gemeindeglieder in Betreff des Anstands und der Ordnung in demselben. Jede Einrichtung, die zur Hebung echter Neligiosttät beitragen kann, ward durch ihn gefördert; jede Verbinduilg, die den geistigen Aufschwung unserer Glaubensgenossen zum Ziele hat, sowie solche, die daS materielle Wohl der ärmeien Klassen za fördern streben, fand in ihm nicht allein einen thät'gen Sachwalter, sondern auch einen persönlichen Gönner. Unsere Gemeinde wird sein Andenken dadurch zu ehren und zu erhalten suchen, daß sie die von ihm uns überlassenen geistigen Güter im Sinne des Verstorbenen pflegen und verwalten. *pH301 jj’pnn "imp, ITH*’ D’?’3lPDni .nyi q*3:d3 D’inn Wien. Der Rechenschaftsbericht über die Thätigkeit des Vereins zur Beförderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten im vierundfünfzigsten Jahre seines Bestandes wurde der Oeffentlichkeit übergeben. Der Verein, welcher Jahre hindurch eine stetig gesteigerte Wirksamkeit zu entfalten in der Lage war, mußte sich im letzten Jahre eine Reserve in der Neuaufnahme von Zöglingen auferlegen, weshalb er mit Schluß des Jahres nur einen Stand von 789 Knaben gegenüber 795 bet Beginn aufzuweifen vermag. Zu diesem Vorgehen sah er sich aus dem Grunde veranlaßt, weil keine Sicherheit dafür besteht, ob Herr Baron Hirsch, welchem der Verein seit 1888 eine jährliche Subvention von fl. 14,000 verdankte, diese ihm auch in Hinkunft zuwenden werde. Die Subvention wurde inzwischen für das kommende Jahr, auch nicht im vollen Betrage, bewilligt. Von dem Bestreben geleitet, die regulären Einnahmen nach Möglichkeit zu erhöhen, ist der Verein im abgelaufenen Jahre an alle größeren Gemeinden der Provinzen mit der Bitte um Bewilligung von Subventionen herangetreten, in der Erwartung, daß sie es als Ehrenpflicht ansehen würden, den Verein, dessen Wohlihaten hauptsächlich ihren Kindern zu Gute kommen, werkthätig zu unterstützen. Eine Anzahl von Gemeinden, zumeist Mährens/ hat sich auch vom Jahre 1895 ab bereit erklärt, dem Vereine jährliche Beiträge zukommen zu kaffen dessenungeachtet ist die Gesammtsumme der bewilligten Subventionen im Verhältnisse zn den Lasten eine verschwindend kleine, und der Verein sieht sich daher genothigt, die eindringliche Bille an alle Provinzgemeinden zu wiederholen, ihn, der sich ihrer armen Ortsangehörigen annimmt und alljährlich Tausende für deren Erhaltung und Bekleidung verausgabt, durch Bewilligung von Subventionen wenigstens zu einem kleinen Theile schadlos zu halten. Die Jahresbeiträge haben sich um ein Geringes erhöht und dieser Erfolg wird in erster Reihe dem Cultusvorsteher in Brünn, Herrn Hermann Epler verdankt, dessen Intervention den Beitritt einer Anzahl von Mitgliedern zur Folge hatte. Als Act besonderer Munisicenz wird die Spende von fl. 1000 verzeichnet, welche Herr Maximilian Paul-Schiff dem Vereine zuwendete. D.e Einnahmen betrugen im Jahre 1894 34,200 fl., worunter 7000 fl. Rückvergütungen. Die Ausgaben betrugen 30,300 fl. Zum Schluffe wird noch besonders dervorgehoben, daß die Schützlinge des Vereines in den Fortbildungs- und Fachschulen sowie im technologischen Gewerbemuseum die besten Erfolge aufweisen, und die Zahl Derer nicht gering ist, die im verflossenen Jahre seitens der