Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 39 (16.5.1895)
- Date
- 1895-05-16
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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742 ■ ' Schuldirection mit Sparcaffabüchern und Diplomen prämiirt wurden, womit der Beweis geliefert ist, daß diese Knaben, die ohne den ihnen gewährten Beistand verkommen, eine Last der Familie und der menschlichen Gesellschaft geworden wären, Lust und Liebe zum Handwerke beseelt und daß sie nach wie vor im Stande sein werden, als Apostel der Wirksamkeit des Vereines den Vorwurf der Arbeitsscheu glänzend zu widerlegen. Ein solches Werk fördere aber Jeder, der für seine GlaubenSgenoffen Herz und Gefühl hat! Dem Vereine stehen gegenwärtig Herr JacqueS BrandeiS als Präsident nnd Herr Gustav Simon als Vice- Präsident vor. Wien, 8. April. Der ReichSrathsabgeordnete Dr. Rapaport v. Porada hat der Gemeinde Krakau fl. 1000 für 20 arme jüdische Professionisten für die Feiertage gesendet. L». New-Dork. DaS hier erscheinende Witzblatt Puck, obwohl im Besitze von Juden, leistet in der Verhöhnung der Juden und alles Jüdischen wirklich hervorragendes. Nur Schade, daß dem Antisemitismus mehrerer deutschen Zeitungen dadurch so wirksam vorgearbeitet wird. — Die Vereinigten Staaten beabsichtigten eine Anleihe auszunehmen und verhandelten deßwegen mit Rothschild. Kaum waren diese Verhandlungen bekannt geworden, als eine Menge Zeitungen sich dagegen erklärten, aber während dies ihr unbestreitbares Recht ist, ist auf das tiefste zu bedauern, daß auch in unserem freien Lande jetzt dar mittelalterliche Feldgeschrei gegen die Juden als Gauner und Betrüger erhoben wird. Sogar ein Kongreßmitglied Mr. Robinson, JllonoiS hat im Kongreß in diesem Sinne gegen die jüdischen Bankiers gesprochen. — Aus San Francisco kommt die Nachricht, daß das dortige jüdische Organ „Jewish Progreß" eingeht, weil Dr. Vorsänger, der R>dac» teur, anderweitig in Anspruch genommen ist. — Der Verein für jüdische Freischulen beklagt sich in seinem Jahresbericht, daß während für Hospitäler und Waisenhäuser enorme Summen jederzeit beschafft werden, eS so schwierig ist für geistige Zwecke Geld auszubringen. (Ganz wie in Deutschland! Die Redaction.) Immerhin wurden ca. 63000 Mark für die Freischulen zusammengebracht, in denen 1038 Knaben und 2265 Mädchen unterrichtet werden. Feuilleton. Nur eine Tochter. c3* Erzählung von H. Berger. 4O.) (Alle Rechte Vorbehalten. (Schluß statt Fortsetzung.) So lange ihr Kind so krank war, konnte sie (M die Ausführung ihres Racheplancs nicht denken, denn sie wollte die Feindin empfindlich treffen, sie schlagen an dem, was ihr Herz am liebsten hatte. Was hat eine Mutter lieber als ihre Kinder? Mit der ganzen Kraft ihrer Liebe hängt ihr Herz an ihnen. Die Kinder mußte sie also schlagen, um die Mutter zu treffen, sie ihr entfremden, den Vater in ihren Augen verächtlich machen, um den Schlag herbeizuführen, der sie am Marke ihres Lebens treffen soll. Greta war eine grausame, unversöhnliche Feindin; wenn es galt, ihren Haß zu befriedigen, schreckte sie selbst vor einem Verbrechen nicht zurück. Anny wußte nichts von der unversöhnlichen Feindin, die sie hatte. Ihr gutes Herz dachte nicht daran, daß eine Wohlthat so schlecht gelohnt werden könne. Gretas Kind lag an Scharlach und DkphterittS krank. Der Arzt, der es behandelte, gab wenig Hoffnung auf Genesung und verbot der Mutter, in Häusern, wo Kinder sind, zu verkehren. „Ich habe keine Bekannte, mit denen ich verkehre, am hiesigen Platze," hatte Greta ihm auf dieses Verbot erwiedeit. „Um so besser!" hatte der Arzt gesagt, als er sich entfernte. Kaum war der Arzt fort, da zuckte ein teuflischer Plan durch das Gehirn der Bettlerin. Wie wäre es, wenn sie der Feindin die Krankheit ins HauS brächte, wenn deren Kinder davon ergriffen und sterben würden. Wäre das nicht eine süße Rache? Ja, das will sie thun. Ein häßliches Lächeln umsvielte ihr von Leiden und Laster zerstörtes Gesicht; sie denkt an den Schmerz, an den Kummer der Feindin, wenn deren Kinder auf der Todtenbahre liegen. Auf rafstlktrte Weise fing sie an, ihren Plan auszuführen. Greta von Toussaint wußte Süßigkeiten, die zuvor in innige Berührung mit dem kranken Kinde gebracht worden waren, in die Hände des jüngeren Knaben gelangen zu lassen, der sie, nichts ahnend von ihrer verderblichen Eigenschaft, verzehrte und auch seinen älteren Bruder davon kosten ließ. Als dies geschehen, wartete sie die Wirkung der abscheulichen That ab. Aber Gott wacht über den Kindern. Der entsetzliche Anschlag mißlang. Greta von Touffaint aber war von einem Geheimpolizisten beobachtet worden. Sie wurde verhaftet, unter Anklage gestellt und büßte ihr Verbrechen mit einigen Jahren Zuchthaus. Familie Pretorias erfreut sich noch heute des höchsten Glückes und großen Ansehens bei Allen, denen es vergönnt ist, sie zu kennen. Briefkaste« der Redaction. Lehrer Oppenheimer in Crumstadt. Die gewünschte Adresse ist: Stellen-Nachweis-Verein für jüdische Kaufleute in Breslau, Schwertstraße 5. Briefkasten der Expedition. S. G. in Turin, M. H. in L.r Betrag erhalten. Bad Harzbarg. "ICO Restaar. Pensionshaus. Billa Coueordia, Bergstr. a. Walde. Unter Aussicht Sr. Ehrwürden d. Herrn Rabb. Dr. Auerbach, Halberstadt. Eleg. Zimmereinrichtung. Neue Betten. Luftiger Speisesaal. B^rzügl. Verpflegung. Jeden Sonnabend Gottesdienst. llax Hecht.