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Der Israelit · 1895-05-16 · Heft 39 (16.5.1895) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 39 (16.5.1895)
Date
1895-05-16
Page
– (sequence 8)
Language
German
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738 von den Schweden im Sturme genommen ^würde, denn wenn die Stadt gleichzeitig von zwei entgegengesetzten Seiten angegriffen würde, und wir unsere ohnehin schwachen Kräfte theilen müßten, würde es uns schwer fallen, die ausgedehnten Stadtmauern der Alt- und Neustadt genügend zu besetzen. Allein ich halte die schtvedischen Generale für viel zu klug, als daß sie mit einen: großen Aufwande von Menschenopfern eine Position erobern wollten, die sie nicht die kürzeste Zeit zu halten vermöchten. Wer den Hradschin und die Kleinseite besetzt hält, ist auch Herr der Alt- und Neustadt. Bor dem Geschützfeuer, das wir Tag und Nacht unterhalten würden, könnte kein Feind auch nur vierundzwanzig Stunden auf der Altstadt Stand halten, er würde dort unter den Trümmern der Stadt begraben werden. — Wie ich schon gesagt habe, einen solchen Fehlgriff trau ich den kriegskundigen schwedischen Fcldherrn nicht zu. Daß die Schweden aber eine regelmäßige Belagerung der Stadt vornehmen wollten ist zu unwahrscheinlich; um sie von allen Seiten einzuschließen, bedürften sie einer vierfach größeren Truppenmacht als in ganz Böhmen liegt." Colloredo nickte den Auseinandersetzungen Waldsteins Beifall zu und als dieser geendet, wandte er sich an Schmiedl: „Ich erbitte mir nun auch Eure Meinung Herr Oberstlieutenant." „Es fällt mir schwer," erwiederte der Gefragte „mir über die Absichten des Feindes ein Urtheil zu bilden. Wir befinden uns seit längerer Zeit ohne Nachrichten von den verschiedenen Kriegsschauplätzen. Daß die Unsrigen den Schweden eine entscheidende Niederlage beigebracht haben, wird auch der Hoffnungseligste nicht annehmen, weil diese sonst befürchten müßten zwischen zwei Feuer zu gerathen imb ihre gefährdete Stellung aufgegeben hätten. Wir können daher im günstigsten Falle nur darauf rechnen, daß unsere, den Schweden inr Reiche und in Mähren gegenüberstchende Generale, sie durch ihre Positionen dazu zwingen ihre Stellungen beizubehalten und sie verhindern die feindliche Armee in Böhmen durch Zuzüge zu verstärken. Allein das kann sich in kürzester Zeit ändern, es können ja auch frische Truppen aus Schweden nachgeschickt werden. Was die weitern Auseinandersetzungen des Herrn Obersten betrifft," fuhr Schmiedl nach kurzer Pause fort „glaube ich allerdings, daß der links der Moldau gelegene Theil Prags nicht leicht durch Erstürmung genommen werden kann; allein nach meinen eigenen Kriegserfahrungen muß ich es bestreiten, daß dies absolut unmöglich wäre. Ich habe oft genug gerade in solchen Dingen das Unerwartetste eintreten sehen. Auch der Meinung des Herrn Obersten, daß die Schweden darauf verzichten werden die Altstadt zu erobern, weil sie sich dort nicht hallen könnten, kann ich nicht beipflichten. Wir könnten ja die Altstadt nicht mit jener Heftigkeit beschießen, als wenn sie eine feindliche Stadt wäre. Wir haben ja Rücksichten zu nehmen, die Bürger zu schonen. Des Kaisers Majestät würde es uns wenig Dank wissen, wenn wir den bei Weiten: größern Theil der königlichen Hauptstadt Prag mit seinen zahlreichen Kirchen und Palästen einäschern, das Eigenthum treuer Unterthanen zerstören, die Steuerkraft des Landes schädigen würden." Waldstein unterbrach den Oberstlieutenant hastig. „Ich bedauere es einen erfahrenen Offizier darauf aufmerksam machen zu müssen, daß es im Kriege die höchste Pflicht eines braven Soldaten und treuen Dieners seines kaiserlichen Herrn ist, dem Feinde ohne jede Rücksicht, nach bester Möglichkeit Schaden zuzufügen. Stände ich als Befehlshaber eines Belagerungskorps vor einer Festung ich würde sie — wenn dies das einzige Mittel wäre den Feind zu vernichten — auch wenn sich in derselben mein Weib, meine Kinder, meine Eltern, ineine Geschwister befänden, unbedenklich in Brand stecken." (Fortsetzung folgt.) Der B t a e l i t" erscheint wöchentlich zweimal, MoutagS und Donnerstags, jedesmal in mindesten» zwei Bogen. Prei» de» Jahrgang» für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für'S Ausland 16 RetchS-Mark. Man adonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch Ar» Ouchhaudrl pt Aqtrtzr« Art <. $. Ktrinuckrr, Leipzig, Deßplah 16. — Inserate 2b Pfennig die viergespaltene Petttzeile oder deren «am». — Oesterreichische Banknoten laut Sour». — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für'» Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Ei«e NHSfendnng von an die Redaction ringesandte» Mauuscripteu findet nicht statt, «an bittet deshalb sich von ave« Einsendungen eine Copie znrückzubehalte». Inhalt (Danptblatt)r Leitender Artikel: Sefiragedanken von Rabbiner Dr. Daniel Fink, Zwittau. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Leipzig. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. — Schweiz: Basel. — — Vermischtes. — Feuilleton: David Speier. Historischer Roman aus der Zeit des dreißigjährigen Krieges. Von G. Kohn. Inhalt der erste» Beilage: Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Memel. Hamburg. Kempen. Düsseldorf. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. Budapest. — Vermischtes.— Feuilleton: Nur eine Tochter. (Schluß.) _Inhalt der zweite« Beilage: Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. — Aus jüd. Vereinen, Schulen u. Stiftungen. Berantworlliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition de» .Israelit", Schottstraße Rr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschast in Mainz. Hierz« zwei Beilagen.

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