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Der Israelit · 1895-05-16 · Heft 39 (16.5.1895) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 39 (16.5.1895)
Date
1895-05-16
Page
– (sequence 7)
Language
German
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737 Bon allen bei diesen Weltkämpfen betheiligten Mächten ward das Haus Oesterreich am furchtbarsten heimgesucht. Es war von dem Urbeginne des Kampfes, bis dessen letzter Stunde ununterbrochen in aufreibendester Weise in Aktion geblieben. Es hatte zuweilen, gleichzeitig auf mehreren Kriegstheatern, die viele hundert Meilen von einander entfernt lagen, agiren müssen. Vom schwarzen Meere bis zum Rhein, vom Moldauufer bis zum Belt wehten feine Fahnen; oft waren seine Armeen siegreich in entfernte, fremde Lande, eben so oft feindliche Heere in österreichische Provinzen eingedrungen. In den letzten Monaten des Jahres 1647 waren die Schweden in Böhmen eingerückt. Ein Corps kam unter dem Generallieutenant Grafen Königsmark aus Baiern und hatte nach einer längeren Belagerung die Grenzfestung Eger eingenommen, ein zweites unter Feldzeugmeister Wittenberg über Mähren. Die Schweden besetzten einen Theil des Landes, den sie durch Plünderung und Raub aussogen. Die Kaiserlichen hatten sich unter dem Höchstkommandirenden in Böhmen, Generallieutenant Graf Rudolf Colloredo nach der Landeshauptstadt Prag zurückgezogen. In dem Kabinete des Generallieutenants Grasen Colloredo, der sein, auf der Kleinseite gelegenes Palais bewohnte, saßen an einem mit Karten und Plänen bedeckten Tische drei Herren. Obenan Graf Colloredo in bequemer Hausunisorm. Er war ein hochgewachsener, magerer, aber kräftiger, sehniger Mann. Sein Haar war eben so wie der Schnurr¬ und Knebelbart, schon stark ergraut, aber seine hellen blauen Augen glänzten noch wie jene eines Jünglings. Die Kriegsstrapazen, denen er in zahllosen Feldzügen ausgesetzt gewesen, schienen spurlos an ihm vorüber geschritten zu sein. Er war sehr oft verwundet worden, aber merkwürdigerweise hatten seine zahlreichen Blessuren keine äußerlichen erkennbaren Spuren zurückgelassen. Colloredo hatte sich schon viele Verdienste um das Haus Habsburg erworben, er hatte sich in hervorragender Weise bei der Vereitelung des von Wallenstein geplanten Abfalles ausgezeichnet ler war zur Belohnung dafür mit der Herrschaft Opoceo belehnt worden) und hatte mit großer Tapferkeit vor Mantua und bei Lützen gekämpft. — Rechts neben ihm saß der Reiter-Oberst Graf Max Waldstein, ein Herr von 29 bis 30 Jahren mit einem gut gefärbtem italienischen Gesichte, einer stark gebogenen Nase, einem schwarzen Schnurrbart und dunkeln feurigen Augen. Dieser hatte sich während des Feldzuges bestrebt, es durch Eifer vergessen zu machen, daß er ein Verwandter des Verräthers Wallensteins sei. — Er trug einen Brustküraß, lederne Beinkleider und hohe Reiterstiefel. Ihm gegenüber, links vom General, saß Oberstlieutenant Schmiedl, ein kurzer stämmiger Mann von etwa fünfzig Jahren, mit einem langen grauen^Schnurrbarte, der weit über sein martialisches Gesicht hinausragte. Er trug die Uniform des Regimentes Tiefenbach, dessen Kommandeur er war. Die beiden Offiziere standen einander, ohne dies offen auszusprechen, feindlich gegenüber. Waldstein, Hocharistokrat, sah auf den bürgerlichen Schmiedl mit Geringschätzung herab, und dieser, welcher von der Picke auf diente, beneidete den jüngeren Waldstein, der trotz viel kürzerer Dienstzeit, einen höheren militärischen Rang als er einnahm. Waldstein würdigte auch die Fußwaffewelcher Schmiedl angehörte, nicht nach Gebühr, während dieser behauptete, die Zeiten wo die Reiterei das Schicksal der Schlachten entschied, seien längst vorüber und Fußvolk und Artillerie bilde den Kernpunkt der Armee. Sie stimmten nie in ihren Ansichten überein und wenn sie sich bei ihren Wortgefechten bemühten, den äußern Anstand zu wahren, war doch jeder von ihnen froh, wenn er dem Andern einen kräftigen Seitenhieb versetzen konnte. „Es hat sich in den feindlichen Positionen nichts geändert", eröffnete der Generallieutenant die Besprechung. „Es sind, wie ich erfahren habe, keine feindlichen Verstärkungen eingetroffen. Die Schweden haben sich in ihren Winterquartieren häuslich niedergelassen. Ich glaube, daß sie die Campagne geschlossen, heuer nicht mehr aggressiv Vorgehen, und wir daher einen Angriff auf Prag nicht mehr zu erwarten haben." „Ich bin ganz Euerer Meinung, Euer Gnaden Herr Generallieutenant" ergriff Waldstein das Wort. „Die feindliche Truppenmacht in Böhmen, die wir auf fünf bis sechstausend Mann schätzen, ist viel zu gering, als daß die Schweden es versuchen sollten, Prag zu erobern. Wir verfügen hier allerdings nicht über zahlreiche Streitkräfte, unsere Besatzung ist kaum dreitausend Mann stark und reicht nicht zur Vertheidigung einer so ausgedehnten Stadt aus, allein uns kommt die günstige Lage Prags zu statten. Der rechts der Moldau liegende Theil der Stadt, die Kleinseite und der Hradschin sind uneinnehmbar. Die Schweden werden von ihren gut besoldeten Spionen erfahren haben, daß wir sechszig Geschütze, große Vorräthe an Kriegsmunition besitzen und von den Höhen des Hradschins die ganze Umgebung dominiren. Eine Sturmkolonne, die gegen die Kleinseite oder den Hradschin anrückte, würde durch den Kugelregen von unseren Wällen, nicht decimirt, sondern in solcher Weise niederkartäscht werden, daß nicht der zehnte Mann an die Sturmleiter käme, und man die Hand voll Menschen, die übrig bliebe, wenn sie denn noch so tollkühn wären die Stadtmauern ersteigen zu wollen, wie Raupen vom Baume abschütteln würde." Er lachte kurz auf. „Was die Alt- und Neustadt betrifft," fuhr er nach kurzer Pause fort, „wäre es allerdings möglich, daß sie

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