Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 38 (13.5.1895)
- Date
- 1895-05-13
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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rr*%**TT*7**'' 126 deS Angeklagten führte aus, die Voraussetzungen deS ß 166 seien weder subjektiv noch objektiv gegeben. Der Antisemitismus richte seine Angriffe nicht gegen die jüd. Religion, sondern gegen die Rasse. DaS Reichsgericht habe in zwei ähnlichen Talmudklagen diese Anschauung vertreten. Die Geschworenen erklärten den Angeklagten für nichtschuldig, worauf dessen Freisprechung erfolgte. Halle a. S., 3. Mai. Die hiesige antisemitische „Hallesche Reform" ist gestern selig entschlafen. Die Redaktion gibt für das Eingehen des Blättchens folgende Gründe an: 1. Werde das Unternehmen von der hiesigen Deutschsocialen Partei bezw. von einzelnen Mitgliedern derselben untergraben; 2. Verzichte die Landbevölkerung im Sommer auf das Lesen von Zeitungen (Wenigstens solcher vom Schlage der „Reform"! Die Red.); 3. Gehe das bessere Publikum in die Bäder, und 4. Mangele es an Opserfreudigkeit der antisemitischen Bürgerschaft Halle's. Das Blatt stellt deshalb sein Erscheinen „bis auf Weiteres" ein. Komisch berührt diesem kläglichen Abgänge gegenüber ein Jubelhymnus, den das Blatt noch am 24. April, also 8 Tage vorher, darüber anstimmte, daß die Auflage im letzten Jahre von 2000 auf 3000 gestiegen sei. Es war also nichts als Flunkerei. Ballenstedt a. Harz, 22. März. Frau Wwe. Mirjam Srligsohn hier hat vom Kurzem, in einem Alter von 91 Jahren ihr Leben in der größten Geistessrische vollendet, das nur ein Streben, ein Ziel hatte: Gott und sein heilige- Wort. Die Heimgegangene entstammte einer hervorragenden, äußerst frommen Familie. Sie war eine 7TI n^N in der Worteweitgehendster Bedeutung, eine musterhafte, eine seltene Frau. Sie war sehr tugendhaft und gottesfürchtig. Bis zu ihren letzten Stunden genoß sie nichts ohne Vor- und Nach ,-1212. Fortwährend flüsterten ihre Lippen, trotz der heftigsten Schmerzen, an denen sie in der letzten Zeit litt: „Gott, leite mich zu deiner Frömmigkeit." Seit mehreren Jahren hier wohnend, erfreute sie sich einer hohen Achtung und Beliebtheit unter allen Einwohnern der Stadt, bei Juden und Christen ohne Ausnahme, was sich an der großen Theilnahme beim Leichenkondukt deutlich kundgab. An ihrem Grabe gab ihr Schwiegersohn Herr Jos. Danziger- Halüerstadt, in beredten Worten seinem Schmerze Ausdruck. Möge ihr HDT den Hinterbliebenen ein Beistand und Trost sein! M. KorwalSki, Cantor. Durch eine Aether-Explosion sind kürzlich auf dem Bahnhof in Warschau >7 Personen verletzt worden. ES stellte sich heraus, daß die Explosion beabsichtigt war, um einen jüdischen Kaufmann, der zur Hochzeit seiner Tochter nach Mlawa reiste und 15,000 Rubel bei sich führte, berauben zu können. Die Thäter sind zwei junge Kaufleute, die lebensgefährlich verletzt wurden, während der Kaufmann mit unbedeutenden Brandwunden davonkam. Gprechsaal. (Für alle unter dieser Rubrik erscheinenden Artikel übernimmt die Redaclion dem Leserkreise gegenüber keine andere als die preßgefetzliche Verantwortung.) Mainz, 10. Mai. Im Sprechsaal zu Nr. 37 läßt sich eine offiziöse Stimme über „den Verband der Deutsch-Israel. Lehrcrvereine" hören, nach welcher der Gemeindebund gewillt sei, einzelne, in Zuschriften und . in den Zeitungen beanstandete Puntte seiner „Leitsätze" fallen zu lassen, das Recht aber, ein Mitglied mit beschließender Stimme in den Verbandsvorstand zu deputireu, aufrecht zu erhalten. Der Gemeindebund verzichte darnach auf die Controllirung der Verbandskasse, ebenso darauf, daß zwei Vorstandsmitglieder ihren Wohnsitz in Berlin haben sollen, und habe er nichts dagegen, wenn ein anderer Platz als Berlin zum Sitze des Verbandes bestimmt werde. „Die Committirung eines Mitgliedes in den Verbandsvorstand," verkündet die offiziöse Stimme, „erscheint dem Gemeindebunde mit Rücksicht auf die Gewährung und Verwaltung des von ihm zu leistenden Zuschusses wohl begründet; zudem dürfte der eine Deputirte des Gemeindebundes bei 6 oder 8 Vorstandsmitgliedern wohl kaum dec Selbstständigkeit des Verbandes gefährlich werden." Also, weil der Gemeindebund von den aus Lehrermitteln stammenden Geldern *) (dem größten Einnahmeposten in seinem jährlichen Budget) einen Th eil derselben den Lehrern wieder zurückzugegeben beabsichtigt, aus diesem geschäftlichen Grunde beansprucht er Sitz und Stimme im Verbandsvorstande. Der Gemeindebund versteht, wie ein gewiegter Kaufmann, sein Interesse zu wahren, und von dieser Seite betrachtet, ist freilich sein Verlangen nicht unberechtigt. Warum auch nicht sollte der Gemeindebund unter Verzichtleistung auf alle ihn nicht direkt betreffenden Punkte, wie ein weit- und umsichtiger Kaufmann, in jedem Falle auf seinen Sitz und Stimme beharren, da er hierdurch seine Einnahme aus Versicherungen von Lehrern für die spätere Zeit durch seine direkte Verbindung mit dem Lehrerbunde in Folge einer sicher in Aussicht stehenden vergrößerten Zahl von Versicherungen aus dem erweiterten Lehrerkreise, seine Einnahme und damit seinen Einfluß vergrößert? Aus diesem Grunde liegt es auch klar auf der Hand, daß der Gemeindebund mit der bei ähnlichen Anlässen in allen Vereinen üblichen Ehrenmitgliedschaft, die ihm zuzuerkennen der Lehrerverband sich ganz gewiß beehrt haben würde, sich nicht begnügen lassen könnte, weil eben diese Ehrenmitgliedschaft bei seinen geschäftlichen Interessen an den Lebensversicherungen der Lehrer ihm nichts nütz en würde; er will deßhalb zur Sicherung dieser Interessen das vermeintliche Opfer eines jährlichen Beitrags von 1500 M. bringen (ein wirkliches Opfer ist es nicht, da doch das Geld aus Lehrermitteln stammt), gerade wie ein Kaufmann, der, um seinen Kundenkreis zu erweitern, die großen Kosten einer splendiden Einrichtung und Decorirung seiner Geschäftsräume nicht scheut. In Consequenz dieser Berechtigung, nämlich gegen Bezahlung einer jährlichen fixen Summe Sitz und Stimme im Vorstand des Verbandes zu erlangen, könnte auch *) Nach dem Rechenschaftsbericht des D. I. G. B. vom Jahre 1893/91 (Siehe „Mittheilungen vom D. I. G. B." Nr. 38, S. 8 und 3) betrug diese E.nnahme 41,788.29 Mk., von denen als Uebrrfchuß 16,635.95 Mk. in die Bundeskasse zur Dertheilung an se«ne verschiedene Fonds flössen.