Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 38 (13.5.1895)
- Date
- 1895-05-13
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Confesfion, welche sie verlassen haben, nicht nur drei Jahre lang, sondern auch weiterhin zu leiste». — Graf Stephan Keglevich erwiederte, daß er gleichfalls im Interesse der Herstellung des religiösen Friedens und zum Zwecke der Beseitigung des Covflkcts zwischen beiden Häusern des Reichstages den Antrag Rudnyanszky in der Form anzunehmen ersuche, daß die Betreffenden nicht für immerwährende Zeiten, sondern für die Dauer von fünf Jahren verpflichtet werden, ihre Beiträge an die von ihnen verlassene Confesfion zu leisten. Da ferner vielfach behauptet werde, daß die Vorlage über die Reception der Juden nur deßhaib der Antipathie begegne, weil sie als besondere Vorlage erscheine, stelle er den Vermittlungsantrag, alle Verfügungen des Gesetzentwurfes über die Reception der Juden in die Vorlage über die freie Religionsübung aufzunehmen, wenn damit die Garantie geschaffen werde, daß die Bestimmungen dann von den Magnaten angenommen werden. Der Ausschuß möge eine Sub Comite entsenden und dieses mit der Textirung der neuen Gesetzesvorlage betrauen. — Cultusminister Dr. Wlassics reftectirle auf diese Anträge vom SLandvunkte der Regierung mit der Bemerkung, daß dieselbe an den Princip!en und au dem Wortlaute der Vorlagen srsthalte. Er bitte den Ausschuß, die Vorlagen in d:r ursprünglichen Form anzunehmen. Wenn aber die heute angeregten Anträge im Plenum gestellt und von den Magnaten angenommen werden würden, werde die Regierung keine Einwendung dagegen erheben, und er glaube, daß es sodann nach Schaffung dieser Garantien möglich sein werd-, die Majorität des Abgeordnetenhauses zu bewegen, diese Modifieationen anzunehmen; die Negierung ergreife aber hiezu nicht die Initiative, so lange diese Garantien durch die Annahme der Vorlagen im Oberhause nicht geboten würden. — Graf Ferdinand Zlchy, der als nächster Redner das Wort nahm, bezeichnete die Anträge als verwässerten Wein, den er und seine Gesinnungsgenossen unter gar keinen Umständen genießen wollten. Er und seine Freunde werden gegen die Confesfionslostgkeit und gegen die Reception der Juden in jeder Form stimmen. — Diese dectdirte Erklärung veranlaßte den Geheimen Rath Koloman v. Rado, zu beantragen, daß von der Einsetzung des Sub Comites Umgang genommen und die Vorlagen in der ursprünglichen Form aufrecht erhalten werden, nachdem die Aeußerungen des Grafen Ferdinand Ztchy keinen Zweifel darüber aufkommen ließen, wie dieser und seine Gesinnungsgenoffen denken. Wenn der Antrag im Plenum gestellt und angenommen werde, sei noch immer Zeit, über die Form schlüssig zu werden. — Nachdem noch der Minister-Präsident Baron Banffy den Standpunkt der Regierung ganz lm Sinne der Erklärungen des Cultusministers gekennzeichnet hatte, beschloß der Ausschuß, die unveränderte Annahme beider Vorlagen nach den Beschlüssen des Abgeordnetenhauses zu empfehlen, beziehungsweise seinen eigenen ursprünglichen Standpunkt aufrechtzuerhalten. Italien Cremona. Zwischen Luigi Luzzalti, dem bekannten früheren Finanzminister, welcher der jüdischen Religion angehört, und dem Bischöfe von Cremona fand letzthin ein reger Briefwechsel über die in Italien durch den Einfluß der Geistlichkeit ins Leben gerufenen landwirthschaftlichen Vereinigungen und Vorschußkaffen statt. Neben diesen Caffen, deren es bisher ungefähr 170 gibt, bestehen seit zwei Jahren die von den Abgeordneten Luzzatti und Wollenberg errichteten italienischen Ackerbaukaffen, 240 an der Zahl. Die Institute beider Arten haben es sich zur Aufgabe gemacht, den Bauernstand aus Wuchererhänden zu befreien. Der Briefwechsel zwischen Luzzatti und dem Bischof von Cremona hatte nun den Zweck, eine Art finanziellen Cartells festzustellen, durch welches beide Kassenkategorien von der ebenfalls durch Luzzatti gegründeten italienischen Volksbank in gleicher Weise unterstützt werden sollten. Luzzatti kam den Wünschen des Bischofs aus das Bereitwilligste entgegen, und auf seinen Rath hat die Volksbank den Vorschußkaffen dieselben Begünstigungen gewährt wie den Ackerbaukaffen. vermischtes. (Turnerei und Antisemitismus.) Der Leipziger Geschäftsführer der „Deutschen Turnerschaft", Dr. Götz, hat sich jüngst von neuem gegen den Antisemitismus in der Turnerschaft ausgesprochen. Er schrieb, als der erste Wiener Turnerverein Slaven und Juden aus seiner Mitte ausschied, in einem nach Wien gerichteten Brief: „Ich habe Ihnen zu erklären, daß ich Ihren Kampf gegen das Judenthum schon im Allgemeinen nicht zu billigen vermag, daß ich denselben, wie Sie ihn auf Kosten der Einigkeit treiben, für einen unerhörten Frevel am Deutschthum halte, und daß ich die Form, in die Sie den Kamps einkleiden, für eine durchaus unsittliche und geradezu empörende erkläre." Bravo! (Das Judenthum als Stütze des Den tschthum s. Am 17. April hielt der „Verein zur Förderung des Deutschthums" in Graudenz eine Versammlung ab, in der ein Mitglied nach einem Bericht der „Deutsch. Tagesztg." äußerte, daß in letzter Zeit infolge des immer heftiger in verschiedenen Bezirken auftretenden, mit Verrufserklärungen vorgehenden Antisemitismus z. B. viele Eisengeschäfte in den klonen Städten des Ostens von jüdischen Inhabern verkauft wurden und dann in der Regel in Polenhände übergegangen feien, so daß die Antisemiten geradezu den Polen in die Hände arbeiten."