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Der Israelit · 1895-05-13 · Heft 38 (13.5.1895) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 38 (13.5.1895)
Date
1895-05-13
Page
– (sequence 3)
Language
German
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-17 langen, ist die Losung! Nur nicht die Rückkehr „zu starren Formen oder gar zu national-jüdischen Ideen r Es ist nur kaum Werth auf alle Einzelheiten des Aufrufs näher einzugehen. Daß kleine Ungenauigkeiten Vorkommen — wir sind immer höflich — ist selbstverständlich. So heißt es: „Schon heute haben die Liberalen in der Repräsentanz kaum noch eine Mehrheit." Es braucht erst nicht gesagt zu werden, daß nahe an 3/4 der Repräsentantenversammlung radical-reformatorisch gesinnt, die übrigen höchstens ganz matt gemäßigt konservativen Tendenzen huldig n. Die staatliche Beaufstchtigung des jüdischen Religionsunterricht, eine so notwendige Forderung wird mit der dummen Redensart abgethan, „Besser als behördlicher Zwang verbürgt uns die Einrichtung eines solchen Unterrichts unsere Zrkunft. Inzwischen ist, wie schon mitgethetlt, der erste Versuch des liberalen Wahlvereins unter der jüdischen Bevölkerung für seine judenfeindlichen Tendenzen Propaganda zu machen, gründlichst gescheitert. Doch die Hydra hat tausend Köpfe. Darum gilt es auf Gott zu vertrauen und tüchtig, natürlich nur mit geistigen Waffen — um sich zu hauen. Der Heilsbau des Judenthums hat schon Jahrtausende überdauert, er braucht nicht zu erzittern vor der schmählichen Maulwurfsarbett des liberalen Wahlvereins und der bündlerischen Presse. Wir dürfen getrost und unerschütterlich, weiter jener frohen Zukunft entgegenharren, von welcher der fromme Dichterkönig so glaubenskräftig singt: „Dann werden sich freuen die Bäume des Waldes." Denn dann wirdman nicht mehr Bäume zu fällen brauchen, um mit Holz und Reisig zu heizen, sondern die jüdtsch-reformertsche PseudoliMratur vom Schlage jenes Aufrufs wird diesem Zwecke dienen. X. Zeitungsnachrichten und Correspoudenzeu. Deutschland. Berlin, 8. Mai. Zum Prediger der Vereins- Synagoge in der Schilling-Straße und zum Dirigenten einer Religions-Schule, die in einer der benachbarten Straßen errichtet werden soll, ist der Rabbiner Dr. Baneth, bisher Rabb. in Crotoschin. ernannt worden. Cölu. Der Cölnischen Zeitung wird geschrieben: König David ltvar? bisher in der Geschichte als der eigentliche Begründer der jüdischen Monarchie, als hervorragender Herrscher und Staatsmann. als Dichter und Harfenspieler bekannt. Der französische ArchäologeMarcel Dieulafoy hat jüngst bor der Akademie der Inschriften in einem interessanten Vortrag eine neue Seite dieses Charakterbildes hervorgehoben und des großen Königs Bedeutung als Stratege und Taktiker beleuchtet. Dieulafoy hat mit der Bibel in der Hand den Schauplatz der Feldzüge Davids gegen die Philister durchstreift und dabei den König nicht nur als glücklichen Sieger, sondern auch als wirklich geschickten Heerführer immer mehr schätzen gelernt. Sein Vortrag trägt den Titel: „Der letzte Feldzug der Philister und die Schlacht bei Rephaim." Er führt aus, wie die Philister, beunruhigt über die Einnahme von Jerusalem und die Gründung des Königthums durch David, das neue Reich zu vernichten gedachten, wie sie unversehens bei der Stadt Eron über die Grenze brachen und David, um nicht in der Hauptstadt eingeschloffen zu werden, in dem Landstrich Adullam einen sicheren, fast unangreifbaren Zufluchtsort fand, von dem aus er den Feind beobachten konnte. Dieser erste, sehr gut geleitete Feldzug nahm denn auch schließlich für die Hebräer einen glücklichen Ausgang. Bald jedoch machten die Philister einen neuen Einfall und besetzten das Thal von Rephaim, das am Fuße der Hügel gelegen ist, welche sich von Westen nach Jerusalem htnzlehen. Der Krieg war von langer Dauer. David wurde von den Feinden schwer bedrängt, machte sich aber schließlich Luft durch eines der schönsten Manöver, die die Kriegsgeschichte aufbewahrt hat. David war, wie Herr Dieulafoy zeigt, der erste unter den jüd. Häuptlingen, der regelrecht geschulte und disziplinirte Truppen schuf. Daß er sie wie ein geborener Heerführer zu leiten wußte, beweist der in der Bibel genau beschriebene Plan der Schlacht bet Rephaim. Derselbe lief nach Dieulafoys Darstellung zunächst auf einen Flankenmarsch, dann auf einen schnellen Frontwechsel und Umfassung des linken Flügels der Philister hinaus. Der Angriff dieses linken Flügels vom Rücken her und die ganze schwierige und künstlich zusammengesetzte Operation wurde vortrefflich durchgeführt und gipfelte in einem glänzenden Siege. Der Feldzug war entschieden und die Wirkung der Schlacht eine so durchgreifende, daß die Philister sich genöthigt sahen, einen sehr harten Frieden anzunehmen. Ihre Macht war erschüttert und wurde bald ganz gebrochen. Herr Dieulafoy findet in dem Schlachtplane merkwürdige Ähnlichkeiten mit Friedrichs II. Manövern bei Mollwitz und Roßbach und ist geneigt, in dem Feldherrntalente des Hirten von Betlehem und spätem Königs, der ja aller Wahrscheinlichkeit nach den Plan jener Schlacht ersann und leitete, eine weitere Kundgebung seiner genialen Anlage und Erklärung seincs meteorartigen Emporsteigens zu erblicken. Es scheint indessen, daß Herr Dieulafoy recht viel in die einfache biblische Erzählung hineingeheimnißt hat.

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