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Der Israelit · 1895-05-09 · Heft 37 (9.5.1895) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 37 (9.5.1895)
Date
1895-05-09
Page
– (sequence 12)
Language
German
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706 vom Prediger in der Ursprache gesprochenen Btbelverse als die, welche er deutsch vorträgt." (Diese Worte könnten sich auch jene Reformer merken, welche deutschen Gottesdienst wünschen.) Wien, 8. April. Der Vicepräfident des Abgeordnetenhauses, David v. Abrahamowicz, hat von der jüdischen Bevölkerung Lembergs eine Dankadresse mit zahlreichen Unterschriften erhalten. Die jüdischen Gewerbetreibenden und Kaufleute Galiziens danken darin dem Abgeordneten für sein Wirken in der Frage der Sonntagsruhe, welches von einem den galizischen Verhältnissen Rechnung tragenden Erfolge begleitet war. — Vergangene Woche ist in Meran der Hofzahnarzt Dr. Max Hirschfeld im Alter von 66 Jahren aus dem Leben geschieden. Der Verstorbene, welcher an dem Feldzuge des Jahres 1859 theilnahm und wegen seiner Haltung vor dem Feinde unter besonderer kaiserlicher Belobigung zum Regimentsarzte avarcirte, ist auch in Wien durch seine wiffenschaftlichen Vorträge und seine literarische Thätigkeit hervorgetreten. (K.) Grotzwardeiu, 19. April. Ein kathol. Geistlicher hier, der schon die höheren Weihen erhalten, hatte stch in ein jüd. Mädchen verliebt, das er auch heirathen wollte. Das Mädchen erklärte jedoch, daß es nur einem Israeliten zum Traualtäre folgen werde. Der Priester legte nun seine geistliche Stelle nieder und traf Vorbereitungen, um zum Judenthume überzutreten. Seine Eltern machten ihm jedoch darob heftige Vorwürfe, und so ließ der Priester sein Vorhaben wieder fallen. Da er jedoch seine leidenschaftliche Liebe zu dem Mädchen nicht unterdrücken konnte, so verließ er heimlich unsere Stadt und begab stch nach Wien, um dort zum Judenthume überzutreten. Das Rabbinat daselbst erklärte ihm jedoch, daß es einen geweihten kathol. Priester nie und nimmermehr in den Bund des Judenthums aufnehmen werde. Unverrichteter Sache ist der Priester nun wieder hierher zurück gekehrt. Rumänien. Bukarest. (Ein toleranter Kirchenfürst.) Dr. Grünwald. Großrabbiner von Bulgarien, hat von dem Erzbischof Robert Menini folgendes Schreiben erhalten: „Hochgeschätzter Herr! Vor ein paar Stunden bekam ich Ihren wertheften Brief sammt dem Exemplare: „Ueber den Einfluß der Psalmen auf die katholische Lithurgie." Eine kurze Ucberstcht des Werkes gab mir schon die Urberzeugung, daß es sehr mühevoll bearbeitet ist und von nicht geringer Nützlichkeit sein wird. Gott gebe, daß diese jüdischen Psalmen, welche die Substanz der katholischen Liturgie bilden, einst von Jaden und Christen in einem Tempel und in heiliger Verbindung des Glaubens und der Liebe gesungen werden mögen. Indessen bewundere ich Ihre hohe ge.sttge Thätigkeit und wünsche Ihnen von Gott einen reichen und fruchtbringenden Segen. Mit Hochachtung und Dankbarkeit Ihr ergebenster Robert Menint, katholischer Erzbischof." Bukarest, 23. April. Nach dem heute veröffentlichten amtlichen Berichte über die zu Ende des vorigen Jahres zu Zwecken der Steuerkontrolle vorgenommenen allgemeinen Volkszählung beziffert stch die gegenwärtige Einwohnerschaft Rumäniens auf 5,406.249 Seelen, was im Vergleiche zu der für das Jahr 1890 konstattrten Vevölkerungszahl eine Zunahme um 367.907 Einwohnern ergtebt. Von der gegenwärtigen Bevölkerung Rumäniens entfallen 2,739,043 Personen auf das männliche 2.967,206 auf das weibliche Geschlecht. Ihren staatsbürgerlichen Verhältnissen nach setzt stch die Einwohnerzahl des Landes zusammen aus 5,015.912 rumänischen Staatsbürgern, 141.867 fremden Unterthanen und 248,570 solcher Personen, welche ohne in Rumänien das Bürgerrecht zu besitzen, auch zu keinem auswärtigen Staate in einem Angehörigkettsv^hältniffe stehen. Unter letzteren nehmen selbstverständlich die vom Bürgerrecht ausgeschlossenen Israeliten die weitaus erste Stelle ein. Da aber die Zahl sämmtltcher in Rumänien lebender Israeliten einschließlich der stch hier aufhallenden fremden Staatsangehörigen mosaischer Religion, deren Ziffer auf mindestens 50,000 geschätzt werden muß, nur 243,225 Seelen beträgt, so wird durch diese Ziffern wohl das von unfern chauvinistischen Antisemiten mit großer Zähigkeit festgehaltene Märchen endgilttg widerlegt, daß durch die Aufnahme der einheimischen Juden in den Staatsbürgerverband eine halbe Million fremder Elemente dem rumänischen Volksthum einverleibt würden! Im Uebrigen gebären der Konfession nach von den Bewohnern Rumäniens 5,015.912 der griechisch-orthodoxen Kirche, 154,093 andern anerkannten christlichen Glaubensgeuossenschaften, 43,110 dem Islam und 16,439 verschiedenen kleinen Sekten, vorzugsweise russischen Ursprungs (Lipovaner und Skopzen) an. Die Zahl der Famtltenhaushaltungen wird auf 1,345,492 berechnet, während die Zahl der Gewerbetreibenden und Kaufleute auf 494,172, die der Angehörigen der sogenannten freien Berufsarten (Acrzte, Advokaten, Ingenieure, Gelehrte, Künstler u. s. w.) auf 13,572, die der Verkäufer von Spirituosen auf 20,573 angegeben sind. Wie viel in Bezug auf Volksschulunterricht in Rumänien noch

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